Unterlassungsverfügung

"Nazi-Schlampe": AfD-Frau Weidel unterliegt vor Gericht

Darum darf dieser Moderator Alice Weidel "Nazi-Schlampe" nennen

"Nazi-Schlampe": So wollte sich AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel von der NDR-Show „Extra 3“ nicht nennen lassen. Das Gericht gab aber der Sendung recht.
Mi, 17.05.2017, 15.43 Uhr

Darum darf dieser Moderator Alice Weidel "Nazi-Schlampe" nennen

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AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel wollte der NDR-Show "Extra 3" untersagen lassen, sie als "Nazi-Schlampe" zu bezeichnen. Ohne Erfolg.

Hamburg.  Das Landgericht Hamburg wird der NDR-Satiresendung "Extra 3" nicht verbieten, die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel als "Nazi-Schlampe" zu bezeichnen. Das Gericht wies den Unterlassungsantrag Weidels zurück. Es gehe in klar erkennbarer Weise um Satire, die von der Meinungsfreiheit gedeckt sei, erklärte ein Gerichtssprecher am Mittwoch. Weidel stehe als AfD-Spitzenkandidatin im Blickpunkt der Öffentlichkeit und müsse überspitzte Kritik hinnehmen.

Moderator Christian Ehring hatte in der Sendung am 27. April auf Weidels Rede beim AfD-Parteitag in Köln reagiert. "Politische Korrektheit gehört auf den Müllhaufen der Geschichte", hatte Weidel gesagt. Ehring: "Jawohl. Schluss mit der politischen Korrektheit, lasst uns alle unkorrekt sein. Da hat die Nazi-Schlampe doch recht."

Vertreter Weidels kündigen Beschwerde an

Die umstrittene Äußerung beziehe sich mit den Begriffen "Nazi" und "Schlampe" in satirischer Weise auf ihre Forderung, dass politische Korrektheit auf den Müllhaufen der Geschichte gehöre, stellte die Pressekammer fest. Der Bezug zu "Nazi" bestehe darin, dass Weidels Partei "in weiten Teilen der Öffentlichkeit eher als Partei des rechten, teilweise auch sehr rechten Spektrums wahrgenommen wird".

Der Aussagegehalt von "Schlampe" habe zwar eine sexuelle Konnotation. Es liege für den Zuschauer aber auf der Hand, "dass die Bezeichnung nur gewählt wurde, weil die Antragstellerin eine Frau ist, die Äußerung aber keinerlei Wahrheitsgehalt aufweist". Anlass für ihre Verbreitung sei allein die Forderung, die politische Korrektheit auf den Müllhaufen der Geschichte zu werfen, gewesen.

Die Entscheidung des Landgerichts ist nicht rechtskräftig. Der Bevollmächtigte von Weidel habe bereits eine Beschwerde zum Oberlandesgericht angekündigt. (dpa)

Die "Extra 3"-Sendung, ab Minute 27 geht es um das umstrittene Zitat:

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