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Trump unter Druck – Half Russland gegen Clinton?

Donald Trump steht wegen der vermeintlichen Nähe seines Teams zu Russland unter Druck.

Foto: CARLOS BARRIA / REUTERS

Donald Trump steht wegen der vermeintlichen Nähe seines Teams zu Russland unter Druck.

Donald Trump gerät wegen seiner Russland-Kontakte weiter unter Druck. Allerdings bekommt er unerwartet Unterstützung im Abhörskandal.

Washington.  Mit Verschleierung kennt sich Carl Bernstein aus. Als junger Reporter enthüllte er gemeinsam mit dem Kollegen Bob Woodward den Watergate-Skandal, der Präsident Richard Nixon das Amt kostete.

Was gerade rund um die unterstellte konspirative Zusammenarbeit von Moskaus Kreml und Präsident Donald Trump während des Wahlkampfes 2016 geschieht, erinnert Bernstein an alte Zeiten. Er spricht öffentlich von "Nebelkerzen". Urheber aus seiner Sicht: das Weiße Haus.

Anstatt dem durch die bestätigten Ermittlungen der Bundespolizei FBI und täglich neue Enthüllungen gewachsenen Druck durch eine unabhängige Untersuchung zu begegnen, "die der Sache wirklich auf den Grund geht", sagte CNN-Zuarbeiter Bernstein, versuche die Regierung Brandmauern zu errichten. Zum Beispiel zu Paul Manafort.

Manafort war Trumps oberster Wahlkampf-Manager

Bis August 2016 war der Politik-Lobbyist Trumps oberster Wahlkampf-Manager. Nach seinem plötzlichen Abgang mehrten sich Indizien, dass der 67-Jährige engste Kontakte zu Vertrauten des russischen Präsidenten Wladimir Putin unterhielt. Manafort, der früher für den prorussischen Ex-Staatschef der Ukraine, Viktor Janukowitsch, arbeitete, hält an der Darstellung fest: alles unbedenklich.

Die Nachrichten-Agentur AP erweckt nun einen anderen Eindruck. Danach sollen Unterlagen belegen, dass Manafort früher im Sold des Milliardärs und Putin-Vertrauten Oleg Deripaska gestanden hat. Im Sinne des Kreml soll Manafort in ehemaligen Sowjetrepubliken Stimmung gegen antirussische Oppositionelle inszeniert haben. Trumps Sprecher Sean Spicer erklärte, dass der Präsident davon nichts gewusst habe, als er Manafort an Bord holte.

Wurde Trump doch abgehört?

Ähnlich kommentierte das Weiße Haus neue Berichte von CNN, die noch mehr Schatten auf die Regierung werfen. Danach hat das FBI Indizien, dass Mitglieder des Trump-Teams mit russischen Stellen vor der Wahl das Durchstechen von Dokumenten abgestimmt haben könnten, die die demokratische Kandidatin Hillary Clinton kompromittieren sollten. Falls sich diese Vorwürfe bewahrheiten, sagen Juristen der American University in Washington auf Anfrage, "stünde Trump mit einem Bein vor einem Amtsenthebungsverfahren".

Der republikanische Vorsitzende des Geheimdienst-Ausschusses Devin Nunes lenkte die Aufmerksamkeit überraschend in eine andere Richtung: Trump sei – entgegen der Darstellung der Chefs von FBI und NSA – möglicherweise doch abgehört worden, sagte Nunes vor Journalisten. Beweise dafür präsentierte er nicht.

Nunes sei "Trumps Handlanger"

Für Carl Bernstein ein weiteres Indiz für seinen Verdacht. "Hier soll etwas vertuscht werden." Zumal Nunes mit seinem Wissen direkt zu Trump ging. Die Demokraten sehen Nunes darum als "verbrannt" an und fordern die Einsetzung eines unabhängigen Untersuchungs-Ausschusses. "Er ist Trumps Handlanger", erklärte die Senatorin Elizabeth Warren.

Abseits der Russland-Geschichte plagt den Präsidenten die Sorge vor einer Niederlage im Parlament für sein wichtigstes Prestige-Projekt: die Reform der Krankenversicherung seines Vorgängers ("Obamacare"). Bisher haben die Republikaner in den eigenen Reihen keine Mehrheit für "Trumpcare". Viele Abgeordnete befürchten für ihre Wähler zu große Nachteile. Konsequenz: Die für Donnerstagabend angesetzte Abstimmung wurde verschoben.

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