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Run auf Strände und Freibäder im Norden auch am Sonntag

| Lesedauer: 12 Minuten
Lange warten musste, wer sich am Sonntag im Kaifu-Freibad abkühlen wollte – die Schlange für den Einlass zog sich über mindestens 150 Meter.

Lange warten musste, wer sich am Sonntag im Kaifu-Freibad abkühlen wollte – die Schlange für den Einlass zog sich über mindestens 150 Meter.

Foto: Laura Lagershausen / HA

Viele Strände an der Ostsee waren bereits am Vormittag voll, großer Andrang auch in Freibädern. Betrunkener aus Elbe gerettet.

Hamburg. Der Hochsommer lässt sich aus Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern nicht vertreiben. Es bleibt heiß. Auch am Wochenende haben Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius die Menschen an Badeseen, Alster und Elbe gelockt.

Wetter: Alle aktuelle Entwicklungen am Wochenende vom 14. bis 16. August im Hitzeblog:

Freibäder in Hamburg voll – lange Schlange vor Kaifu

Die Hitze treibt viele Hamburger zur Abkühlung an die Seen und in die Freibäder. Wegen der zu Corona-Zeiten gebotenen Abstandsregeln ist aber auch dort der Platzt begrenzt. Wer also ins kühle Nass springen will, musste vorher im Online-Shop von Bäderland ein Ticket buchen. Die meisten Bäder waren schon am Freitag für das ganze Wochenende stark ausgelastet und manche ganz ausgebucht. Vor dem beliebten Kaifu-Bad hat sich am Sonntag eine lange Schlange zu Beginn des Zeitfensters ab 15 Uhr gebildet.

Die gute Nachricht: Für viele Bäder sind in der kommenden Wochen noch zu allen Zeiten Eintrittskarten zu haben. Für jedes Bad und jedes Zeitfenster (etwa drei bis vier Stunden) sind maximal fünf Tickets pro Tag buchbar.

Strandampel auf Rot: Viele Strände schon voll

Angesichts der Hitze hat es auch am Sonntag viele Badegäste an die Strände von Nord- und Ostsee verschlagen. Das zeigt der Strandticker für die Lübecker Bucht. Schon am Mittag waren die Kapazitäten an vielen Strandabschnitten ausgereizt: Bis auf den Strandabschnitt 1 bis 14 in Timmendorfer Strand und Strandabschnitt 55 bis 62 in Niendorf zeigte die Strandampel an allen übrigen Abschnitten Rot.

An der Nordsee war es beispielsweise in St. Peter-Ording eng. Der Kurort auf Eiderstedt ist dank seiner Autobahnanbindung besonders gut für Tagesgäste aus Hamburg und Schleswig-Holstein zu erreichen. Der zwölf Kilometer lange Strand bietet meist allen Urlaubern genügend Platz. Jedoch sorgen verstopfte Zufahrten für Probleme. Der Strandparkplatz Ording war am Sonntagnachmittag stark ausgelastet. Auch auf Fehmarn war die Lage belebt aber entspannt, sagte Tourismusdirektor Oliver Behncke.

Nicht überall an der Küste ist es zu voll. Lesen Sie auch:

Stau auf den Autobahnen in Richtung Küsten

Auf den Autobahnen kam es zu etlichen Staus in Richtung der Küsten. Schwerpunkt war dabei vor allem Hamburg. Auf der A7 staute es sich am Sonnabend zwischen Hamburg-Hausbruch und Stellingen auf bis zu zehn Kilometern. Zwischen Schnelsen und dem Elbtunnel Richtung Süden waren es 13 Kilometer. Dort meldete die Verkehrsleitzentrale am Sonntag erneut 11 Kilometer Stau. Auf der A1 kam es zwischen Stapelfeld und dem Kreuz Bargteheide aufgrund einer Baustelle an beiden Tagen zu einem längeren Stau.

Schwimmer in der Elbe vor Övelgönne in Not

Wegen der heißen Temperaturen haben am Wochenende viele Menschen Abkühlung in den Hamburger Gewässern gesucht. Doch nicht jeder respektiert die Gefahren, die mit einem Bad in einem kühlen See oder der Elbe bei Strömung einhergehen. Am Sonnabendabend war auf der Norderelbe bei Dock 11 von Blohm+Voss bereits ein kleines Motorboot mit drei Insassen gekentert.

Am Sonntagmittag ist dann ein junger Mann in die Elbe gesprungen und in Not geraten. Gegen 12 Uhr verließen den Schwimmer vor Övelgönne die Kräfte – er drohte, unterzugehen. Zwei aufmerksame Zeugen sprangen hinterher und retteten den Mann. Nun jedoch waren sie zunächst verschwunden. Weitere Zeugen alarmierten die Feuerwehr, die sogleich ausrückte.

"Die beiden Retter tauchten in der Zwischenzeit jedoch an anderer Stelle wieder auf, daher musste die Feuerwehr doch nicht tätig werden", sagte Feuerwehrsprecher Torsten Wesselly dem Abendblatt. Nach Abendblatt-Informationen war der erste Schwimmer betrunken ins Wasser gegangen.

