Karriere

Machen Sie sich auf den Weg zum Gipfel

Geschafft: Das Klettern auf einen Berggipfel kann eine Metapher sein für den Weg Veränderungen im Leben anzugehen

Geschafft: Das Klettern auf einen Berggipfel kann eine Metapher sein für den Weg Veränderungen im Leben anzugehen

Foto: vernonwiley / Getty Images/iStockphoto

Bergsteiger und Motivationstrainer Steve Kroeger erklärt, warum Rückschläge für das Vorankommen bis zum Ziel so hilfreich sind.

Hamburg. Berge sind für einen Hamburger eigentlich nur dann attraktiv, wenn sie aus Sand bestehen, mit Dünengras bewachsen sind und nah am Meeressaum stehen. Es sei denn, der Hamburger heißt Steve Kroeger. 7000 Meter – das sind Berge, die den 41-Jährigen aus Winsen/Luhe faszinieren. Die Gipfel der höchsten Berge hat er bestiegen und dabei Erfahrungen gemacht, die sein Leben veränderten.

Vor allem die Momente, in denen es nicht so voranging, wie er wollte – als er umkehrte, bevor er den Gipfel erreichte. Seine Erfahrungen hat Steve Kroeger auf das Leben übertragen: Wenn wir etwas verändern wollen im Job, in der Liebe, im Leben, müssen wir uns auf den Weg machen. Und wenn es auf diesem Weg Hindernisse gibt, sollten wir nicht resignieren, sondern daraus etwas machen, um doch ans Ziel zu kommen.

Kroeger, Motivationstrainer und Vortragsredner, beschäftigt sich damit beim Vortrag „Hohe Ziele erreichen: Wie Bergsteiger aus Rückschlägen Erfolge machen“. Diesen hält er im März im Rahmen der Reihe „Weiterkommen“ des Abendblatts und der Universität Hamburg (siehe Info).

Dass ein Hamburger Jung auf die Idee kam, einen Berg hinaufzukraxeln, hatte mit seinem Job als Personal Trainer zu tun. Er begleitete als solcher Führungskräfte, die ihre Fitnessziele erreichen wollten. Um sie anzuspornen, entwickelte er einen Plan. „Damit Menschen in Bewegung kommen, und zwar körperlich und geistig, braucht es ein großes Ziel, für das es sich lohnt zu trainieren“, sagt Kroeger. Dieses Ziel hatte einen Namen: Kilimandscharo.

Das höchste Bergmassiv Afrikas ist 5895 Meter hoch. Kroeger war bis zu diesem Zeitpunkt noch nie geklettert, nicht in einer Halle und schon gar nicht im Gebirge. Mit seinem Team aber bereitete sich der Hamburger ein gutes halbes Jahr auf den Aufstieg vor. 2007 war es so weit: Die Gruppe schaffte es zum Gipfel des Kilimandscharo. Da passierte etwas mit Steve Kroeger: „Ich war mir selbst so nah wie noch nie zuvor.“ Davon wollte er mehr haben. Und schmiedete prompt den nächsten Plan: In sieben Jahren kletterte er auf die sieben höchsten Gipfel auf sieben Kontinenten – Nordamerika, Südamerika, Afrika, Europa, Asien, Ozeanien, Antarktis.

Erst das Ziel definieren, dann den Weg dorthin

„Es ist wichtig, erst das Ziel klar zu definieren. Dann kümmert man sich um den Weg, um es zu erreichen.“ Und doch kann man sich noch so sehr anstrengen, sich noch so akribisch vorbereiten auf alle Unwägbarkeiten – niemand ist davor gefeit, dass unterwegs etwas passiert, das den Sturm auf den Gipfel verhindert oder zumindest erschwert. Und Kroeger wünscht das sogar jedem. „Es gibt immer Parameter, die ich nicht beeinflussen kann und durch die ich nicht bekomme, was ich möchte.“ Beim Bergsteigen kann es zum Beispiel das Wetter sein, das ein Weiterkommen unmöglich macht.

