Gesundheitsmanager

Die Experten sorgen dafür, dass Mitarbeiter gesund bleiben

Vanessa Wronikowski hat das duale Studium Gesundheitsmanagement an der IUHB belegt. Ihr Arbeitgeber ist die Firma Labor Berlin.

Vanessa Wronikowski hat das duale Studium Gesundheitsmanagement an der IUHB belegt. Ihr Arbeitgeber ist die Firma Labor Berlin.

Foto: Sven Lambert

Gesundheitsmanager informieren, organisieren Fitness-Kurse und gutes Kantinenessen. Am wichtigsten ist aber individuelle Unterstützung.

„Sport zu treiben, tut einfach gut. Man fühlt sich aktiver, voller Energie und bleibt gesund“, findet Vanessa Wronikowski. Die 20-Jährige studiert im zweiten Semester Gesundheitsmanagement an der privaten Internationalen Hochschule IUBH im dualen Studium und macht damit ihre Leidenschaft zum Beruf.

„Sport geht automatisch mit Gesundheit einher, und ich habe mich schon immer für die allgemeinen Hintergründe im Gesundheitswesen interessiert – von der Finanzierung über rechtliche Fragen bis zu den Abläufen in Gesundheitsunternehmen.“

Der breit aufgestellte Studiengang bietet ihr das entsprechende Fachwissen. In sieben Semestern stehen beispielsweise Gesundheit und Prävention, Medizin für Ökonomen, Krankenhaus- bzw. Pflegemanagement, E-Health oder Buchführung und Jahresabschluss auf dem Stundenplan.

Auch heikle Themen wie Suchtprävention

Ihren Wunscharbeitgeber – dual Studierende suchen sich mit Unterstützung der Studienberatung ein Praxisunternehmen und durchlaufen einen allgemeinen Eignungstest an der Hochschule – hatte Wronikowski schnell identifiziert: Labor Berlin.

Nur bot das Tochterunternehmen der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH keine dualen Studienplätze an. Also schickte Wronikowski eine Initiativbewerbung.

Bewerbung gab den Anstoß für Kooperation

„Wir sind erst durch diese Bewerbung auf das Angebot der IUBH aufmerksam geworden. Inzwischen kooperieren wir mit der Hochschule bei weiteren Studiengängen“, erzählt Kristina Kober, Leiterin Personalentwicklung/Kommunikation bei Labor Berlin.

Da Labor Berlin ein wachsendes Unternehmen mit großem Bedarf an qualifiziertem Fachpersonal sei, „war ich sofort interessiert“, sagt sie – zumal Wronikowski sie im Vorstellungsgespräch überzeugte. „Am Ende war ich es dann, die gewartet hat, ob sie sich für uns entscheidet, denn sie hatte sich noch bei weiteren Unternehmen beworben“, so Kober.

Arbeitgeber von der Schwester empfohlen

Letztlich waren es die Karriereaussichten, vor allem aber das gute Betriebsklima, das den Ausschlag gab. Dazu hatte Wronikowski Informationen aus erster Hand. „Meine Schwester arbeitet als medizinisch-technische Laboratoriumsassistentin (MTLA) bei Labor Berlin und hat mir empfohlen, mich zu bewerben.“

Ist Gesundheitsmanagement ein wesentlicher Faktor für die Mitarbeiterzufriedenheit? „Durchaus“, findet Kober, ihrerseits ausgebildete Gesundheitsmanagerin und Gesundheitswissenschaftlerin.

Dabei verfolgt die 45-Jährige einen breiten Ansatz: Kostenloses Obst und Wasser für alle Mitarbeiter sowie die Mitgliedschaft bei einem überregionalen Sportanbieter gehören ebenso zum Angebot von Labor Berlin wie individuelle Weiterbildungen etwa zu Stress- und Konfliktmanagement.

Was brauchen die Mitarbeiter?

„Der Kern liegt jedoch in der individuellen Förderung und Unterstützung. Wir versuchen herauszufinden: Was brauchen unsere Mitarbeiter?“

Nicht einfach bei mehr als 500 Mitarbeitern an 13 Standorten allein in Berlin. Vor allem, wenn es um heikle Themen wie Sucht- oder Burnout-Prävention geht oder um Unterstützung, wenn eine Erkrankung vorliegt.

„Der Schlüssel liegt in einem vertrauensvollen Umfeld. Denn je früher wir helfen können, desto besser für alle.“ Je nach Situation werden allerdings auch externe Experten hinzugezogen.

Ziel ist eine Bewusstseinsänderung der Mitarbeiter

Anke Jendges, seit Januar 2016 Gesundheitsmanagerin bei Amazon im brandenburgischen Brieselang, setzt ebenfalls auf ein vertrauensvolles Umfeld. „In unserem Beruf muss man Men-schen mögen, denn es geht darum, eine Verbindung aufzubauen. Schließlich zielen wir bei vielen Aspekten unserer Arbeit auf eine Bewusstseinsänderung der Mitarbeiter.“

Ver- und Gebote sind deshalb für Jendges keine Option. Und so gibt es selbstverständlich Currywurst in der Kantine. „Currywurst ist lecker! Die wollen wir nicht verbieten, das ginge auf Kosten der Mitarbeiterzufriedenheit. Aber wir stellen ein buntes Salatbüfett daneben und klären auf.“

Dazu hat die 46-Jährige eine Ernährungsausstellung entwickelt, die Tipps visuell aufbereitet.