Am Muggesfelder See nördlich von Bad Segeberg sorgte eine Frau für einen Großeinsatz, weil sie ihre Badesachen hatte liegen lassen. Erntehelfer hatten gegen 4 Uhr an einer abgelegenen Badestelle auf einer Bank Badesachen gefunden und gingen von einer vermissten Person im See aus. Mehr als sechs Stunden lang suchten die Einsatzkräfte mit Hubschrauber, Drohne und mehreren Boote den See ab.

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Rettungsschwimmer haben im Corona-Sommer weniger Stress

Rettungsschwimmer an der Nordseeküste haben während der Corona-Pandemie mitunter etwas weniger Stress. Die Menschen seien bezüglich der Baderegeln disziplinierter, und „wir haben extrem wenig Konflikte“, sagte der Langeooger Wachführer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Ludger Roters. „Ob das direkt mit Corona zusammenhängt, weiß ich nicht. Aber ich glaube, die Leute sind froh, wenn sie am Strand sein können und genießen die Zeit.“

Dass der Zugang für Tagestouristen auf Langeoog reglementiert ist, macht sich laut Roters besonders bemerkbar – denn die Dauergäste kennen die Nordsee mit ihren besonderen Bedingungen wie Ebbe und Flut ohnehin gut und halten sich an die Regeln. Bei den Rettungseinsätzen sieht DLRG-Sprecher Achim Wiese keine Unterschiede zu den Zeiten vor der Pandemie. „Zu Saisonbeginn war es an der Küste aber sehr schwierig, weil einige Stationen nicht komplett besetzt werden konnten. Das Problem war, dass wir die Einsatzkräfte nicht unterbringen konnten aufgrund der Abstandsregelung“.

Unwetterwarnung für Landkreis Harburg

Während es in Hamburg bisher nicht danach aussieht, dass Gewitter über die Stadt hinwegziehen, mussten sich Menschen in Teilen Niedersachsens auf heftige Hitzegewitter einstellen. Der DWD hat am Freitagnachmittag eine amtliche Warnung vor starkem Gewitter herausgegeben. "Dabei gibt es Starkregen mit Niederschlagsmengen um 20 l/m² pro Stunde sowie Windböen mit Geschwindigkeiten bis 60 km/h", heißt es vonseiten des DWD.

Betroffen ist unter anderem auch der Landkreis Harburg. Für Freitagabend, 20 Uhr wurde hier eine amtliche Unwetterwarnung ausgegeben. Es könne zu schwerem Gewitter mit heftigem Starkregen und auch Hagel kommen. Innerhalb einer Stunde seien Niederschlagsmengen um 40 Liter pro Quadratmeter möglich, Windböen könnten Geschwindigkeiten bis 60 km/h erreichen.

Durch Blitzschlag könnten Bäume entwurzelt und Dächer beschädigt werden. Menschen sollten auf herabstürzende Äste, Dachziegel und Gegenstände achten. Auch Überflutungen von Kellern und Straßen seien möglich, Flüsse und Bäche könnten angesichts der Niederschlagsmengen über die Ufer treten.

Anwohner sollten Fenster und Türen geschlossen halten und Gegenstände im Freien sichern. Es gelte, sich von Gerüsten, Gebäuden, Bäumen und Hochspannungsleitungen fernzuhalten. Neben dem Landkreis Harburg ist auch der Kreis Hildesheim von der Unwetterwarnung betroffen.

Hamburg: Erneut 30 Grad und geringes Gewitterrisiko

Auch am Wochenende kommen die Menschen in Hamburg ins Schwitzen, die Hitze hält an – inklusive schwüler Luft. "Am Sonnabend und Sonntag wird es mit 30 bis 31 Grad erneut heiß", sagt der Diplom-Meteorologe Dominik Jung von wetter.net. Das Gewitterrisiko sei gering. Nur direkt an Ostsee- und Nordseeküste wird es etwas kühler.

"Die Gewitterfront zieht am Rand des Nordens entlang", so der Wetterexperte. Ab Sonntagnachmittag könnte es jedoch auch in Hamburg krachen. Am Montag muss ebenfalls mit Hitzegewittern gerechnet werden.

Sommer 2020: Hamburg von seiner schönsten Seite:

DWD warnt vor hoher Waldbrandgefahr

In Teilen von Hamburg und Schleswig-Holstein besteht eine hohe Waldbrandgefahr, wie der DWD mitteilte. In den südlichen Landesteilen und in Hamburg bestehe verbreitet eine hohe, im Herzogtum Lauenburg auch eine sehr hohe Waldbrandgefahr (Stufe 5).

Hamburgs Umweltbehörde bittet um Folgendes:

  • auf keinen Fall im Wald und am Waldrand rauchen
  • keine Feuer im Wald und am Waldrand anzünden
  • nicht grillen im Wald und am Waldrand
  • keine glimmende Zigarettenstummel im Wald und am Waldrand wegwerfen

Besitzer von PKW mit Katalysator sollten nicht über ausgetrocknetem Gras parken, da der heiße Katalysator das Gras unter dem Fahrzeug entzünden könnte.

