München. Akademikerkinder haben es an Schule und Uni leichter als Arbeiterkinder, besagen viele Untersuchungen. Der Nachteil des nicht studierten Elternhauses behindert laut Unternehmensberatung BCG auch den beruflichen Aufstieg.

Für Arbeiterkinder bedeutet das nichtakademische Elternhaus laut einer neuen Studie einen Karrierenachteil. Wer als erste(r) in der Familie eine Hochschule absolviert, habe trotz Studienabschlusses im Vergleich zu Akademikerkindern beruflich schlechtere Startchancen, argumentieren die Fachleute der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) in dem Papier. Das gilt demnach sowohl für den Einstieg in den Beruf als auch für die weitere Karriere.

Studienautor Sebastian Ullrich und seine Kollegen befragten für ihre Untersuchung in Deutschland, Österreich und der Schweiz 1125 Berufstätige im Alter von 21 bis über 60. Davon waren 58 Prozent Erstakademiker, deren Eltern nicht studiert hatten.

Der größte Nachteil ist demnach ein gesellschaftlicher: Nur ein Drittel der Arbeiterkinder gab an, dass sie beim Berufsstart Zugang zu wichtigen Kontakten hatten. Bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Akademikerhaushalten sagten das 61 Prozent, fast doppelt so viele.

Studium nutzt der nächsten Generaton

Ein Studium nützt demnach offenbar nicht nur dem eigenen Fortkommen, sondern auch der nächsten Generation. Als einen von mehreren weiteren Nachteilen für Arbeiterkinder identifizierten die Unternehmensberater fehlende Zeit und fehlendes Wissen über die Bedeutung von Praktika, wie sie vor dem Start in einen akademischen Beruf üblich sind.

„Erstakademiker haben im Beruf deutlich schwerere Startvoraussetzungen als ihre Kolleginnen und Kollegen, deren Eltern studiert haben“, sagte Ullrich. „Selbst nach ein paar Jahren im Job ist das noch nicht hundertprozentig aufgeholt.“ Denn auch viele ältere Erstakademiker mit langjähriger Berufserfahrung sagten demnach, dass es für sie schwerer sei, Kontakte zu knüpfen.

In den vergangenen Jahrzehnten haben Bildungswissenschaftler viele Studien zur Bedeutung des familiären und sozialen Hintergrunds für den Lernerfolg an Schule und Hochschule publiziert - mit dem quasi durchgängigen Ergebnis, dass Kinder aus besser situierten Familien es im Bildungssystem leichter haben. Vergleichsweise wenig erforscht ist dagegen die Frage, wie sich die soziale Schichtung nach dem Ende der Ausbildung im Beruf auswirkt. Dieser Frage ist die Unternehmensberatung nachgegangen.

Intrinsische Motivation bei Erstakademikern oft höher

Für Arbeitgeber würde es sich lohnen, die Erstakademiker in der Belegschaft zu fördern, argumentierte Ullrich. „Für viele Unternehmen ist das jedoch ein blinder Fleck. Das Geschlecht sieht man 95 Prozent der Menschen an, die soziale Herkunft jedoch nicht.“ Laut Umfrage sind Erstakademiker sehr loyale Arbeitnehmer. „Die intrinsische Motivation ist oft deutlich höher“, sagte Ullrich.