So ergreifen Bewerber die Initiative

Top im Job: Wen rufe ich an, wie stelle ich mich vor? Die wichtigsten Tipps von Andrea Schottelius

"Zwei Drittel aller Stellen werden von Arbeitgebern gar nicht erst ausgeschrieben", sagt Andrea Schottelius, Karriere- und Managementberaterin in Hamburg. Das ist der Grund, warum sie Initiativbewerbungen für Erfolg versprechend hält - zumindest auf längere Sicht. "Dass genau in diesem Moment die angestrebte Stelle frei ist, wäre ja ein großer Zufall", sagt sie. Es geht also darum, Kontakt aufzunehmen, sich bei einem Unternehmen interessant zu machen und schon einen Fuß in der Tür zu haben, wenn dann ein vielversprechender Job besetzt werden soll.

Einfach per Post oder E-Mail Bewerbungen zu versenden, sieht Schottelius allerdings als wenig zielführend an. Sie plädiert für die Kontaktaufnahme per Telefon. "Ansprechpartner sollte aber nicht die Personalabteilung sein", sagt sie. "Am besten, man lässt sich zu jemandem aus der Fachabteilung durchstellen." Den richtigen Kontakt oder wenigstens den korrekten Namen der Abteilung finden Interessenten auf der Internetseite der Firma.

Wer Pech hat, wird gleich von der Zentrale abgewimmelt. Das weiß auch Beraterin Schottelius. Mit einem freundlichen, aber zielstrebigen Auftreten - "Würden Sie mich bitte mit Judith Schmidt in der Buchhaltung verbinden?" - habe man die besten Aussichten, weitergereicht zu werden.

"Im Gespräch selbst geht es dann darum, an Informationen zu kommen, ob Bedarf und ein Interesse an meinem Leistungsangebot besteht", erklärt Andrea Schottelius. Überfallen sollten Bewerber den Gesprächspartner jedoch nicht. Erst nachdem er sich vergewissert hat, dass das Gegenüber ein bisschen Zeit hat, sollte der Anrufer sein Anliegen schildern.

Besonders wichtig sei die Vorbereitung: Bewerber müssen sehr gut über den Arbeitgeber Bescheid wissen und Klarheit über das eigene Profil haben. "Wenn ich aufgefordert werde, mich vorzustellen, muss ich in zwei Minuten zusammenfassen können, wer ich bin, was ich gemacht habe und was meine Zielsetzung ist." Nicht zuletzt müsse der Bewerber auch hervorheben können, was gerade seine Qualifikation dem Unternehmen an Vorteilen bringt.

Abschluss des kleinen Vortrags sollte eine offene Frage sein, zum Beispiel: "Wie hört sich das für Sie an?" Fragen, die nur Ja oder Nein erfordern ("Hätten Sie da etwas für mich?"), sollte man besser vermeiden.

Sich initiativ bewerben können alle Berufsgruppen, sagt die Karriereberaterin. "Ich muss mich verändern, weil meine Firma den Betrieb aufgibt", könnte zum Beispiel für einen Lkw-Fahrer ein guter Einstieg sein. Sicher gebe es auch Menschen, denen das Telefonieren nicht liegt, sagt Andrea Schottelius. Für sie sei es in Ordnung, sich gleich schriftlich zu bewerben.

Angefordert wird die Mappe ohnehin, wenn ein Bewerber mit seinem Anruf auf offene Ohren gestoßen ist. Wichtig ist auch hier: die Mappe an den richtigen Ansprechpartner zu adressieren. "'Meine sehr geehrten Damen und Herren' ist immer nur die Notlösung", sagt Schottelius. Adressat sollte unbedingt ein Verantwortlicher in der Fachabteilung sein. "Im Vergleich zur Personalabteilung hat man dort bessere Chancen, sachgerecht geprüft zu werden."

Bei jeder Bewerbung, ganz besonders aber bei der initiativen, sei es wichtig, seine positive Haltung zu zeigen. "Sagen oder schreiben Sie nicht: 'In meinem jetzigen Unternehmen wird mein Potenzial nicht erkannt'", sagt Andrea Schottelius. "Es darf nie darum gehen, dass man irgendwo weg möchte, sondern immer nur darum, dass man genau zu dieser hervorragenden Firma hin möchte."

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