ARD-Krimi

Die skurrilsten Momente beim Kieler „Tatort“

Der Fall „Tatort: Borowski und das dunkle Netz“ führt die beiden Kieler Kommissare Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) in die Tiefen des sogenannten Darknet. Zum vorletzten Mal ermittelten Borowski und Brandt gemeinsam.

Foto: Christine Schroeder / NDR

Der Fall „Tatort: Borowski und das dunkle Netz“ führt die beiden Kieler Kommissare Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) in die Tiefen des sogenannten Darknet. Zum vorletzten Mal ermittelten Borowski und Brandt gemeinsam.

Erneut widmete sich mit "Borowski und das dunkle Netz" ein "Tatort" dem Thema Cybercrime. Einige Momente bleiben dabei in Erinnerung.

Berlin.  Es war der vorletzte Fall, den Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) gemeinsam mit seiner Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) löste; das Ausscheiden der beliebten Ermittlerin aus dem "Tatort Kiel" steht seit Anfang Februar offiziell fest. Im "Tatort: Borowski und das dunkle Netz" ermittelte das Duo am Sonntag im Darknet, nachdem der LKA-Dezernatsleiter für Cyber-Kriminalität, Jürgen Sternow, ermordet wurde.

Der Mörder ein Auftragskiller mit Wolfsmaske, der Auftraggeber jemand aus den Reihen des LKA – eher düster und vor allem in den Anfangsszenen ziemlich brutal ging es beim soliden Spannungsbringer "Tatort Kiel" zu. Ein paar skurrile Momente dürften den Zuschauern in Erinnerung geblieben sein:

1.) Als der Schalldämpfer wie ein Keks zerbröselte

Regelmäßige "Tatort"-Zuschauer dürften sich vielleicht noch an den Jubiläums-"Tatort: Taxi nach Leipzig" erinnern. Im November 2016 griff Kommissar Borowski zu einer ungewöhnlichen Waffe: Mit einem zerbröselten Keks machte der Kommissar einen Geiselnehmer zumindest kurzzeitig handlungsunfähig.

Genau wie damals das trockene Mürbeteig-Gebäck zerbröselte diesmal die Tatwaffe selbst, oder besser: deren Schalldämpfer. Als der Auftragskiller im Fitnessstudio sein Opfer schon per Kopfschuss niedergestreckt hat, stellt sich ihm der Studio-Besitzer in den Weg – Typ muskulöser, braun gebrannter und blondierter Wrestler, der mit einem weißen Schweißband seine lange Mähne zusammenhält. Der schon in der Brust Getroffene umfasst mit der bloßen Hand den Waffenlauf und zermalmt den Schalldämpfer mit seiner Pranke. Der Aufsatz muss wohl von minderer Qualität gewesen sein.

2.) Als sich die Hotelrezeptionistin selbst als Null bezeichnet

Es wird nicht ganz ersichtlich, warum die Drehbuchautoren David Wendt und Thomas Wendrich die Figur Rosi erfunden haben. Die Rezeptionistin fällt vor allem dadurch auf, dass sie sich spitz wie Nachbars Lumpi an den Auftragsmörder heranschmeißt. Dieser hatte sich nach dem Mord in ihrem Hotel einquartiert.

"Willst du ficken?", fragt sie ihn ganz unverblümt. Das ist nicht nur für die Zuschauer des öffentlich-rechtlichen Fernsehens leicht befremdlich. Auch der Killer weiß mit dem offensiven Angebot nicht so recht etwas anzufangen. Deshalb lenkt Rosi ein und gibt auch direkt einen Hinweis darauf, als was sie einzustufen ist: "Wenn Sie was brauchen, ich bin die Null." Am Ende ist die Null Rosi tot. Vergiftet. Das scheint aber weder die Ermittler noch irgendwen sonst zu interessieren. Der Zuschauer fragt sich vergeblich, was wohl aus ihrer Leiche geworden ist.

3.) Als Polizeirat Schladitz seine Kommissare für Nullen hält

Polizeirat Roland Schladitz und die Kommissare Borowski und Brandt sind am Tatort. Da es sich bei dem Opfer um LKA-Dezernatsleiter Jürgen Sternow handelt, soll auch zunächst das LKA die Ermittlungen übernehmen. Schladitz versucht, Borowski davon abzuhalten, das Auto des Opfers zu untersuchen. "Klaus, bitte lass das", redet er auf ihn ein. Borowski und Brandt ignorieren die Bedenken ihres Chefs aber geflissentlich.

