Norderstedt

Im Winter Fahrradlicht an - sonst wird es gefährlich

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Michael Schick

Foto: Sawatzki, Ronald / Sawatzki, Ronald/ORIGINAL zu : O.\\BILDER\\B.FERT

Die Norderstedter Polizei beobachtet, dass sich Radfahrer unnötig in Lebensgefahr bringen - und oftmals nur wenig Einsicht zeigen.

Norderstedt. Der Mann springt erschrocken zur Seite. Den Radler, der da an ihm in hohem Tempo vorbeisaust, hat er nicht gesehen. Konnte er auch kaum: Schwarzes Sweat-Shirt mit Kapuze schwarze Hosen und ein unbeleuchtetes Fahrrad - wer in diesen und den nächsten Wochen so unterwegs ist, gefährdet sein eigenes Leben, aber auch das anderer Verkehrsteilnehmer.

Deswegen appelliert die Polizei zu Beginn der dunklen Jahreszeit an alle Fahrradfahrer, auf eine intakte Beleuchtung zu achten. Eltern sollten kontrollieren, ob das Licht am Rad ihrer Kinder funktioniert und Rückstrahler vorhanden sind.

"Die Kleinen fahren jetzt morgens in der Dämmerung zur Schule. Und wenn sie abends zum Sportverein radeln, ist es oft auch schon dunkel", sagt Kai Hädicke-Schories, Verkehrsbeauftragter der Norderstedter Polizei. Zwar sei fehlende oder unzureichende Beleuchtung am Rad nicht die Unfallursache Nummer eins. Aber: "Natürlich gilt gerade im herbst und Winter: Je besser Radfahrer wahrgenommen werden, desto geringer ist die Unfallwahrscheinlichkeit", sagt Hädicke-Schories. Doch nicht nur intaktes Vorder- und Rücklicht sowie Reflektoren gehörten zur Verkehrstauglichkeit in den nächsten Monaten, sondern auch gut sichtbare Kleidung.

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Der Verkehrsexperte der Norderstedter Polizei empfiehlt Radfahrern zudem, einen Kopfschutz zu tragen. "Darauf können wir gar nicht häufig genug hinweisen. Wenn alle Radler einen Helm tragen würden, würde sich die Zahl der Verletzungen bei Radunfällen noch weiter reduzieren lassen", sagt Hädicke-Schories. 89 Unfälle mit Radfahrerbeteiligung gab es in diesem Jahr bisher in Norderstedt. Laut aktueller Unfallstatistik waren darunter sechs Schwerverletzte und 64 leicht verletzte Radler. Hädicke-Schories geht davon aus, dass sich damit die Zahl der Radunfälle bis zum Jahresende im Vergleich zum Vorjahr deutlich verringern wird.

Von Anfang Januar bis Ende März nahm die Norderstedter Polizei 18 Unfälle auf, bis Ende August weitere 54. "Das deutet darauf hin, dass sich in der dunklen Jahreszeit weniger Unfälle ereignen", sagt Hädicke-Schories. Das liege daran, dass in den Herbst- und Wintermonaten weniger Radler auf den Straßen zu finden seien als im Frühjahr und Sommer.

Damit setze sich insgesamt die rückläufige Tendenz der letzten Jahre fort. Die Stadt hat zusammen mit der Polizei ja auch ja auch viel gemacht, um Gefahrenpunkte zu entschärfen", sagt der Verkehrsbeauftragte der Polizei. Mit der geplanten Ampel an der Ecke Ulzburger Straße/Waldstraße werde im nächsten Jahr auch der letzte Unfallschwerpunkt entschärft.

Die Ausstattung der Räder hat sich deutlich verbessert

Die Norderstedter Polizei registriert zudem einen Verhaltenswandel: Es machten sich inzwischen viel mehr Menschen Gedanken um ihre Sicherheit. Früher seien Sicherheitswesten zum Überziehen oder Jacken mit Rückstrahlern verpönt gewesen. Inzwischen gebe es immer mehr Akzeptanz dafür. Zudem habe sich die Ausstattung der Räder in den vergangenen Jahren deutlich verbessert.

"Bei den alten, klassischen Seitenläuferdynamos wurde beispielsweise das Licht schwächer, wenn der Radfahrer langsam fuhr", sagt Hädicke-Schories: "Heute gibt es Nabendynamos, die auch bei sehr langsamer Fahrt hell leuchten und sogar Energie speichern, so dass auch im Stand das Fahrrad beleuchtet ist. Deswegen hätten sich auch batteriebetriebene Lampen bewährt. Eltern achteten darauf, dass ihre Kinder gut sichtbare Kleidung tragen. Zudem würden die Kleinen oft auch selbst darauf achten. "Wenn wir den Kinder erklären, ein verkehrssicheres Fahrrad ihrer eigenen Sicherheit dient, dann verinnerlichen sie dies auch", sagt Hädicke-Schories.

Wenn beispielsweise Beamte sehen, dass jemand bei Dunkelheit oder Dämmerung ohne Licht auf seinem Fahrrad unterwegs ist, können sie ein Verwarngeld von zehn Euro verhängen. Kommt es zu einem Unfall, kostet dies den Radler sogar 25 Euro - hinzu kommt natürlich der Schaden. (abendblatt.de)

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