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Andrea Sawatzki – die schreibende Schauspielerin

Nicht nur als Schauspielerin, auch als Schriftstellerin ist Andrea Sawatzki erfolgreich.

Nicht nur als Schauspielerin, auch als Schriftstellerin ist Andrea Sawatzki erfolgreich.

Foto: Jörg Krauthöfer / Funke Foto Services

Schauspielerin Andrea Sawatzki spricht im Interview über die TV-Familie Bundschuh, ihren Erfolg als Autorin und das perfekte Weihnachten.

Berlin. Sie sind ein echtes Promipaar und beide nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Schriftsteller erfolgreich: Andrea Sawatzki (56) und ihr Ehemann Christian Berkel (62). Die neue Komödie „Familie Bundschuh – Wir machen Abitur“ am Montag im ZDF ist schon die vierte Adaption eines Sawatzki-Romans über die chaotische Sippe. Andrea Sawatzki spielt wieder die gestresste Hausfrau und Mutter Gundula Bundschuh, Axel Milberg ihren miesepetrigen Ehemann Gerald.

Frau Sawatzki, der neue Film über die von Ihnen erfundene Gundula Bundschuh und ihre chaotische Familie heißt: „Wir machen Abitur“. Denken Sie noch oft an Ihre eigene Abiturzeit?

Andrea Sawatzki: Sehr oft sogar. Ich war frühzeitig von zu Hause ausgezogen, hatte aber noch keinen richtigen Plan, was aus mir werden sollte. Meine Schulzeit war nicht ganz so einfach. Gundula Bundschuh, die ja ein Stück weit mein Alter Ego ist, ist selber vor der Schule geflohen. Deshalb hält sie sich auch bei ihren Kindern völlig raus, was das Thema angeht.

Sie selber haben sich bei Ihren eigenen Kindern bestimmt stärker eingebracht …

Sawatzki: Ja, denn ich möchte, dass meine Kinder ein leichteres Leben haben. Sie sollen einen planvolleren Weg gehen können als ich. Unser ältester Sohn ist jetzt 20 und hat vor zwei Jahren seinen Abschluss gemacht, natürlich haben wir da mitgefiebert.

Unser Jüngster, Bruno, macht 2021 sein Abitur. Mein Mann und ich waren kürzlich gemeinsam an seiner Schule, da wurde ein spezieller Tag angeboten, an dem man in Einzelsitzungen mit den Lehrern und dem Schüler über alle Anliegen und eventuelle Probleme sprechen konnte, das war sehr produktiv.

Macht es Sie stolz, dass Sie inzwischen nicht nur als Schauspielerin erfolgreich sind, sondern auch als Schriftstellerin?

Sawatzki: Ja, ich bin da ehrlich gesagt irrsinnig stolz. Es ist, soweit ich weiß, auch die einzige Filmreihe einer schreibenden Schauspielerin, das finde ich wirklich klasse.

Wie geht es mit Ihren Bundschuh-Romanen und den Verfilmungen weiter?

Sawatzki: Wir drehen gerade einen fünften Film, der 2020 als Weihnachtskomödie im ZDF laufen soll. Er basiert aber nicht auf einer Romanvorlage, sondern da habe ich mit der Drehbuchautorin und dem Regisseur den Plot entwickelt. Wenn wir weitermachen sollten, vielleicht sogar zwei Bundschuh-Filme im Jahr machen dürfen, dann werden wir dieses System auch größtenteils beibehalten.

Weil Sie gar nicht so schnell für Roman-Nachschub sorgen können?

Sawatzki: In dieser Taktzahl kann ich das leider nicht liefern. Allerdings werde ich definitiv weiterschreiben, ich denke dass ich alle zwei Jahre einen Bundschuh-Roman schreibe. Das nächste Buch, das ich angehe, wird aber wieder was Ernstes. Ich möchte, genau wie beim Drehen, die Genres wechseln, mal schwarze Komödie, mal düsterer Psychothriller. Ich bin mal gespannt, ob das Publikum da mitgeht.

Bei welchen Gelegenheiten schreiben Sie?

Sawatzki: Früher habe ich bei allen möglichen Gelegenheiten geschrieben, zum Beispiel beim Warten am Flughafen. Aber ich habe das geändert und versuche jetzt, kontinuierlicher zu schreiben, das ist produktiver. Ich habe mir das bei meinem Mann abgeguckt, der sich immer Auszeiten nimmt, um zu schreiben. Er setzt sich morgens um acht an den Schreibtisch und hört abends um sechs wieder auf.

Sein Buch „Der Apfelbaum“ ist sehr erfolgreich und soll ja ebenfalls verfilmt werden…

Sawatzki: Ja, und das freut uns wahnsinnig!

Nehmen Sie bei den Dreharbeiten eigentlich Einfluss?

Sawatzki: Nein, ich halte mich da zurück. Ich verteile aber vorher meine Romane, damit die Schauspieler sich orientieren können, was die wirklichen Tiefen der Figuren angeht – wenn sie das wollen. Aber die meisten wollen.

Gundula Bundschuh ist eine jener Frauen, die sich nicht vom Erwartungsdruck freimachen können, den sie und andere stellen ...

Sawatzki: Wir Frauen, vor allem aus meiner Generation, ticken da alle ähnlich. Dieser Anspruch, immer alles perfekt hinzukriegen, im Haushalt, in der Kindererziehung – ich habe noch keine Frau getroffen, die sich davon wirklich losmachen kann.

Bei meinen Lesereisen merke ich in den Gesprächen immer wieder, dass sich viele Frauen stark mit Gundula identifizieren. Und wenn die Leserinnen dann über sie und damit auch über sich selber befreiend lachen können, dann ist das genau das, was ich erreichen möchte.

Weihnachten steht vor der Tür. Ist das für Sie vor allem Stress oder auch Besinnlichkeit?

Sawatzki: Ich bin totaler Weihnachtsfan. Ich habe unser Haus schon Ende November geschmückt und alles fürs Plätzchenbacken eingekauft. Ich habe auch das Gefühl, dass sich viele Leute dieses Jahr besonders auf Weihnachten freuen. Ich glaube, das liegt an der Situation in der Welt, den vielen Krisen. Man hat das Bedürfnis, auch mal zu feiern und das alles für ein paar Momente zu vergessen.

  • „Familie Bundschuh – Wir machen Abitur“, Montag, 16. Dezember, ZDF, 20.15 Uhr