"Big Five"

Lebenskonzept: Was im Leben wirklich zählt

Arbeiten, um persönliche Erfüllung zu finden: Für Bestseller-Autor John Strelecky liegt darin der Schlüssel zum eigenen und zum Unternehmenserfolg.

Der Mann hat weltweit Hunderttausende Beschäftigte inspiriert. Er hat ihnen geholfen, mit einem Lächeln zur Arbeit zu gehen. Seine Ideen veränderten ganze Unternehmenskulturen. Der Mann hieß Thomas Derale. Er starb im Alter von nur 55 Jahren an Krebs.

Thomas Derale hat es nie gegeben. Die großartige Führungspersönlichkeit aus dem Bestseller "The Big Five for Life" ist erfunden - und doch ein wünschenswertes Abbild der Wahrheit. Autor John Strelecky, Schöpfer von Derale, sagt über seine Figur: "Er ist real. Er ist ein Charakter, der aus den besten Eigenschaften vieler echter Führungskräfte kombiniert wurde, die ich kennengelernt habe." Übrigens ist der Name Derale ein Anagramm für "Leader".

John Strelecky war Mitte Dezember im Hamburger Business Club. Ein schmaler, sehr drahtiger Mann, hellwach, freundlich und mit jener positiven Aura gesegnet, die Menschen auszeichnet, die ihren Sinn des Lebens gefunden haben. Seinen khakifarbenen Safarihut nimmt John während der vierstündigen Veranstaltung nicht ab.

Strelecky ist ein Globetrotter. Aber inzwischen ist er nicht mehr als Söldner einer klassischen Strategieberatung auf der Jagd nach Aufträgen und Flugmeilen, sondern weltweit in eigener Mission unterwegs. John hat eine Botschaft. "Wie wäre es, wenn Sie jeden Tag mit einem Lächeln zur Arbeit gehen könnten? Wenn Ihr Job Sie voll und ganz erfüllen, ja, Sie richtig glücklich machen würde?", fragt der 42-Jährige.

Das klingt utopisch, erinnert an Raumschiff Enterprise. Im Kinofilm "Der erste Kontakt" erklärt Captain Picard: "Im 24. Jahrhundert arbeiten wir nicht mehr für Geld, sondern um uns selbst zu vervollkommnen."

Strelecky ist kein weltfremder Esoteriker. Als Berater kennt er Hunderte von Organisationen von innen. Er ist davon überzeugt, dass nachhaltiger Erfolg für jeden Einzelnen und für ganze Unternehmen nur möglich ist, wenn wir unsere persönlichen Lebensziele mit unserer Arbeit in Einklang bringen.

Diese Lebensziele nennt John Strelecky die "Big Five for Life": Ausgehend vom Nonplusultra einer Afrika-Safari - der Begegnung mit den großen fünf Wildtieren Löwe, Leopard, Nashorn, Elefant und Büffel - übernimmt er das Konzept der Big Five als Metapher für Erfolg: die fünf wichtigsten Dinge, die eine Person in ihrem Leben tun, sehen oder erleben will.

Muss man dieses Konzept wörtlich nehmen? Dass jeder Mensch fünf Dinge im Leben getan, gesehen oder erlebt haben sollte, um sicher sein zu können, ein erfülltes Leben gehabt zu haben? Nein. "Es geht dabei nicht primär um die fünf Dinge, sondern darum, einen eigenen Maßstab für Erfolg und Erfüllung zu entwickeln", erklärt Strelecky. "Es kann auch sein, dass jemand mit drei wirklich großen Lebenszielen vollauf zufrieden und erfüllt ist."

Strelecky nennt diesen Maßstab den Zweck der Existenz (ZDE) und schlägt damit die Brücke zum Berufsleben: "Je besser der Zweck der Existenz eines Menschen zu dem ZDE des Unternehmens passt, desto wahrscheinlicher ist es, dass er langfristig bei dem Unternehmen bleibt."

Mit seinem Konzept will John Strelecky eine Unternehmenskultur fördern, bei der qualifizierte Leute eingestellt werden, die dann die Freiheit haben, selbst den besten Weg zu ermitteln, wie sie erfolgreich arbeiten. "Denn wenn man die Menschen kontrollieren muss, um sicherzugehen, dass sie tun, was nötig ist, dann hat man die falschen Leute eingestellt", ist John überzeugt.

Da zeigt sich der Pragmatiker: "Nichts behindert ein Projekt so sehr wie jemand, der entweder am falschen Platz oder notorisch unzufrieden ist. Auf alle anderen wirkt das demoralisierend, und es kostet Zeit und Energie. Man muss solche Leute aus dem Team herausnehmen, sonst zerstören sie es", empfiehlt Strelecky.

Für die Einstellungspraxis bedeutet das: Personalentscheider sollten nicht danach schauen, ob jemand möglichst geeignet für einen Job ist, sondern danach, wie gut er zu der Unternehmenskultur passt. Einer Studie der Cornell University und des Gevity-Instituts zufolge haben jene Unternehmen 23 Prozent mehr Gewinn und 67 Prozent weniger Fluktuation, denen es gelingt, ihre Angestellten nicht über finanzielle Anreize zu motivieren, sondern ein "familienähnliches Umfeld" zu schaffen.

Das sei nur mit Führungskräften möglich, die ihre Arbeit eng mit ihrem eigenen Zweck der Existenz verknüpfen können. "Für sie ist die Aufgabe nicht nur eine Chance, sondern eine persönliche Notwendigkeit", sagt Strelecky. "Sie haben genug Vertrauen in ihre Fähigkeiten, dass sie sich durch den Erfolg ihrer Mitarbeiter bestätigt und nicht etwa bedroht fühlen. Sie fördern andere, anstatt sie unten zu halten, sie inspirieren, anstatt einzuschüchtern, sie lehren, anstatt zu blockieren, und sie rechnen mit Erfolg, anstatt sich vor dem Scheitern zu fürchten."

Man möchte Strelecky einfach nur zustimmen. Unsere eigenen Lebensziele mit unserer Arbeit in Einklang zu bringen, erfordert im Alltag jedoch viel Klarheit, Energie und Konsequenz. Wie Gandhi sagte: "Wir müssen selbst die Veränderung werden, die wir in der Welt suchen." Ein schönes Ziel für 2012.