Fitnessstudio

Wie man den Spaß am Sport zu seinem Beruf machen kann

Benjamin Rybski hat eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann absolviert. Im Mrs. Sporty Club in Berlin-Mitte arbeitet er als Management-Trainee.

Benjamin Rybski hat eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann absolviert. Im Mrs. Sporty Club in Berlin-Mitte arbeitet er als Management-Trainee.

Foto: Massimo Rodari

Ob als Trainer, Kursleiter, Manager oder freier Mitarbeiter: In Fitnessstudios gibt es viele Möglichkeiten – und auch Karrierechancen.

Berlin.  Nach dem Abitur wusste Benjamin Rybski, dass er beruflich etwas mit Sport machen will. Aber welche Aufgaben genau ihn in der Fitnessbranche erwarten würden, waren dem heute 24-Jährigen nicht klar. „Ich habe mir gedacht: Was tut man schon groß als Trainer im Studio? Bestimmt nur putzen“, erinnert er sich.

Also versah er seine sportlichen Berufsambitionen mit einem wirtschaftlichen Aspekt und begann eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann. Als solcher ist er Trainer und Sachbearbeiter in einem – und hat inzwischen auch gemerkt, wie falsch er mit seiner ersten Einschätzung des Jobs lag.

Ausbildung in Verein oder Sportschule

Sport- und Fitnesskaufleute werden in verschiedensten Einrichtungen, die mit Sport zu tun haben, ausgebildet. Darunter sind Vereine, Wellness- und Gesundheitszentren, Sportschulen und natürlich Fitnessstudios. In einem Studio absolvierte auch Benjamin Rybski seine Ausbildung. Sie dauerte drei Jahre.

Das theoretische Wissen, das ihm in der Berufsschule vermittelt wurde, konnte er gleich praktisch in seinem Studio anwenden. Dort schrieb er Trainingspläne für die Mitglieder, betreute Kurse und Probetrainings und führte Gespräche mit Interessenten. Im März 2017 beendete Rybski seine Ausbildung. Heute arbeitet er im Mrs. Sporty Club in Mitte.

Trainer und Kaufmann gleichzeitig

„Frauenfitness war in meinem Ausbildungsbetrieb eine große Sache, deswegen habe ich mich für die Arbeit bei Mrs. Sporty entschieden“, begründet der 24-Jährige seine Entscheidung, ausschließlich mit Frauen zu arbeiten. Im Club trägt er inzwischen viel Verantwortung. „Ich bin ja auch Kaufmann, nicht nur Trainer“, sagt Benjamin Rybski. „Ich kümmere mich um die Administration, mache also die Buchhaltung, übernehme den Schriftverkehr, führe Telefonate und lege die Anmeldungen an.“

Das Herzstück seiner Arbeit aber ist die Betreuung der Mitglieder beim Zirkeltraining. Dort werden sogenannte Smarttrainer eingesetzt: „Man sieht ein Video mit der Übung, die man ausführen soll“, erklärt der Sportkaufmann. „Ich kontrolliere, dass jeder die Übung richtig macht, und lasse niemanden allein. Die Teilnehmerinnen wechseln dann nach 60 Sekunden die Station.“ Die Übungen seien auf jede Frau persönlich zugeschnitten, erklärt er, „damit alle ihre Ziele erreichen“.

Weiterbildung zum Clubmanager und Ernährungsberater

Das sei ohnehin das Beste an seiner Arbeit: Der Sport bringt die Kundinnen weiter, und als Trainer kann Rybski sich über die Erfolge mitfreuen. „Wenn ich dazu beitrage, dass eine Dame weniger Rückenschmerzen hat oder 20 Kilo abnimmt, das ist einmalig.“

Auch die Aufstiegschancen in der Branche begeistern den Fitnesstrainer für seinen Beruf: Über ein Traineeprogramm seines Arbeitgebers macht Benjamin Rybski aktuell eine Weiterbildung zum Clubmanager und eignet sich parallel Wissen in Ernährungsberatung an.

Spezialisierung zahlt sich in der Branche aus

Katrin Czech ist bereits Clubmanagerin eines Studios in Rosenthal. Die 39-Jährige hatte eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau absolviert, sich dann aber entschieden, zur Sport- und Fitnesskauffrau umzuschulen. „Sport hat mich immer begeistert, deswegen habe ich den neuen Weg eingeschlagen“, erzählt sie. „In der Umschulung habe ich sechs Monate im Gesundheitszentrum Prenzlauer Berg gearbeitet. Da wusste ich, dass mir der Gesundheitsaspekt des Sports besonders gefällt.“

Nach nur einem Jahr wurde die Mutter einer Tochter bei Mrs. Sporty zur Clubmanagerin befördert. Neben ihrer Arbeit als Trainerin schreibt sie Dienstpläne für ihre drei Kollegen, hält donnerstags Teammeetings ab und plant sogenannte Thementrainings wie etwa den Ski-Zirkel im Winter. Im Club Rosenthal kommen 350 Mitglieder auf das vierköpfige Team, das Czech leitet. Die Trainer behalten im Blick, wer wie regelmäßig ins Studio kommt. „Unsere Aufgabe ist es nämlich auch, die Mitglieder immer wieder zum Weitermachen zu motivieren.“

