Ex-Stürmerstar

Was Guido Burgstaller vom FC St. Pauli erwartet

| Lesedauer: 4 Minuten
Stürmer Guido Burgstaller (l.) und St. Paulis Sportchef Andreas Bornemann kennen sich bereits aus gemeinsamen Zeiten beim 1. FC Nürnberg.

Stürmer Guido Burgstaller (l.) und St. Paulis Sportchef Andreas Bornemann kennen sich bereits aus gemeinsamen Zeiten beim 1. FC Nürnberg.

Foto: IMAGO/Sportfoto Zink / Daniel Marr / imago/Zink

Mit 25 Treffern hatte der Stürmer 2021 großen Anteil am Aufschwung des Kiezclubs. Die Sehnsucht nach einem Nachfolger ist groß.

Hamburg.  Als der FC St. Pauli am vergangenen Sonnabend gegen Fortuna Düsseldorf trotz Feldüberlegenheit und hochkarätiger Torchancen nicht über ein letztlich enttäuschendes 0:0 hinausgekommen war, nahm sie wieder Fahrt auf, die Diskussion über das Fehlen eines Torjägers im ansonsten exzellent besetzten Kader des Millerntor-Clubs. Auch wenn er jetzt schon seit Mai 2022 nicht mehr da ist, kommt in diesem Zusammenhang immer wieder die Erinnerung an Guido Burgstaller (heute 34) auf.

Mit seinen 25 Treffern im Kalenderjahr 2021 hatte der Österreicher maßgeblichen Anteil am Aufschwung des FC St. Pauli in der Rückrunde der Saison 2020/21 sowie an der Herbstmeisterschaft in der darauffolgenden Spielzeit. Was wäre bloß möglich, so fragen sich viele rund ums Millerntor, wenn das defensiv so stabile und spielerisch meist überzeugende Team von Trainer Fabian Hürzeler nun auch noch einen Torjäger wie jenen Burgstaller des Jahres 2021 besäße?

Wie der FC St. Pauli die Medic-Millionen wieder investieren kann

Und mehr noch: Wann verpflichtet Sportchef Andreas Bornemann einen Angreifer dieser Güte, um die Chance auf den Bundesligaaufstieg signifikant zu erhöhen? Mit den mindestens 2,5 Millionen Euro, die mit der Verkauf von Innenverteidiger Jakov Medic an Ajax Amsterdam einbringt, lässt sich ja einiges anfangen.

Bornemann dämpft im Gespräch mit dem Abendblatt diese Erwartungen. „Es besteht kein Automatismus, dass der Transfererlös, den der Verein für Jakov Medic erzielt hat, automatisch wieder in den Sportetat fließt und damit eins zu eins für Neuzugänge zur Verfügung steht. Auch wenn es vielleicht schon vergessen scheint, hat auch unser Verein unter der Corona-Krise wirtschaftlich sehr gelitten“, sagt der Sportchef.

St. Paulis Sehnsucht nach einem Nachfolger von Burgstaller

Gleichzeitig verweist Bornemann darauf, dass seinerzeit sehr viele günstige Umstände zusammenkamen, dass überhaupt der Transfer eines solchen Hochkaräters möglich war.

„Die bereits bestehende persönliche Verbindung zu Guido und das Entgegenkommen des FC Schalke 04, bei dem er noch zwei Jahre unter Vertrag stand, waren entscheidende Faktoren. Zudem kam unsere Anfrage zum richtigen Zeitpunkt. Ein paar Wochen früher wäre der Transfer vermutlich noch nicht möglich gewesen“, sagt Bornemann, der Burgstaller aus gemeinsamen Nürnberger Zeiten kannte und von seiner unbefriedigenden Situation auf Schalke wusste.

„Solch eine Verpflichtung ist nicht einfach so reproduzierbar“, stellt Bornemann klar im Hinblick auf die Suche nach einem „Burgstaller 2.0“, nach einem zentralen Stürmer, der gleichermaßen kopfballstark, beidfüßig im Abschluss, schnell und mit Torinstinkt ausgestattet ist.

Was Sportchef Bornemann zum Profil des gesuchten Stürmers sagt

Kreativität wird also mal wieder gefragt sein, wenn die Medic-Millionen wenigstens zu einem Teil in einen neuen Angreifer reinvestiert werden sollen. Daher will sich Bornemann auf konkrete Nachfrage auch nicht auf ein bestimmtes Profil festlegen: „Damit würden wir uns selbst zu sehr einschränken und im Zweifel den Preis noch weiter erhöhen.“

Und wie geht es heute dem Original, also dem „Guido Burgstaller 1.0“? Mit 21 Treffern für Rapid Wien wurde der ehemalige Nationalspieler in der abgelaufenen Saison Torschützenkönig der österreichischen Bundesliga. Zuletzt steuerte er als Kapitän einen Treffer und eine Torvorlage zu Rapids 4:0 gegen Altach bei.

Seine frühere Mannschaft hat er immer noch im Blick. „Wenn es sich zeitlich mit unseren Spielen ausgeht, versuche ich, mir schon die Spiele von St. Pauli anzusehen“, sagt er im Originalton Süd dem Abendblatt. „Im Sommer hatte ich auch ein Telefonat mit Fabian Hürzeler.“

Torjäger Burgstaller lobt St. Paulis Trainer Hürzeler

Wenn er über St. Paulis Cheftrainer spricht, den er zwei Jahre lang als Assistenten von Timo Schultz kennengelernt hatte, gerät er geradezu ins Schwärmen: „Über ihn kann ich in allen Belangen nur Positives erzählen. Er hat den Club in einer schwierigen Situation übernommen und schlussendlich Sensationelles erreicht. Er ist ein sehr kommunikativer Trainer, der detailbesessen ist und taktisch einen klaren Plan hat.“

Und wie wichtig ist für St. Pauli ein Topstürmer? „Prinzipiell benötigt es immer auch einen guten Torjäger, wenn man aufsteigen möchte. Dazu gehört aber auch eine gute Defensive. Ich glaube, dass St. Pauli heuer ein sehr starkes Team hat, um wieder oben mitzumischen“, sagt er.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: St. Pauli