Sharing Economy Mode-Flatrate: Jeans zum Leasen für 7,50 Euro im Monat

Jeans zum Leasen gibt es bei einem niederländischen Shop

Foto: Istockphoto/gmalandra

Jeans zum Leasen gibt es bei einem niederländischen Shop

Das Leasing-Modell schwappt jetzt in die Modebranche. Ob Leihjeans, oder Mode zum monatlichen Festpreis – Start-ups liefern Ideen.

Berlin..  Die Vorstellung klingt verlockend: Im Kleiderschrank hängen monatlich neue Kleider, die Klamotten sind immer auf dem neuesten Stand der Modetrends und das Konto leidet nicht unter dem Shopping-Wahn.

Kleider leihen, anstatt sie zu besitzen – das ist das Motto eines neuen Trends der Textil-Branche. Mit zu den ersten Anbietern in Deutschland gehört die "Kleiderei" von Pola Fendel und Thekla Wilkening. Sie bieten unter kleiderei.com Textilien zum Ausborgen an. Für 34 Euro im Monat kann man sich vier Teile für einen Monat aussuchen. Wer überrascht werden will, kann sich von den Gründerinnen auch einfach ein Paket zuschicken lassen.

Im Angebot sind Blusen, Shirts, Röcke, Hosen, Schmuck oder Taschen, teilweise auch von jungen Designern. Die Kundschaft – vor allem junge Frauen – kommt aus ganz Deutschland. Wer ausleiht, muss auf die Klamotten gut aufpassen, so als seien sie von "einer guten Freundin" , heißt es in den Geschäftsbedingungen. Geht doch etwas kaputt, übernimmt die Kleiderei nur dann die Kosten, wenn es sich um normale Gebrauchsspuren handelt. Bevor das Stück an den nächsten Entleiher geht, wird die Kleidung gereinigt.

Das Geschäftsmodell passt perfekt zur sogenannten "Sharing Economy"

Teilen statt Besitzen ist eine Konsumform, die sich durchsetzen könnte. Wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts GfK belegt, sind vor allem jüngere und weibliche Online-Nutzer, denen die Sharing-Ideen vertraut sind, davon überzeugt. Die Gründe sind vielfältig. Laut Claudia Gaspar, GfK-Konsumentenforscherin, wird besonders gern geteilt, um Geld zu sparen oder weil die Produkte nur selten gebraucht werden.

Was für Werkzeug, Auto oder Wohnungen gilt, wird bei der Mode etwas anders gewichtet. "Textilien werden vor allem geteilt oder getauscht um kurzfristig mehr Auswahl im Kleiderschrank zu haben", sagt Gaspar. Das Prinzip verleihen oder tauschen sei jedoch nicht neu. Dass die gute Freundin das schicke Kleid für die Clubnacht ausleiht ist nicht überraschend. Was im Privaten funktioniert, läuft nun auch online. "Das Internet hat dafür einen viel größeren Rahmen geschaffen. Das macht es einfacher, das Produkt zu finden, das gerade gebraucht wird und auch kurzfristig darauf zuzugreifen", sagt Gaspar.

Die Textilbranche zweifelt noch am Ausleihmodell

Ausgefallene Kleidungsstücke wie ein Smoking, Ball- und Brautkleider hätten ihre Nische im Leihgeschäft gefunden, bei der Alltagskleidung lasse sich aber noch kein Trend feststellen, sagt Holger Spiesecke vom Verband Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie. Allerdings findet sich der Umweltaspekt, der für die Kleider-Leiher wichtig ist, in der Branche wieder. "Das Thema Nachhaltigkeit ist längst in der Textilindustrie angekommen", betont Spiesecke. Echte Öko-Mode mache bisher allerdings nur einen Marktanteil zwischen zwei bis drei Prozent aus. Das werde sich in den kommenden Jahren deutlich ändern.

Um mit mehr Nachhaltigkeit Kunden zu locken, bietet die niederländische Modefirma Mud Jeans zum Leasen an. Zu Beginn ist eine Startgebühr von 25 Euro fällig, danach muss der Jeansträger jeden Monat 7,50 Euro bezahlen. Nach einem Jahr kann die alte Hose gegen eine neue eingetauscht werden. Alle Materialien der gebrauchten Jeans werden nochmals verwendet. Dazu kommt ein Rabattgutschein in Höhe von zehn Euro. Das Leasing-Prinzip funktioniert nur über den Online-Shop der Firma. In den Geschäften, welche die Kleidung des Händlers anbieten, sei die Idee noch nicht gut angenommen worden, heißt es bei dem Unternehmen.

Zwar wird Kleidung laut den Einzelhandelsverbänden immer teurer, aber über schlechte Umsätze können sich die Unternehmen nicht beklagen. Die Branche verkauft jedes Jahr Hemden, Hosen oder Jacken im Wert von weit über 60 Milliarden Euro. Preis und Stil sind nach wie vor ausschlaggebend für den Kauf. Und künftig Nachhaltigkeit.