Vom Maschinenbauer zum Personal Trainer

Die persönliche Beziehung zu den Kunden war auch für ­An­dreas Moor (33) entscheidend bei seinem Berufswechsel. Der gelernte Maschinenbauer ar­beitet für mehrere Betreiber als freier Personal Trainer. „Früher habe ich an Maschinen herumgeschraubt, jetzt schraube ich an meinen Kunden“, sagt er. Einem Trainer werde viel Vertrauen entgegengebracht, hat Moor ­erfahren. „Wenn ich Leuten ­helfen und ihren Alltag nach­haltig verbessern kann, dann ­habe ich das Vertrauen meiner Kunden gut genutzt.“

Mund­propaganda zufriedener Kunden hilft sehr. Er habe die Arthrose eines Klienten wieder in den Griff bekommen, erzählt Moor. „Wenn du das schaffst, emp­fehlen dich die Leute weiter, der Wert deiner Arbeit wird ­anerkannt.“ Andreas Moor hat sich mit einem Studium der ­Betriebswirtschaftslehre und der Fitnesstrainer-B-Lizenz auf seinen Branchenwechsel vor­bereitet. Die B-Lizenz gilt als Basis für eine Arbeit in der Branche.

Auftraggeber sind mehrere Studios

Moor erklärt seine Arbeit als Selbstständiger: „Ich agiere also als Dienstleister im Namen des Studios. Ich wähle gezielt aus, zu welchen Zeiten ich Termine entgegennehme, Seminare veranstalte oder Gruppen leite. So puzzle ich mir meine Umsätze durch verschiedene Studios zusammen.“ Moor betont, dass man als Trainer zeitlich flexibel sein muss. Denn Kunden nehmen Termine dann wahr, wenn sie Feierabend haben. Daher sei es auch nicht ungewöhnlich, Kunden abends und an den Wochenenden zu trainieren.

„Diese Termine gibt es nur in Studios, die die Betreuung durch einen Trainer anbieten“, sagt Moor. „In Studios aus dem unteren Preissegment übernimmt man als Trainer auch den Tresen und die Bar, macht sauber, macht Büro ...“ Das sei „ein Aufgabenspagat“. Daher sei es wichtig, als Trainer ein Studio zu finden, das zur eigenen Persönlichkeit passt. „Dafür kann man einfach zu dem Studio hingehen, in dem man arbeiten möchte, und Fragen stellen“, rät der Personal Trainer den Nachwuchskräften der Branche.

Sportlicher Leiter wählt neues Personal aus

Auch Physiotherapeut Stefan Spiller (37) ist als freier Trainer in die Branche eingestiegen. Inzwischen arbeitet er seit zehn Jahren fest bei American Fitness am Hermannplatz und übernimmt dort auch die sportliche Leitung. In dieser Position koordiniert er Termine, stellt neues Personal ein und entscheidet, wer welche Fortbildungen absolvieren darf. „Und wenn es mal nötig ist, unterstütze ich das Team am Empfang, begrüße Gäste, mache Shakes und übernehme die Anmeldung.“

Neben seiner Arbeit hat Spiller Fitness- und Health-Management im Fernstudium an der IST-Hochschule für Management belegt. Gerade schreibt er seine Bachelorarbeit. Sein Ziel sei, sich immer weiter zu verbessern: „Als Physiotherapeut hebe ich meine Qualität als Trainer schon an, mit dem Studium geht es noch weiter.“

Qualifizierungen als Alleinstellungsmerkmal

Dass die Trainer eine besondere Spezialisierung mitbringen, zeigt für ihn die Qualität eines Studios. Damit hebe man sich von der Konkurrenz ab. „Heute sind Studios nicht mehr nur die Muckibude. Die Menschen wollen präventiv trainieren und sich auf ihre Gesundheit konzentrieren“, sagt Spiller. Dieser Trend sei ideal für Quereinsteiger in der Branche, die Studios durch ihre Angebote bereichern. „Viele Kursleiter machen Yoga, Pilates oder Zumba nur nebenbei, weil es ihnen Spaß macht“, sagt Spiller. „Andere geben ihre Kurse hauptberuflich.“

So macht es Ronny Korneli (40). Der gebürtige Norweger hat in Berlin seine Ausbildung zum Yogalehrer absolviert, nachdem er lange als Pantomime und im Bewegungstheater gearbeitet hatte. „Nach vielen Reisen bin ich dann zum Yoga gekommen. Dabei geht es mir um die heilende Wirkung der Arbeit mit dem Körper“, erklärt der Familienvater. Als Yoga­lehrer gibt er elf Kurse pro ­Woche. „In Berlin sind Studios wie kleine Familien.“ Er freut sich über Feedback: „Wenn mir jemand sagt, dass ihm meine Kurse wichtig sind, habe ich das ­Gefühl, etwas Gutes zu machen.“

Auch Konflikte muss man managen können

Wer sich positives Feedback wünscht, sollte ohne Angst auf Leute zugehen können, beschreibt Stefan Spiller die Anforderungen an Mitarbeiter der Fitnessbranche. „Man muss gut im Konfliktmanagement sein, sich in andere Personen hineinversetzen, wenn man gemeinsam erfolgreich sein möchte.“ Dann erlebt man auch Erfolgsgeschichten.

„Besonders erinnere ich mich an ein Mitglied mit Downsyndrom“, sagt der 37-Jährige. „Zuerst hatte ich Bedenken, ob sie sich im Studio wohlfühlt. Aber sie strahlte so viel Lebensfreude aus, absolvierte fleißig ihre Übungen und war super motiviert. Solche einzigartigen Momente gleichen dann locker zehn Dinge aus, die schiefgegangen sind.“