Weltwirtschaftsforum Deutsche-Bank-Co-Chef Cryan sieht Welt ohne Bargeld nahen

John Cryan sagt das Ende von Scheinen und Münzen voraus.

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John Cryan sagt das Ende von Scheinen und Münzen voraus.

John Cryan entfacht beim Weltwirtschaftsforum die Diskussion um das Ende des Bargelds. Banking per Smartphone könnte die Zukunft sein.

Davos.  Eine klare Botschaft haben die deutschen Verbraucher vom Treffen der Topmanager in Davos erhalten: Sie werden sich allmählich auf den Abschied vom Bargeld einstellen müssen. Denn Bargeld wird nach Ansicht von Deutsche-Bank-Co-Chef John Cryan in den nächsten zehn Jahren verschwinden.

Bei der 46. Ausrichtung des Managergipfels, die am Samstag zu Ende geht, richten rund 2500 Unternehmensvorstände, Manager, Politiker, Regierungschefs und Wissenschaftler ihre Blicke auf die nächsten Jahrzehnte. Dabei ging es auch um die Transformationen, die in den nächsten Jahren auf die Finanzwirtschaft zukommen und darum, wie die Bürger in Zukunft bezahlen und Finanzgeschäfte abwickeln.

"Cash ist fürchterlich teuer"

Bargeld spielt in dieser Betrachtung offenbar keine nennenswerte Rolle mehr: "Cash ist fürchterlich teuer und ineffizient", sagte Deutsche-Bank-Manager Cryan. Bargeld helfe nur noch Geldwäschern und anderen Kriminellen, ihre Geschäfte zu verschleiern. Der Manager sprach sich dafür aus, das Bargeld komplett zu "dematerialisieren". Das spare den Banken Kosten und erschwere auch die Geldwäsche. Auch Dan Schulman, der Chef des Internetbezahldienstes Paypal, sagte, dass das Geld bald "digitalisiert" werde. Doch gerade die Deutschen hängen an Schein und Münze. Während etwa Schweden und Dänemark ihren Zahlungsverkehr radikal digitalisieren, zahlen die Menschen in Deutschland nach wie vor vor allem bar: bei 79 Prozent der Transaktionen, wie die Bundesbank anhand Daten von 2014 errechnet hat. Gut die Hälfte (53 Prozent) der Umsätze im Einzelhandel wird mit Bargeld abgewickelt.

"Meines Erachtens wird der Anteil des unbaren Zahlungsverkehrs zunehmen, und trotzdem wird Bargeld bleiben", bekräftigte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele angesichts des Cryan-Vorstoßes die Faktenlage in Deutschland.

Barzahler schätzen es, dass sie einen genaueren Überblick über ihre Ausgaben haben und sich beim Bezahlen keine Sorgen über Datenschutz machen müssen.

Auch beim Handelsverband HDE glaubt man nicht an einen schnellen Abschied von Schein und Münze. "Ob und wann das Ende für das Bargeld kommt, entscheiden die Kunden. Der Handel nimmt derzeit noch mehr als die Hälfte seines Umsatzes per Bargeld entgegen", ließ HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth auf Nachfrage erklären. "Insofern ist ein Ende noch nicht absehbar, auch wenn die Umsätze mit Kartenzahlungen stetig, aber langsam steigen." Dass auch Plastikgeld Risiken birgt, kam erst diese Woche wieder ans Licht: Weil Kriminelle versuchten, an Daten von Kreditkarten zu kommen, tauschten mehrere Banken Zehntausende Karten vorsichtshalber aus.

Daten sind anfällig für Hacker

Als Trend der kommenden Jahre beschrieb Paypal-Chef Schulman eine Zunahme von Banking per Smartphone. Deshalb werde die Datenmenge, die Banken und Finanzdienstleistern über ihre Kunden zur Verfügung stehen, "explodieren". Und genau das sei eine große Herausforderung, denn Kriminelle könnten grundsätzlich jedes Passwort knacken, das Kunden zur Sicherung ihrer Konten verwendeten. Deshalb müssten sich die Finanzfirmen dringend um bessere Schutzmechanismen kümmern. Der Paypal-Chef warnte, dass es sonst zu Cyberangriffen auf Finanzunternehmen kommen könne, die die Kraft hätten, den Geldverkehr zu unterbrechen.

Deutsche-Bank-Co-Chef Cryan will eine bessere Kontrolle der Bankdaten. Die Art, wie Finanzdienstleister Informationen speichern, müsse dringend verbessert werden, so Cryan.