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Muss Kuhfuß-Angreifer dauerhaft in die Psychiatrie?

Vor dem Landgericht Itzehoe wird der Fall verhandelt.

Vor dem Landgericht Itzehoe wird der Fall verhandelt.

Foto: Bodo Marks / dpa

Landgericht Itzehoe prüft Einweisung eines Elmshorners, der mit einem Eisenwerkzeug auf Bekannte losgegangen sein soll.

Elmshorn/Itzehoe.  Normalerweise werden inhaftierten Angeklagten im Gerichtssaal die Handschellen abgenommen. Nicht so bei Krystian K.: Der 24-Jährige blieb am Freitag bei seinem Auftritt vor dem Landgericht Itzehoe die ganze Zeit über gefesselt. Und das aus gutem Grund: Der Pole, der unter einer Psychose leidet und Stimmen hört, hat schon einmal eine Arrestzelle zerlegt.

Diesmal blieb Krystian K. friedlich. Das mag daran liegen, dass er inzwischen aus der Haftanstalt in eine geschlossene psychiatrische Klinik verlegt und dort medikamentös behandelt wurde. Die vorläufige Einweisung hatte im November das Schöffengericht Elmshorn verfügt, nachdem der Pole bei einem Gerichtstermin einen komischen Eindruck hinterließ und der kurzfristig engagierte Psychiater Dr. Hubert Kuhs ihn als hochgradig gefährlich bezeichnete.

Nur einer von acht Zeugen erscheint freiwillig

Eine dauerhafte Einweisung kann nur das Landgericht verfügen. Dort ist der Fall nun gelandet – und die Kammer hatte Freitag acht Zeugen geladen, um zwei Vorfälle aus den Jahren 2016 und 2017 aufzuarbeiten. Doch nur drei waren gekommen. Freiwillig erschien nur ein Polizist. Zwei weitere Zeugen wurden vorgeführt – der eine aus der U-Haft, der andere aus einer geschlossenen Klinik. Eine Zeugin wurde von der Polizei aufgegriffen und nach Itzehoe eskortiert.

Der erste Vorfall trägt sich im April 2016 zu. Krystian K. soll mit einem Komplizen gewaltsam in die Wohnung eines Bekannten eingedrungen sein, um Geldschulden einzutreiben und die Freundin des Mannes dazu zu bewegen, eine Strafanzeige zurückzuziehen. Die Situation eskalierte laut Anklage derart, dass der Angeklagte mit einem Kuhfuß auf die beiden Personen eingedroschen hat.

Opfer will Angeklagten „nicht reinreiten“

„Meine Milz ist weg“, sagt Opfer Dariusz N. (47). Er war nach der Attacke im Klinikum Elmshorn notoperiert worden, wo er acht Tage stationär behandelt werden musste. Am Tattag war er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Angelika V. nach einer Alkoholentgiftung nach Hause zurückgekehrt. „Wir haben dann eine Flasche Bacardi getrunken.“ An den Überfall selbst will sich Dariusz N. nicht erinnern können. Stakkatoartig wiederholte er auf alle Fragen ein „Ich weiß es nicht mehr“ – und auch als Richter Werner Hinz die Vernehmung des Mannes bei der Polizei verlas, blieb die Erinnerung aus. Allerdings raunte er dem Angeklagten in einer Verhandlungspause auf Polnisch zu, er wolle ihn nicht reinreiten, was der vom Gericht bestellte Dolmetscher prompt meldete.

Auch Angelika V. offenbarte starke Erinnerungslücken. Mal gab sie an, der Angeklagte habe sie mit dem Kuhfuß verfehlt, mal wollte sie doch getroffen worden sein. Sicher sei sie nur, dass Krystian K. ihr Reizgas in die Augen sprühte. Laut Arztbericht erlitt die 53-Jährige multiple Prellungen und Schürfwunden. Den Angriff auf ihren Partner wollte sie aus dem Augenwinkel gesehen haben. Allerdings belastete sie jetzt den Komplizen des Angeklagten, der bereits rechtskräftig verurteilt worden ist. Bei der Polizei hatte die 53-Jährige noch Krystian K. als Aggressor benannt. Mit ihm und seinem Komplizen hat sich die Frau inzwischen ausgesprochen. „Ich bereue, dass ich sie angezeigt habe.“

Auf dem Weg zum Wodka-Kauf in Streit geraten

Der zweite Anklagepunkt betrifft den 17. Februar 2017, als der heute 24-Jährige in Hainholz auf der Straße nach einem Streit zwei Bekannte mit einem Messer attackiert und mehrfach in Beine und Gesicht gestochen haben soll. Eines der Opfer: Bartosz W. (29). „Wir haben alle Wodka getrunken und Drogen genommen“, so der Zeuge. Auf dem Weg zur Tankstelle, wo weiterer Alkohol gekauft werden sollte, sei der Angeklagte dann mit einem Bekannten in Streit geraten. Erst auf mehrfache Nachfrage gab der Zeuge zu, dass es bei dem Streit um Drogen gegangen sein könnte. „Die haben sich geprügelt. Ich bin dazwischen gegangen und habe die getrennt.“ Dass Krystian K. auch ein Messer eingesetzt hat, will der 29-jährige nicht bemerkt haben. Auch nicht, dass er selbst durch einen Stich in die linke Flanke verletzt wurde. Der Prozess wird Dienstag fortgesetzt. Dann sollen die übrigen Zeugen zwangsvorgeführt werden.