Leitzinssenkung

Dax schließt auf 16-Monatstief - Abwärtstrend hält an

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), greift zu drastischen Mitteln.

Foto: Boris Roessler / dpa

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), greift zu drastischen Mitteln.

Die EZB greift zu drastischen Mitteln der Geldpolitik, aber an der Börse hält die Freude über die Leitzinssenkung nicht lange an.

Frankfurt/Main.  Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Geldpolitik erneut gelockert. Die Börse wurde davon befeuert, stürzte aber nach Äußerungen von Zentralbank-Präsident Draghi wieder ab.

Der Schlüsselzins für die Versorgung der Geschäftsbanken mit Notenbankgeld – der sogenannte Leitzins wird – erstmals auf null Prozent gesetzt. Bislang lag er bei 0,05 Prozent. Der Strafzins für Geschäftsbanken wurde zudem nochmals verschärft. Der sogenannte Einlagensatz werde auf minus 0,4 Prozent von bislang minus 0,3 Prozent herabgesetzt. Damit wird es für die Institute noch teurer, wenn sie überschüssige Gelder über Nacht bei der Notenbank parken.

Dax schwankte um 500 Punkte

Der Dax war nach der Zinssenkung um mehr als 2,5 Prozent in die Höhe geschnellt. Erst gut 4 Punkte vor der "magischen" Marke von 10.000 Punkten drehte das Börsenbarometer ab. Nachdem der Dax den höchsten Stand seit dem 13. Januar erreicht hatte, schloss er schloss auf seinem Tagestief 2,31 Prozent niedriger bei 9498,15 Zählern.

"Wie gewonnen, so zerronnen: Die Halbwertzeit geldpolitischer Maßnahmen ist heute auf eine Stunde gesunken", kommentierte Andreas Paciorek, Aktienstratege bei CMC Markets, die weitere Entwicklung. Eine Äußerung Draghis, er gehe von keinen weiteren Zinssenkungen aus, sei als die letzte Patrone der Europäischen Zentralbank interpretiert worden. Zudem seien die Währungshüter auch in puncto Inflation sehr pessimistisch geblieben.

EZB sieht schwache Wirtschaftsaussichten

Unerwartet stark gelockert hatte die EZB ihre Geldpolitik angesichts schwacher Wirtschaftsaussichten für die Eurozone. Schwache Wirtschaftsaussichten für die Eurozone hatten die EZB ihre Geldpolitik unerwartet massiv lockern lassen. Zur Senkung aller wichtigen Leitzinsen weiteten sie ihr milliardenschweres Wertpapier-Kaufprogramm aus und legten neue Langfristkredite auf.

Die umstrittenen Anleihenkäufe werden auf monatlich 80 Milliarden Euro aufgestockt – bisher waren es 60 Milliarden Euro. Mit dem Programm wollen die Währungshüter die Wirtschaft ankurbeln und für mehr Inflation sorgen. Denn im Februar waren die Preise in der Euro-Zone um 0,2 Prozent gesunken. Die EZB peilt aber mittelfristig eine Teuerung von knapp zwei Prozent als Idealwert für die Wirtschaft an. (rtr/dpa)