Norderstedt
Wohnen: Hinterm Schmuggelstieg wird ein besonderes Haus errichtet

Alzheimer-WG statt Pflegeheim

Die Wohngemeinschaft ist Teil eines Mehrgenerationenhauses, zu dem auch Wohnungen für etwa 30 Senioren sowie für 15 junge Familien und eine Beratungsstelle der Martha-Stiftung gehören.

Norderstedt/Hamburg. Haben Sie's gesehen? Gestern Abend saß Jens Bruder, der Leiter der Norderstedter Beratungsstelle für ältere Menschen und ihre Angehörigen, zusammen mit Schlager-Papst Ralph Siegel und Top-Model Eva Padberg bei ZDF-Talker Johannes B. Kerner am Tisch. Der Mann, der in den 90er-Jahren auch Vorsitzender der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft war, hat über die Pflege von Demenzkranken berichtet und zudem deutlich gemacht, wieso er sich für die Einrichtung von Wohngemeinschaften von Alzheimer-Patienten einsetzt. In ganz Schleswig-Holstein gibt es bislang erst zwei dieser besonderen WGs. Doch vom kommenden Sommer an werden nun auch Demenzkranke aus Norderstedt die Möglichkeit haben, vor Ort in eine solche Institution zu ziehen.

Voraussichtlich im Mai soll an der derzeit noch im Bau befindlichen Straße Bärenhof, direkt hinter dem Norderstedter Schmuggelstieg, also am äußersten Rand des Hamburger Stadtgebietes, eine solche WG eröffnet werden. Träger der Einrichtung ist die 1849 gegründete Martha-Stiftung, die zum Diakonischen Werk Hamburg gehört, und die seit kurzem auch in Norderstedt aktiv ist. .

Acht Männer und Frauen mit demenziellen Erkrankungen sollen hier ein neues Zuhause finden. Jeder von ihnen wohnt in einem jeweils 26 bis 31 Quadratmeter großen Appartment mit eigenem Bad. Zum Gemeinschaftsbereich gehören ein großes Wohnzimmer, eine Wohnküche mit Esstisch und eine Terrasse. Mitarbeiter eines ambulanten Pflegedienstes sollen rund um die Uhr vor Ort sein, um die Menschen zu betreuen.

"Eine solche WG ist eine Alternative für alle, die eigentlich in einem Heim untergebracht werden müssten, weil sie zu Hause nicht mehr gepflegt werden können", sagt Wolfgang Janzen von der Martha-Stiftung. Alzheimer-Experte Jens Bruder hält Wohngemeinschaften für Demenzkranke vor allem aus zwei Gründen für sinnvoll: "Zum einen sind die Betreuer, im Gegensatz zum Pflegeheim, kontinuierlich mit den Kranken zusammen. Zum anderen ist die familiäre Kleinwelt einer Wohngemeinschaft eine Lebensform, die den Menschen vertrauter ist als ein Heim."

Billiger als in einem Pflegeheim ist eine Alzheimer-WG allerdings nicht. "Unterm Strich kommt man in etwa auf dieselben Kosten", sagt Wolfgang Janzen. Und obwohl bereits einige Norderstedter ihr Interesse bekundet haben, gibt es noch freie Zimmer.

Übrigens: Die Wohngemeinschaft ist Teil eines Mehrgenerationenhauses, zu dem auch das Wohnprojekt "De olen Smugglers" für etwa 30 (weitgehend gesunde) Senioren und Seniorinnen sowie Wohnungen für 15 junge Familien und eine Beratungsstelle der Martha-Stiftung gehören. Am kommenden Montag wird die Baugenossenschaft Fluwog-Nordmark, die für das Projekt verantwortlich ist, das Richtfest feiern. Zu den Gästen zählt dann unter anderem auch Ministerialdirektor Dieter Hackler, der als Abgesandter von Bundesfamilienminsterin Ursula von der Leyen die Bedeutung dieses zukunftsweisenden Projektes würdigen soll.