Dann gilt es, nicht zu resignieren, sondern sich neu aufzustellen. „Wenn das Wetter nicht mitspielt, drehe ich um und komme sechs Monate später wieder“, nennt Kroeger eine Bergsteiger-Metapher. Doch nicht immer kommen Hindernisse von außen, sondern man steht sich selbst im Weg. Auch das ist für Kroeger kein Drama. Die Wahrscheinlichkeit, dass man etwas falsch macht oder etwas nicht funktioniert, ist hoch, wenn man einen neuen Weg beschreitet, etwas Neues, Unbekanntes beginnt. „Ich betrachte es als einen wichtigen Teil des Weges, Fehler zu machen“, meint Kroeger. „Denn durch sie lernen wir.“ Man justiert sich neu, probiert aus – erkennt.

Auch Kroeger hat nicht alle Ziele erreicht. Zum Beispiel am Mount Everest. An diesem Berg sind viele Bergsteiger umgekommen. Das ist bekannt – und doch wurde Kroeger erst kurz vorm Aufstieg zum Gipfel bewusst: „Es gibt Ziele, die sind sinnvoll. Und es gibt Ziele, die sind es nicht.“ Er kehrte um. Der Motivationstrainer hat einiges über sich erfahren: „Ich habe gelernt, was ich imstande bin zu leisten“, sagt er. „Und ich habe gelernt, was ich nicht kann.“ Und was er nicht will – und dass das in Ordnung ist.

Auch ein anderes Mal machte er kehrt vor dem Gipfelsturm. Er wäre bereit gewesen, diesen zu schaffen – aber die Stimme in ihm sagte: Ich will nach Hause. Eine ganze Nacht rang er mit sich, in 4000 Meter Höhe bei minus 40 Grad. „Nach stundenlangem Hin und Her habe ich beschlossen, nach Hause zu gehen.“ Begleitet von der nagenden Sorge, dass andere das schwach finden könnten, er als Trainer, der mit Kunden Berge besteigt, nicht mehr gebucht würde. Tatsächlich aber erfuhr er andere Reaktionen: Anerkennung, Respekt. Und den hatte er auch vor sich selbst – weil er selbstbestimmt gehandelt hatte und das getan hatte, was für ihn das Richtige war.

Was für einen selbst das Richtige ist, kann im Gegensatz zu dem stehen, was die Gesellschaft als „richtig“ erachtet. Und: „Viele gehen gar nicht erst los und bleiben im Basislager, weil der Weg unbequem werden könnte“, überträgt der Trainer dies auf das Leben. Er selbst ist übrigens nicht nur im Gebirge auf dem Weg. Kroeger hat einige Start-ups gegründet, außerdem verkauften er und seine Frau vor wenigen Jahren all ihre Habe und reisten mit den zwei kleinen Kindern monatelang im Wohnwagen durch Europa.

Aber muss nun jeder so radikal sein, einen Berg besteigen, gar den Gipfel stürmen? Nein, meint Kroeger. „Ich funktioniere nur in hohen Zielen“, sagt er. Bei anderen reicht eine kleine Veränderung, um sich wohler zu fühlen. „Ich möchte zeigen: Wenn da eine Stimme in dir ist, die dir sagt, dass da etwas ist, das du erleben oder ändern willst, dann mach was daraus.“

Die Tricks des Bergsteigers

Steve Kroeger wird seinen Vortrag „Hohe Ziele erreichen: Wie Bergsteiger aus Rückschlägen Erfolge machen“ am Mittwoch, 28. März, um 19 Uhr in der Uni Hamburg halten. Der Raum wird online bekannt gegeben.

Tickets können online bestellt werden. Eine Karte kostet 49 Euro, für Abendblatt-Abonnenten 45 Euro. Bis zu diesem Vortrag kann ein Paket für alle Vorträge der Reihe Weiterkommen 2018 gekauft werden. Es kostet 169 Euro.

Die Reihe „Weiterkommen“ wird unterstützt durch DAK Gesundheit, Futterhaus-Akademie, Decatus – Die Mittelstandsakademie, Buchhandlung Heymann, Stellenwerk Hamburg.