Beruf

Traumjob Polizist? So sieht der Alltag aus

Der Hamburger Polizeischüler Tim Eifler übt eine Fahrzeugkontrolle mit seiner Ausbilderin

Der Hamburger Polizeischüler Tim Eifler übt eine Fahrzeugkontrolle mit seiner Ausbilderin

Foto: Markus Scholz / dpa-tmn

Wer für den Staat auf den Straßen für Recht und Ordnung sorgen will, muss fit und psychisch stabil sein. Tipps für Bewerber.

Fahrtraining, Selbstverteidigungskurse und Kriminalistik: Der Stundenplan von Tim Eifler ist alles andere als trocken. In Hamburg macht der 28-Jährige derzeit eine Ausbildung zum Polizeimeister bei der Schutzpolizei. „Ich wollte als Kind schon Polizist werden“, sagt Eifler. Doch nach dem Abitur entspricht er mit einer Körpergröße von unter 1,65 Meter nicht den damaligen Anforderungen. Stattdessen entscheidet sich der Hamburger zunächst für eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann. Doch schnell wird ihm klar: „In einem Bürojob will ich nicht bleiben.“

„Dank eines Wachstumsschubs hat es vor knapp zwei Jahren dann doch geklappt“, sagt Eifler. In den Polizeialltag schnupperte der Anwärter in einer sechsmonatigen Praxisphase während der Ausbildung. Mit Uniform, Handschellen und Dienstwaffe arbeitet er in einem Polizeikommissariat mit. „Ich war im Schichtdienst, auf Streife und durfte unter anderem Verkehrskontrollen durchführen. Die Arbeit hat sehr viel Spaß gemacht.“ Und wer schon von klein auf davon träumt, Polizist zu werden, hat natürlich einige Erwartungen und Vorstellungen. Nicht ganz ohne, können diese doch beim Abgleich mit der Realität schnell enttäuscht werden. Nicht so bei Eifler, die Erwartungen seien alle erfüllt worden. „Der Alltag war sehr abwechslungsreich, einfach spannend“, erzählt der Polizeischüler.

Bewerber müssen einen schriftlichen und einen Sporttest bestehen

Vor seiner Ausbildung zum Polizeimeister musste Eifler wie alle Bewerber einen Eignungstest absolvieren. Im schriftlichen Teil wurden die Rechtschreibung, die sprachlichen Fähigkeiten und das mathematische, abstrakte und logische Denken getestet. Im Sporttest ging es dann um den Gleichgewichtssinn, die Schnelligkeit und Beweglichkeit. Dabei müssen Bewerber unter anderem einen Ausdauerlauf absolvieren. Der Test gilt als anspruchsvoll. „Mit Vorbereitung ist das alles machbar“, findet Eifler.

„Bei dem Eignungstest wird das Allgemeinwissen und die körperliche Fitness der Bewerber geprüft“, erklärt Berufsberaterin Yvonne Kühn von der Agentur für Arbeit in Fürth. Sportlichkeit sowie ein Ideal- bis Normalgewicht werden erwartet. „Neben der physischen Belastbarkeit ist auch psychische Stabilität wichtig für diesen Job.“ Denn Polizisten müssten im Auftrag des Staates für Recht und Ordnung sorgen und auch in Ausnahmesituationen ruhig und konstruktiv bleiben. „Bewerber sollten zudem teamfähig, kommunikativ und entscheidungsfreudig sein“, sagt Kühn.

Zu den formalen Anforderungen gehört eine Mindestgröße – der Stolperstein, an dem Polizeischüler Eifler beinahe gescheitert wäre. Kühn: „Frauen und Männer bei der bayrischen Landespolizei zum Beispiel müssen mindestens 1,65 groß sein. Ausnahmen sind immer möglich.“ Außerdem gebe es eine Altersbeschränkung, die auch von der jeweiligen Einstellungsstelle abhängt. „Bewerber sollten nicht vorbestraft und überschuldet sein.“ Ein gepflegtes Äußeres werde auch erwartet.

Die Ausbildung zum Polizisten ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich aufgebaut. „Grundsätzlich ist die Nachwuchseinstellung Ländersache, so wie auch Bundespolizei und Bundeskriminalamt für die Rekrutierung selbst verantwortlich sind“, erklärt Marina Berger von der Einstellungsstelle der Hamburger Polizei. In der Hansestadt können Polizeianwärter zwischen einer Ausbildung wie bei Tim Eifler und einem dualen Studium wählen. „Die Ausbildung zum Polizeimeister dauert zweieinhalb Jahre. Voraussetzung ist die Mittlere Reife“, so Berger. Auch Führerschein und Schwimmnachweis sind erwünscht.

Zu Beginn der Ausbildung erhält ein 21 Jahre alter, lediger und kinderloser Polizeischüler der Schutzpolizei in Hamburg 1043 Euro Nettogehalt. Das Einstiegsgehalt beträgt 2006 Euro netto. „Polizeimeister können sich mit einem internen Studium zum Polizei- oder Kriminalkommissar weiterbilden“, erklärt Berger. Der direkte Weg zur Kripo führt mit der Fachhochschulreife oder dem Abitur über das dreijährige duale Studium.

Eine bestimmte Durchschnittsnote im Abschlusszeugnis brauchen Bewerber in Hamburg nicht. „Wir haben keinen Numerus clausus, wir machen uns die Mühe und prüfen den Einzelfall“, erklärt Berger. Auch eine Fünf in Mathe sei deshalb prinzipiell kein Ausschlusskriterium. Im Vergleich zur Bundespolizei brauchen Bewerber in Hamburg auch nicht unbedingt die deutsche Staatsbürgerschaft. „Grundsätzlich sollte man offen sein und Spaß am Lernen haben“, empfiehlt die Beamtin. Denn der Beruf umfasse mehrere Hundert Tätigkeiten. „Man verhaftet Menschen, schützt Opfer und hilft dem Bürger in unterschiedlichen Lebenslagen. Es ist auch ein sozialer Beruf.“

Derzeit läuft die Bewerbungsphase für August und Oktober 2017

Wegen gestiegener Anforderungen an die Polizei sollen laut Berger in Hamburg zukünftig mehr Ausbildungs- und Studienplätze entstehen. „Ab September werden die Einstellungszahlen auch bei der Bundespolizei für den mittleren und gehobenen Polizeivollzugsdienst erhöht“, sagt Sprecherin Nicole Bellinghausen. Ein Kurswechsel. Denn seit der Jahrtausendwende waren laut der Gewerkschaft der Polizei bundesweit 16.000 Stellen abgebaut worden. Derzeit können sich Interessierte für einen Ausbildungsplatz mit Ausbildungsbeginn im August oder Oktober 2017 bewerben.

Tim Eifler ist im kommenden August fertig mit seiner Ausbildung. Danach beginnt sein Dienst in einer Hundertschaft bei der Hamburger Bereitschaftspolizei. Unterstützung beim Streifendienst, bei Fußballspielen, aber auch Einsätze bei Demonstrationen gehören dann zu seinem beruflichen Alltag. Mut sei in solchen Situationen hilfreich, aber auch Furcht sei wichtig, findet er. „Eine gewisse Grundangst macht dich vorsichtiger und aufmerksamer.“

Informationen zu Ausbildung und dualem Studium bei der Hamburger Polizei gibt es im Internet unter
www.akademie-der-polizei.hamburg.de