Maskenpflicht auf dem Boulevard: „Maske soll uns alle schützen“

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Britta Bielefeld
Auf dem „Boulevard“ in Bad Lauterberg sollen Mund-Nase-Bedeckungen getragen werden.

Auf dem „Boulevard“ in Bad Lauterberg sollen Mund-Nase-Bedeckungen getragen werden.

Foto: Kjell Sonnemann / HK

Göttingens Sozialdezernentin beantwortet Fragen zu den aktuell geltenden Regeln und konkretisiert Unklarheiten. Verkaufsoffener Sonntag ist abgesagt.

Bad Lauterberg. In der Bad Lauterberger Innenstadt sollen die Menschen Mund-Nase-Masken tragen. Grund: Steigende Corona-Zahlen. Das wirft bei vielen Bürgern Fragen auf. Göttingens Sozialdezernentin Petra Broistedt antwortet im Interview. Es handelt sich um die aktuellen Auflagen, die an diesem Wochenende gelten. Jetzt Maskenpflicht – Update am Freitag: Landkreis Göttingen über Inzidenz 50 – aktuelle Regeln

In Bad Lauterberg soll auf dem „Boulevard“ ab einem Index von 35 eine Mund-Nase-Maske getragen werden. Ist das eine Empfehlung?

Die Maske soll uns alle schützen. Mit den neuen Regeln des Landes soll niemand schikaniert werden. Fakt ist: Wir haben in Stadt und Landkreis Göttingen eine erhöhte Infektionsquote und für mich ist es in diesen Zeiten schlicht ein Zeichen von Solidarität, eine solche Alltagsmaske aufzusetzen. Eine echte Pflicht kommt, wenn der Inzidenzwert auf 50 oder höher klettert. Bis dahin gilt die dringende Empfehlung, eine Maske zu tragen.

Welche rechtliche Grundlage steckt dahinter?

Die Regel, dass eine Maske bei Erreichen der 35er Inzidenz getragen werden soll, hat die Landesregierung verordnet. Wir als Kommune können nur bestimmen, an welchen Orten genau die Maske getragen werden soll. In Göttingen haben wir das Gebiet auf dem Wall, innerhalb des Walls sowie am Albaniplatz festgelegt. Im Bad Lauterberg den sogenannten „Boulevard“.

Wenn Menschen sich weigern, in diesem Bereich eine Maske zu tragen, was geschieht?

Sie werden von unserem Ordnungsdienst angesprochen und eindringlich gebeten, eine Maske aufzusetzen.

Rechnen Sie damit, dass die Zahl der Coronafälle im Landkreis Göttingen weiter steigt?

Angesichts der Entwicklung bundesweit, um uns herum und unseren eigenen steigenden Fallzahlen, ist damit zu rechnen, dass auch wir in Kürze den 50er-Inzidenzwert überschreiten. Wir können das nur gemeinsam verhindern. Es kommt wirklich entscheidend darauf an, dass sich alle an die Abstands- und Hygieneregeln halten, Masken tragen und geschlossene Räume regelmäßig tüchtig lüften. Das ist nach wie vor die einzige Möglichkeit, die Übertragung des Virus zu vermeiden.

Was passiert, wenn der Wert auf über 50 steigt?

Dann greift Phase zwei der Landesverordnung, heißt: Maske tragen wird zur Pflicht. Veranstaltungen mit sitzendem Publikum sind dann außerdem auf maximal 100 Personen beschränkt. Es sei denn, der Veranstalter legt ein umfassendes Hygienekonzept vor und erhält dadurch eine Ausnahme vom Gesundheitsamt.

Wenn eine Maskenempfehlung oder eine Maskenpflicht die Zahlen nicht stabilisieren, welches sind die nächsten Schritte?

Die weitere Entwicklung haben wir alle selbst in der Hand. Deshalb setzte ich darauf, dass hier wirklich alle mitwirken. Die Lage ist ernst und kann jederzeit dramatisch werden, das muss uns allen klar sein. Das dynamische Geschehen erfordert ein ebenso dynamisches Gegenhalten: Sollten die Zahlen trotz aller Mühe deutlich über den Inzidenzwert 50 steigen, können weitere Maßnahmen verfügt werden. Welche das sein können, muss dann ganz genau geschaut werden. Ist das Geschehen beispielsweise auf einen konkreten Ort wie ein Altenpflegeheim begrenzt, dann werden die Maßnahmen genau auf dieses Szenario angepasst. Ist das Ausbruchsgeschehen aber über das gesamte Stadtgebiet- oder im Landkreis verteilt, wird es schwieriger mit solchen ortsbezogenen Maßnahmen. Je nach Lage könnten dann also beispielsweise weitere Kontaktbeschränkungen kommen, denn das Virus überträgt sich nach derzeitigem Stand besonders häufig innerhalb von Familien und durch weitere soziale Kontakte.

Gilt die Maskenpflicht auch beim Radfahren?

Rein formal gilt die Verordnung des Landes auch für Radfahrer. Hier gehen wir aber pragmatisch vor: In der Göttinger Fußgängerzone muss größtenteils ohnehin geschoben werden – dann natürlich mit Maske über Mund und Nase. Von vorbeifahrenden Radfahrern dürfte aber keine Infektionsgefahr ausgehen.

Was gilt für Coffee to go oder belegte Brötchen durch die Fußgängerzone? Dürfen sie unterwegs ohne Maske verzehrt werden?

Auch hierfür sieht das Land leider keine Ausnahmeregelung vor. Am besten wäre, das Brötchen mit nach Hause oder zum Arbeitsplatz zu nehmen oder dort zu verzehren, wo es gekauft wurde.

Info: Verkaufsoffener Sonntag ist abgesagt

Der Verein für Handel und Gewerbe hat den für kommenden Sonntag, 1. November, geplanten verkaufsoffenen Sonntag in der Innenstadt von Bad Lauterberg abgesagt. „Aufgrund der aktuellen Situation und den möglichen Einschränkungen in den nächsten Wochen, müssen wir jedoch verantwortungsbewusst handeln und haben uns nach reiflicher Überlegung dazu entschlossen, auf den geplanten verkaufsoffenen Sonntag zu verzichten“, teilte der Verein am Mittwochmittag mit. „Sobald sich die Situation wieder etwas beruhigt hat, werden wir versuchen, in Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Lauterberg mögliche Alternativtermine im Dezember zu erarbeiten“, heißt es weiter.

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