Ausstellung

Leicht beschwipst schwirrt die Süppelkuh durchs Nachtleben

Foto: Uli Pforr / Uli Pforr/Galerie Affenfaust

Der Hamburger Maler Uli Pforr widmet seine aktuelle Ausstellung in der Galerie Affenfaust auf St. Pauli den skurrilen Gestalten und Fabelwesen, die sich in den Hamburger Clubs und Bars tummeln.

St. Pauli. Sein Thema sind Grenzgänger der Nacht. Grelle Figuren, die sich in den Clubs und auf den Straßen St. Paulis tummeln. Prostituierte mit müden Augen, Penner mit einem Flachmann in der Jackentasche, Feierwütige, die sich auf dem Kiez kopfüber in die Nacht stürzen und erst nach Hause wanken, wenn der letzte Frühclub seine Pforten schließt. Und Kühe bevölkern die Bilder von Uli Pforr. Sie geben der neuen Ausstellung den Titel "Zur ollen Süppelkuh".

"Die Kuh ist so eine Art Maskottchen", erzählt der Maler und Illustrator. "Eine Freundin, mit der ich oft auf dem Kiez unterwegs war, hat diesen Spitznamen bekommen." Doch nicht nur die trinkfreudige Kuh, auch andere Tiere finden sich inmitten von Pforrs Nachtgestalten: Affen, Eulen und ein paar niedliche Pelztiere. "Es gibt eine Reihe von Leuten, deren wahres Gesicht sich erst zeigt, wenn sie Alkohol getrunken haben. Sie sind aggressiv oder sanft, oder sie machen sich zum Affen."

Mit seinen aktuellen Arbeiten ist Pforr, 1978 in Dortmund geboren und in einem Dorf bei Flensburg aufgewachsen, in der Galerie Affenfaust in der Detlev-Bremer-Straße zu Gast. Kurz nachdem die Galerie vor knapp zwei Jahren öffnete, präsentierte er alte und neue Arbeiten unter dem Titel "Grenzgängermusen". Auch damals schon zeigte Pforr seinen Blick auf das Amüsierviertel rund um die Reeperbahn. Damals hatte der Künstler sein Atelier noch auf St. Pauli, inzwischen lebt und arbeitet er auf der Veddel. "Meine Ausflüge in die Clubs sind deshalb weniger geworden", erzählt er.

Uli Pforr hat sich in den vergangenen Jahren vor allem als Illustrator einen Namen gemacht. Im Jahr 2011 hat er zwei St.-Georg-Bücher gestaltet, die "St. Georg Illustrated" und "St. Gayorg" heißen, eigene Psychiatrie-Erfahrungen verarbeitete er in dem Comic "Eppendorfer", außerdem wurden Bilder von ihm für eine Reihe von Buchcovern verwendet.

Mehr als 60 Einzel- und Gruppenausstellungen verzeichnet seine Website, seit zwei Jahren kann Pforr von seiner Kunst leben, er muss keine anderen Jobs mehr machen. Die Bilder in der Affenfaust sind so aktuell, dass die Farbe gerade erst getrocknet ist. Uli Pforr hat sie genau auf die Galerie zugeschnitten. Durch das Thema St. Pauli, aber auch, indem er die vier Galeristen auf einem seiner großformatigen Bilder links oben in der Ecke zeigt. Es ist das Herzstück der Ausstellung und nimmt im hinteren Raum eine ganze Wand ein. Die Barszene darauf wird von der Süppelkuh beherrscht, die sich mit rot geschminkten Lippen und Rouge unter den Augen in Schale geschmissen hat.

Zu Uli Pforrs unverkennbarem Stil gehört es, dass seine Bilder immer sehr voll und laut wirken. Freie Flächen gibt es nicht, auch im Hintergrund der Leinwände ist Aktion zu sehen. Die Figuren, oft verzerrt dargestellt, schreien den Betrachter förmlich an, die Überzeichnung und Typisierung erinnert manchmal an die gesellschaftskritischen Werke von Otto Dix oder George Grosz.

Wenn die Vernissage an diesem Sonnabend um 20 Uhr in der Affenfaust beginnt, wird auch die eine oder andere Süppelkuh aus Pforrs Freundeskreis sich dorthin aufmachen. Die Galerie ist in nur zwei Jahren zu einem wichtigen Ort für die freie Kunstszene geworden. Pforrs Ausstellung läuft bis zum 1. Februar, am 8. des Monats geht es dort weiter. Dann zeigt ein Hamburger Maler, der sich Mr. Nomski nennt, seine großformatigen Porträts auf Acryl. Titel: "Ixypsilon".

Uli Pforr: Zur ollen Süppelkuh Vernissage, Sa 11.1., 20.00, geöffnet Mi/Do 15.–21.00, Sa 14.00–18.00. Galerie Affenfaust (U St. Pauli), Detlev-Bremer-Straße 15; www.ulipforr.de

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