Zum Nachdenken anregen

Jendges will Lösungen nicht buchstäblich auf dem Teller servieren, sondern ihre Kollegen zum Nachdenken anregen und sie für das Thema Eigenverantwortung sensibilisieren. Ein erfolgreicher Ansatz war etwa das Thema der letzten Gesundheitstage, die Jendges zweimal im Jahr organisiert.

„Es ging um Krebsvorsorge – kein Thema, für das sich junge Menschen in der Regel besonders interessieren.“ Doch die Gesundheitsmanagerin hatte den ehemaligen Fußballprofi und aktuellen AOK-Gesundheitsbotschafter Jimmy Hartwig eingeladen.

Sein Vortrag über seinen Kampf gegen den Krebs machte Eindruck. „Ich kann natürlich nicht sagen, wie viele unserer Mitarbeiter im Anschluss einen Vorsorgetermin gemacht haben, aber das Feedback war sehr vielversprechend.“

Gesundheitsmanager als Vermittler

Jendges versteht sich als Vermittlerin. „Wir kommunizieren in zwei Richtungen: Zum Arbeitgeber als Auftraggeber und zum Mitarbeiter, um den es ja geht.“

So arbeitet sie eng mit den Führungskräften bei Amazon zusammen, verschafft sich aber auch einen möglichst authentischen Eindruck vom Arbeitsalltag der Mitarbeiter auf dem „Shopfloor“, der Produktionsfläche bei Amazon.

Probleme, die hier auftreten, müssen zeitnah gelöst werden, erklärt sie. „Ein hochgewachsener Mitarbeiter hatte beispielsweise ein Pro­blem mit der Tischhöhe. Darum richten wir jetzt zwei Arbeitsplätze ein, für die wir extra Aufsätze bauen lassen.“

Viele Jobchancen für Absolventen

Amazon hat in allen Logistik-Zentren in Deutschland einen Gesundheitsmanager, dem weitere Teammitglieder zur Seite stehen. „Dabei bringt jeder eine bestimmte Expertise ein – etwa in der Zusammenarbeit mit Krankenkassen oder in Bezug auf die vielfältigen gesetzlichen Vorgaben hinsichtlich eines betriebsärztlichen Dienstes, im Bereich Erste Hilfe oder in der Arbeitssicherung. All das gehört ins Feld Gesundheitsmanagement“, so Jendges.

Tatsächlich bieten sich Gesundheitsmanagern vielfältige berufliche Tätigkeitsfelder und Perspektiven, weit über das klassische betriebliche Gesundheitsmanagement hinaus. So ist Tania Putze seit April 2017 Consultant im Healthcare-&-Pharma-Team bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC).

Hilfe bei der Optimierung von Prozessen

Das rund 500-köpfige Team unterstützt Unternehmen aus der Pharmaindustrie, Kliniken und Krankenversicherungen bei der Optimierung ihrer Prozesse im Gesundheitswesen, übernimmt aber auch die Prüfung von Jahresabschlüssen – Putzes Spezialgebiet.

Aktuell steckt die 26-Jährige mitten in einer Hauptprüfung, „also in der konkreten Prüfung der vom Mandanten bereitgestellten Zahlen“. In der Vorprüfung hingegen gehe es darum, in Zusammenarbeit mit dem Mandanten die Prozesse und Abläufe kennen- und einschätzen zu lernen. Aus individuellen Besonderheiten, die sich auch in Bilanzen niederschlagen, entsteht oft weiterer Erklärungsbedarf.

Wissen aus dem Studium hilft bei der Arbeit

Fragen so sensibel und zeitsparend wie möglich zu klären, ist eine der Herausforderungen von Putzes Tätigkeit. Ihre Ausbildung zur geprüften Gesundheits- und Krankenpflegerin sowie ihr Studium Business Administration mit Schwerpunkt Gesundheitsmanagement helfen ihr, denn sie ermöglichen eine vertrauensvolle und zielgerichtete Kommunikation.

„Je besser ich im Thema bin und mich mit Begrifflichkeiten und Brancheninterna auskenne – etwa Gesetzesänderungen wie die Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade –, desto reibungsloser die Zusammenarbeit und desto zufriedener der Mandant“, so Putze.

Ein zufriedener Mandant kann das berufliche Weiterkommen fördern, denn erfolgreich durchgeführte Projekte beflügeln die Karriere bei PwC. „Bei kleineren Mandaten übernehme ich heute bereits die Prüfungsleitung“, sagt Putze, die parallel an ihrem berufsbegleitenden Master International Healthcare and Leadership arbeitet und langfristig den Abschluss Wirtschaftsprüfer anstrebt.