Perspektiven

Was macht eigentlich ...

... ein Casual-Games-Entwickler? Florian Groß denkt sich gewaltfreie Computerspiele aus

Hamburg. Florian Groß spielt manchmal sechs oder sieben Stunden täglich an seinem PC - beruflich. Der 29-Jährige entwickelt in der Hamburger Firma Intenium Casual Games. Das sind Computerspiele, in denen nicht gerannt, gekämpft oder geschossen wird, sondern geflirtet oder gebastelt, in denen Spieler gemeinsam Rätsel oder Krimis lösen.

Diese gewaltfreien Computerspiele sollen für Entspannung und Ablenkung sorgen. Gespielt werden sie vorwiegend von Frauen über 35, mit und ohne Kinder, von Sekretärinnen, Großmüttern. Groß muss sich bei der Entwicklung eines Spiels "auf die Welt dieser Frauen einlassen, in sie eintauchen, verstehen, was die Frauen gerne tun, um sich von ihrem täglichen Stress zu erholen".

Groß hat Angewandte Kulturwissenschaften studiert. Währenddessen hat er Praktika in der Film- und in der Gamesbranche absolviert. Während der Recherche für seine Magisterarbeit über Blockbuster-Filme wurde der gebürtige Duisburger von einem Games-Hersteller angeworben. Seit Mai 2009 ist er bei Intenium: "Fast alle Entwickler bei uns haben studiert, die meisten Geisteswissenschaften."

Das erste Spiel, das er bei Intenium entwickelte, war "Diamand Drop" für das iPhone von Apple, das zweite war "Gute Zeiten, schlechte Zeiten - Flirt und Karriere", angelehnt an die erfolgreiche TV-Serie. "Ich schaue mir Themenfelder an, die für Frauen interessant sind, und entwickle ein Szenario, einen Plot", erläutert Groß seine Arbeitsweise. "Den schreibe ich mir auf und bespreche ihn mit meinen Kollegen. Die ergänzen, kritisieren oder bauen die Idee an einer Art virtuellem Schwarzen Brett aus."

Die weitere Entwicklung verlaufe arbeitsteilig: Ein Grafiker zeichnet erste Stimmungsbilder, Programmierer beginnen ihre Arbeit. Casual-Games-Entwickler verwenden vorwiegend weiche Farben und leise Töne, legen beim Programmieren mehr Wert auf idyllische Landschaften, bunte Kleider und eine langsame Taktung, als auf Lautstärke, Aggressivität und Schnelligkeit. Und Casual Games müssen sich dem Nutzer schnell erschließen. Groß: "Denn man gewinnt oder verliert einen Kunden in der ersten Minute eines Spiels - vor allem Frauen."

Von der Idee bis zum fertigen Produkt können drei, aber auch 24 Monate vergehen. "Das ist eine Budgetfrage", sagt Groß. Günstige Casual Games kosten in der Herstellung 20 000 Euro, teure auch mal 1,5 Millionen Euro. Der Entwickler kommt in der Regel morgens um 10 Uhr ins Büro und geht gegen 19 Uhr: "Nur in der heißen Endphase arbeiten wir mal bis spät in die Nacht."

Zu den Voraussetzungen, die man für diesen Job mitbringen sollte, gehören Kreativität und Teamfähigkeit. Groß: "Eine tolle Idee allein nützt gar nichts, man braucht eine Mannschaft, die sie in ein Spiel umsetzt." Als Leiter des Teams müsse man aber auch motivieren können und Prioritäten setzen: "Oft kommen immer wieder so viele neue Ideen, dass ein Spiel schnell zu verwirrend werden kann."

Kollegin Cordelia von Teichman, die die Kundinnen des Online-Spiels "Alamandi" betreut und von ihnen E-Mails erhält, bringt so manchen Verbesserungsvorschlag ein. "Das ist hilfreich, denn wir müssen ganz nah an den Frauen sein, für die wir Spiele entwickeln", sagt Florian Groß. Der Erfolg: "Von unserer Plattform www.deutschland-spielt.de wird jede halbe Minute ein Spiel heruntergeladen."