Schema F reicht beim Bewerben nicht

Anschreiben und Vita sollen knapp und strukturiert sein. Und auch noch etwas aussagen

„Ich biete Ihnen genau das, was Sie suchen!“ Das schreibt man nicht so. „Aber inhaltlich ist es genau das, was Berufseinsteiger mit ihrer Bewerbung transportieren müssen“, sagt Bewerbungsexperte Claus Zimmermann. Er sieht das Problem, dass die meisten ihre Anschreiben mit „Copy & Paste“ gestalten: Einmal geschrieben, wird es kopiert und für andere Firmen zweitverwertet. Großer Fehler: „Wenn 120 Bewerbungen vor dem Personalentscheider liegen, bleibt ihm nicht viel Zeit, sich lange in jede einzulesen.“ Wer nur Schema F bietet, fliegt raus.

Zimmermanns Tipp heißt darum, wirklich auf das Jobprofil einzugehen, das in der Ausschreibung deutlich wird. „Die Unternehmen heben immer zwei bis drei Punkte hervor, die ihnen besonders wichtig sind.“ Werden von einem jungen Betriebswirt zum Beispiel „erste Erfahrungen im Marketing“ erwartet, bringt es nichts, sich dort zu melden, wenn man lediglich Praktika im Controlling vorweisen kann.

Auch wer den Lebenslauf nur als lästige Pflichtübung sieht, macht einen Fehler. „60 Prozent der Personaler schauen sich zuerst den Lebenslauf an“, sagt Karrierecoach Christina Panhoff. Das Problem für Berufseinsteiger: Gerade bei ihnen gleichen sich die Biografien oft. „Die Herausforderung ist, sehr gut zu umschreiben, was man an Praxiserfahrung hat“, erklärt Claus Zimmermann. „Wer schreibt, er hat ein halbes Jahr bei einem Wirtschaftsprüfer gejobbt, sagt damit nicht viel aus“, kritisiert er. Stattessen sollten Bewerber ihre Aufgaben dort konkret benennen. Etwa: „Überprüfung von internen Kontrollsystemen, selbstständig geführte Mandantengespräche bei risikoärmeren Bilanzpositionen.“

Wer Lücken in der Vita hat – zum Beispiel durch Krankheit oder „Rumhängen“ nach Abi oder Studium –, kann einen sogenannten funktionalen Lebenslauf wählen. Dabei werden Kompetenzen aus verschiedenen Bereichen – Ausbildung, Praktikum, privat – zusammengefasst. Wer etwa im Bereich PR-Arbeit Erfahrung hat, könnte schreiben: „Kompetenzen im Bereich Pressearbeit“ und dann etwa darlegen: „Geübt im Verfassen von Pressemitteilungen dank dreijähriger Mitarbeit im Vorstand des Handballclubs XY“ und „Routinierter Umgang mit Pressevertretern nach zwei Jahren Teilzeitjob in der Kommunikationsabteilung von Firma Y“. Danach ließe sich ein Punkt anschließen wie „Kompetenzen im Bereich Eventorganisation“ – wenn man zum Beispiel Veranstaltungen an seiner Uni oder Exkursionen für seine studentische Arbeitsgruppe organisiert hat.

Abheben von der Masse können sich Bewerber auch mit der Gestaltung. Übersichtlich strukturiert und mit wenigen gut formulierten Sätzen, so sehe ein ansprechendes Anschreiben aus, erklärt Claus Zimmermann. „Gerade bei interessanten Starter-Jobs, wie zum Beispiel als Junior Controller, kann der Personaler aufgrund der Menge der Bewerbungen gar nicht anders, als eine Mappe nur kurz überfliegen.“ Wer versucht, mit viel Text in kleiner Schriftgröße möglichst viel von sich zu erzählen, überfrachtet den Text. Zimmermann: „Lange unstrukturierte Ich-kann-alles-Anschreiben empfindet der Personaler als mangelnde Wertschätzung dem Unternehmen gegenüber.“

Im Lebenslauf sei es möglich, dezent mit Farben zu arbeiten, um sich abzuheben, sagt Christina Panhoff. Zum Beispiel, indem man Zwischenüberschriften mit einer dünnen roten Linie unterstreicht oder die Kopfzeile einfärbt. Blickfang sei auch, Logos bisheriger Projekte oder Arbeitgeber hinter die jeweilige Station zu platzieren. „Bewerber sollten sich aber für ein Extra entscheiden – zu bunt ist nicht gut“, sagt Panhoff.

Unbedingt kreativ muss aber auch gar nicht sein: Vor allem müsse es gut aussehen, sagt Karrierecoach Christina Panhoff. Dazu gehöre eine mit Bedacht gewählte Schriftart. Die klassische Times New Roman sei überholt, und auch Arial sehe man einfach zu häufig. Männern empfiehlt sie, Tahoma einzusetzen, Frauen können ihrer Ansicht nach mit Calibri punkten.

Mittlerweile ist es im Internet auch möglich, auf Seiten wie resumup.com den Lebenslauf in einen horizontalen Zeitstrahl umzuwandeln. Bunte Balken illustrieren dann die einzelnen Stationen. Erforderlich ist dafür aber ein Facebook- oder LinkedIn-Account. Bewerbungsexperte Branko Woischwill: „Das kann man machen, aber es muss zum Arbeitgeber passen.“ Besser findet er es, einen solchen Zeitstrahl im Zuge einer kurzen Initiativbewerbung zu verschicken – mit dem Hinweis, dass man weitere Unterlagen gern noch zusende. „Das kann als Türöffner dienen.“