Norderstedt
NZ-Regional

Alice und der „Demokratismus“

Meine Söhne gucken Nachrichten, sind gesellschaftspolitisch interessiert und informiert und haben durchaus ihre eigene Meinung. Das stimmt mich froh. Weniger froh stimmt mich, dass es mir offenbar nicht gelungen ist, den jungen Männern eine akzeptable Haltung zu Frauenrechten beizubringen. Und das mir! In meinem jungen Erwachsensein war ich sowohl bei Kollegen als auch bei Freunden und Bekannten als Emanze verschrien. Es wurde auch nicht davor zurückgeschreckt, mir die berühmte lila Latzhose anzudichten, obwohl ich ein solches Modell nun wirklich niemals getragen habe.

Die Debatte neulich bei Tisch drehte sich nun um Alice Schwarzer, die meine Söhne vorgaben zu „hassen“, weil sie angeblich dafür sorgen wolle, dass Frauen nicht nur den Männern gleichgestellt werden, sondern dass sie „gleicher“ sein sollten. „Alle Menschen sind gleich, manche sind gleicher. Das hat schon im Kommunismus nicht funktioniert“, bemerkte der 18-Jährige, um sich dann noch zu der Aussage zu versteigen, „alles mit -ismus ist Mist. Kommunismus, Sozialismus, Feminismus, Faschismus. Deshalb heißt es ja auch Demokratie und nicht Demokratismus, Mama!“

Der ältere Bruder versuchte zu beschwichtigen und wies darauf hin, dass nicht alles mit -ismus schlecht sei, es gebe schließlich auch den Pazifismus. Aber nach kurzem Sinnieren schränkte er dann ein: „Na ja, das hört ja eigentlich auch auf -fismus auf.“

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