Schließlich kommen die Kollegen vom LKA an. "Kommt von dem Auto weg, verdammt noch mal", ordnet der Chef an. "Lasst mich reden. Ihr haltet die Klappe und lächelt." Schladitz, eigentlich dafür bekannt, dass er seine Ermittler zu schätzen weiß, hält in diesem Fall offenbar nicht viel von Borowski und Brandt.

4.) Als LKA-Chef Eisenberg Borowski und Brandt für Nullen hält

Mindestens ebenso wenig wie Schladitz hält auch LKA-Chef Wolfgang Eisenberg von den beiden Kieler Ermittlern. Als er sich mit Staatsanwalt Tom Austerlitz dem Tatort nähert, findet er kaum schmeichelhafte Worte für die Kommissare. Und so entspinnt sich folgender Dialog zwischen den beiden Männern:

"Ist das Borowski?", will der Staatsanwalt wissen. "Mmh, das ist er. Aufgeblasen, eingebildet, überschätzt." – "Und wer ist sie?", fragt Austerlitz offensichtlich nicht ganz abgeneigt von der attraktiven Kommissarin. "Was weiß denn ich? Seine Kaffetasse?" Der Aufgeblasene und seine Kaffeetasse dürfen den Fall aber am Ende dennoch behalten und ganz offiziell ermitteln.

5.) Als der Täter sich mit einem Spiegel den Finger abhackt

Die lose Schraube des Wandspiegels im Hotel aus einer Szene ganz am Anfang der Folge musste doch eine Bedeutung haben. Hat sie auch. Denn als der Auftragsmörder seine Spuren beseitigen und das Hotel verlassen will, passiert es. Der Spiegel fällt von der Wand.

Es muss ein Spiegel mit ganz schön scharfen Kanten gewesen sein. Denn beim Herunterfallen trennt er den kleinen Finger des Mörders sauber wie ein Skalpell ab. Der Killer, so schmächtig er auch aussehen mag, ist ganz schön hart im Nehmen. Mit Gaffa-Tape verklebt er die Wunde. Der Finger landet übrigens irgendwann – dank der rattigen Rosi – im Klo.

6.) Als eine Horde Handballerinnen den Täter dingfest macht

Wilde Verfolgungsjagd zu Fuß: Brandt rennt hinter dem Täter her, der flüchtet in eine Sporthalle, in der gerade ein Handballturnier stattfindet. Der Zuschauermenge zum Trotz zückt Brandt die Dienstwaffe und verfolgt den Killer bis in die Damen-Umkleide. Eigentlich hätte das schon das Ende der Figur Brandt sein können.

Ein epileptischer Anfall – später gibt sie an, sie habe simuliert – streckt sie zu Boden. Der Täter erfasst die Gelegenheit, würgt die Kommissarin, Brandt ist wehrlos. Doch auf die Sportlerinnen ist Verlass. Mit Geschrei und vollem Körpereinsatz stürzen sich die Damen auf den Killer, lassen die Fäuste fliegen. Irgendwie scheint der Regisseur dem Wrestling nahezustehen.

7.) Als Borowski einen halbnackten LKA-Computernerd durch Kiel kutschiert

Das hätte man dem LKA-Ermittler Cao Tang Bang kaum zugetraut. Der Computernerd aus dem Team des ermordeten Dezernatsleiters Sternow hatte doch tatsächlich die Tochter seines Chefs klargemacht. Borowski überrascht das Paar am Badesee und bringt Cao – bekleidet in nichts als einem knappen knallroten Badehöschen – in Handschellen zum Kieler Denkmal zum Matrosenaufstand 1918.

Es ist vielleicht die skurrilste Szene der ganzen "Tatort"-Folge: Der schmächtig Asiate tippt auf seinem Smartphone herum und löst den Fall im Schein der Taschenlampe – nachts in Handschellen und halbnackt. "Ich weiß, wem die Nummer gehört." Damit beweist LKA-Nerd Cao: Zumindest er ist keine Null.

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