Leider ist für Norddeutschland in den nächsten Tagen nicht mit einer Entspannung der Gefahrenlage zu rechnen, sie wird sich hingegen zum Wochenende noch verschärfen.


Bei Gras- oder Waldbrand bitte unverzüglich die örtliche Feuerwehr unter der Telefonnummer 112 verständigen.

Hochsommerliche Wetteraussichten – Appell der Polizei Hamburg

Wegen der hochsommerlichen Wetteraussichten am Wochenende wendet sich die Polizei Hamburg mit einem dringenden Appell an die Bevölkerung: "Verzichten Sie, wenn möglich, auf eine Anfahrt mit dem Auto", heißt es in einer aktuellen Mitteilung. Wer dennoch mit dem eigenen Fahrzeug Elbe oder beliebte Badeseen ansteuert, soll darauf achten, Rettungswege nicht zu versperren und korrekt zu parken.

Hintergrund des Appells der Polizei ist das vergangene Wochenende, an dem es viele Menschen ins Freie gezogen hat. "Insbesondere an beliebten Örtlichkeiten wie dem Elbstrand oder den Hamburger Badeseen im Südosten der Stadt wie etwa in den Vier- und Marschlanden haben Falschparker Rettungswege blockiert oder das Durchkommen von Linienbussen unmöglich gemacht", sagt Polizeisprecher Florian Abbenseth. Auch am Falkensteiner Ufer waren Rettungswege zugeparkt.

Dieses Szenario soll sich dieses Wochenende nicht wiederholen. Deshalb lautet der Appell an die Hamburger:

  • Nutzen Sie bevorzugt die öffentlichen Verkehrsmittel oder das Fahrrad, um Ihren persönlichen Lieblingsplatz zu erreichen
  • Wenn Sie doch das Auto nutzen: Halten Sie sich an die geltenden Parkvorschriften und stellen Sie Ihr Auto nicht behindernd oder gefährdend ab – in Not geratene Menschen sind auf ein schnelles Durchkommen der Rettungskräfte angewiesen
  • Ihren persönlichen Lieblingsplatz finden Andere unter Umständen auch ziemlich attraktiv. Achten Sie bitte weiterhin auf die geltenden Abstands- und Hygieneregeln.

Kampf dem Strandmüll der Badegäste – Travemünde rüstet auf

Die hohen Temperaturen werden auch am Wochenende wieder viele Menschen an die Ostsee locken. Mit zusätzlichen Müllcontainern bereitet sich das Ostseebad Lübeck-Travemünde auf einen weiteren Ansturm von Tagesgästen und den damit verbundenen Müll vor. Man habe noch einmal 40 Tonnen mit einem Fassungsvermögen von 120 Litern bestellt, sagte Kurdirektor Uwe Kirchhoff. Zudem habe man zusätzliche Kräfte für die Strandreinigung engagiert. Die Hansestadt Lübeck hat für dieses Wochenende wieder verstärkte Kontrollen durch Polizei und Ordnungsdienst angekündigt.

„Jeder kann verhindern, dass Müll zum Ärgernis wird. Nach der Devise 'Carry In, Carry out' – 'Bring’s mit, Nimm’s mit' kann jeder etwas zum Umweltschutz beitragen“, sagte Lübecks Innensenator Ludger Hinsen (CDU). Am vergangenen Wochenende hatten Besucher am Strand von Travemünde 50 Kubikmeter Müll zurückgelassen, darunter auch Sperrmüll wie kaputte Liegen und Sonnenschirme.

Das Problem vermüllter Strände nach besucherreichen Wochenenden kennen auch andere Orte in Schleswig-Holstein. So fordert die CDU in Flensburg ein Feuer- und Grillverbot am Strand.

Tierschutzbund: Haltungsverbot bei Zurücklassen von Hunden in heißen Autos

Der Deutsche Tierschutzbund fordert härtere Strafen für Hundehalter, die ihre Tiere bei Hitze im Auto lassen. Verbandspräsident Thomas Schröder sprach sich in der Neuen Osnabrücker Zeitung vom Freitag für ein Tierhaltungsverbot in solchen Fällen aus. Diese Menschen seien nachweislich nicht in der Lage, die notwendige Verantwortung für ein Tier zu übernehmen. Hundehalter seien hinlänglich informiert, dass sie ihre Tiere in Lebensgefahr bringen, wenn sie diese in heißen Autos zurücklassen.

Auch in den vergangenen heißen Tagen mussten in Deutschland wieder zahlreiche Hunde aus überhitzten Fahrzeugen gerettet werden. Die Halter müssen mit Anzeigen wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz rechnen. Dieses sieht Geld- oder auch Freiheitsstrafen vor. Schröder forderte, den gesetzlichen Rahmen auszuschöpfen und es nicht bei einer Belehrung zu belassen.

Lesen Sie hier den Hitzeblog vom Donnerstag

( coe/leo/dpa/AFP )

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