Hildesheim (dpa/tmn). Individualpromotion oder strukturierte Promotion? Eine Frage, die sich manchmal nach dem Master stellt. Wo die Unterschiede liegen - und für wen sich welche Möglichkeit eignet.

Promovieren: Das erfordert immer Fleiß und Durchhaltevermögen. Der Weg zum Doktortitel kann aber unterschiedlich aussehen.

Bei der Individualpromotion sprechen Promovierende etwa ihr Thema mit Doktorvater oder Doktormutter ab und legen los - mehr oder minder auf eigene Faust. Die strukturierte Promotion, beispielsweise in einer Graduiertenschule oder einem Graduiertenkolleg, ist dagegen - wie der Name schon verrät - klar gegliedert. Es gibt gewisse Vorgaben oder Lehrpläne, die eingehalten werden müssen. Die Promovierenden bilden kleinere - häufig interdisziplinäre - Gruppen, die sich untereinander austauschen.

Graduiertenschulen oder Akademien sind meist fächerübergreifend angelegt. „Die Promovierenden bilden eine größere Gruppe, die betreut wird von Koordinationsstellen, die Rahmenprogramm und Unterstützung anbieten“, sagt Svea Korff. Sie ist Geschäftsführerin des Graduiertenzentrums an der Universität Hildesheim und hat deutschlandweit Promotionsprogramme untersucht sowie Wissenschaftskarrieren analysiert.

An einigen Universitäten wird man mit der Promotion automatisch in eine Graduiertenschule aufgenommen und ist somit ebenfalls in einer gewissen Struktur, wie Armin Krawisch von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erklärt. Doch auch bei einer strukturierten Promotion innerhalb eines Graduiertenkollegs, wie sie etwa die DFG fördert, sollte „der Grad der Struktur einen angemessenen Umfang nicht überschreiten“, sagt Krawisch. Die eigenständige wissenschaftliche Arbeit stehe im Mittelpunkt. „Die Strukturierung soll aber dazu beitragen, dass die Promotion in einem überschaubaren Zeitrahmen besser gelingt.“

Forschungsfrage und Fach entscheidend

Entscheidend für die Auswahl eines Weges sind Krawisch zufolge die besten Rahmenbedingungen für das Thema, das man erforschen will. Daher sollten die Fragen lauten: Was finde ich spannend und wo kann ich das am besten umsetzen? Wo wird meine Forschungsfrage behandelt, wie ist dort die Infrastruktur und wie sieht die Betreuungssituation aus?

Wer sich für eine Promotion interessiert, könnte im ersten Schritt recherchieren, welche Möglichkeiten es an der eigenen Universität gibt. „Häufig gibt es spezielle Beratungsstellen oder Infoveranstaltungen für Master-Studierende“, sagt Korff. Für spezifischere Fragen macht ein Einzelberatungstermin Sinn. Manchmal kann auch die Studienberatung weiterhelfen.

Und bei der Wahl der Promotionsweise kommt es auch auf das Fach an. Forschung in den Lebenswissenschaften ist etwa häufig mit Labortätigkeit verbunden. Seine Arbeit kann man also ohnehin nicht allein im stillen Kämmerlein schreiben. Vielmehr treffen sich die Forschenden in ihrer Arbeitsgruppe und tauschen sich dort aus. In den Geisteswissenschaften dagegen ist eher Schreibtischarbeit angesagt.

Eigene Arbeitsweise betrachten

Korff rät, die Masterarbeit als Referenz heranzuziehen, um die eigene Herangehensweise zu analysieren. Wer sich hier schon mehr Struktur, Austausch und Diskussion über die eigenen Erkenntnisse gewünscht hätte oder den Betreuer häufiger kontaktieren wollte, ist in einem Kolleg besser aufgehoben.

Graduiertenkollegs sehen einen regelmäßigen fachlichen Austausch vor. Das Promotionsthema wird in der Gruppe vorgestellt und diskutiert. Zudem ist nicht nur eine betreuende Person zuständig, sondern immer mehrere. „So wird einem zu starken Abhängigkeitsverhältnis gegenüber nur einer betreuenden Person vorgebeugt, das kann auch in menschlich schwierigen Situationen hilfreich sein“, sagt Krawisch. Doch auch in Gruppen wie den Kollegs könnten sich aufgrund von Konkurrenz und Machtkämpfen negative Dynamiken entwickeln, gibt Korff zu Bedenken.

Der Vorteil einer Individualpromotion: Es gibt kein Dachthema, unter das die eigene Fragestellung untergeordnet werden muss. Ein Nachteil ist häufig die Finanzierung. Denn die ist anders als bei Kollegs häufig nicht für die gesamte Dauer der Promotion gesichert.

Finanzielle Absicherung als Pluspunkt

Habe man erfolgreich eine Stelle in einem Graduiertenkolleg erhalten, so ermögliche das Programm inzwischen eine finanzielle Absicherung von bis zu vier Jahren, sagt Krawisch. Eine Planbarkeit, die andere Finanzierungsquellen häufig nicht gewährleisten. Auch Reisen oder die Einladung von Gastwissenschaftlern werden finanziert. „Man wird nicht reich, aber man hat einen gewissen Gehaltsrahmen und Sozialleistungen, die es bei Stipendien nicht gäbe.“ Die DFG etwa fördert Graduiertenkollegs für fünf Jahre, dann ist eine Fortsetzung für vier Jahre möglich.

„Diejenigen, die strukturiert promovieren, sind meist schneller fertig“, sagt Korff, das hätten Studien gezeigt. Bei der Individualpromotion bekomme die Stelle, für die man bezahlt wird, häufig den Vorrang vor der eigenen wissenschaftlichen Arbeit. „Besser ist es, wenn schriftlich qua Vertrag festgehalten wird, wie viel Prozent der Stelle man für die Promotion aufwenden darf“, erklärt Korff.

Für die Bewerbung gibt es bei Graduiertenkollegs genaue Vorgaben, die in den Ausschreibungen stehen, meist müssen ein Exposé, Lebenslauf und Zeugnisse eingereicht werden, so Korff. War die Bewerbung erfolgreich, sollten die Erwartungen abgeklärt werden, um böse Überraschungen zu vermeiden. Was bedeutet es zum Beispiel, wenn im Beschreibungstext steht, „es gibt häufige Treffen mit der Betreuungsperson“. „Lieber möglichst gleich am Anfang einmal mehr nachfragen, was das Gegenüber unter häufig genau versteht“, rät Korff.