Humankapital: 40 Prozent des Firmenerfolgs hängen an der Personalarbeit

Mitarbeiter - schwer unterschätzt

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Andrea Pawlik

Deutsche Forscher sagen voraus: Unternehmen, die Beschäftigte wenig fördern, bleiben auf der Strecke.

Welcher Manager spricht nicht gern vom "Wert", den die Beschäftigten für seine Firma darstellen? Davon, dass die Mitarbeiter das wichtigste Kapital des Unternehmens seien? Sätze, die so manchen Angestellten oder Arbeiter ungläubig schnauben lassen, weil es ihm seitens der Vorgesetzten an Wertschätzung fehlt: Nur 42 Prozent finden, dass ihre Leistung im Job ausreichend anerkannt wird, hat die Studie "Attraktive Arbeitgeber" der Unternehmensberatung Hewitt Associates belegt.

Viele Unternehmen müssen ihren Worten also noch Taten folgen lassen. Denn die Ressource Mensch besitzt durchaus beachtliche ökonomische Relevanz. Das legen zumindest die Ergebnisse eines gemeinsamen Projekts des Marktforschungsinstituts psychonomics, des Human Capital Clubs (HCC) und des Bundesarbeitsministeriums nahe. Titel: "Human Asset Rating anhand des HPI (Human Potential Index)." "Fast 40 Prozent des Erfolgs eines Unternehmens lässt sich auf die Pflege des Humankapitals zurückführen", hebt Peter Friederichs, Gründer und Vorsitzender des HCC, hervor. Mit "Humankapital" verwendet er bewusst einen Begriff, der manchem Arbeitnehmer unangenehm aufstößt - und 2004 sogar zum "Unwort des Jahres" gekürt wurde.

Friederichs und seine Mitstreiter im HCC agieren damit schon seit 2001, dem Jahr der Gründung ihres Vereins. "International heißt es nun mal Human Capital", sagt der Psychologe. "Außerdem geht es uns nicht darum, das Humankapital einer Firma in Euro und Cent zu bewerten, sondern darum, Unternehmen zu motivieren, mehr in ihre Mitarbeiter und deren Arbeitsbedingungen zu investieren." Hierzulande hält er das für besonders wichtig: "Wir haben in Deutschland schließlich keine anderen Ressourcen, nur die Intelligenz und die Motivation der Menschen." Friederichs möchte das Humankapital darum als Gegenpol zum Finanzkapital verstanden wissen. "Wir müssen für den Employee Value arbeiten, nicht nur für den Shareholder Value", betont er.

Es ist zwar ein Merkmal des Human Capital Managements (HCM) - quasi in Erweiterung des Personalmanagements -, dass es offensiv und strategisch einen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten soll. Jedoch gehören Entlassungen im großen Stil und Kürzungen im Budget der Personalentwicklung nicht zu den von den Experten propagierten Maßnahmen. Denn Entlassungen steigern nur kurzfristig den Unternehmenswert. Langfristig wird er geschmälert.

Auch diese Erkenntnis der Fachleute ist in der Wirtschaft noch nicht überall angekommen: "Was wir sehen, ist ein makabres Spiel. In guten Zeiten wird der Mitarbeiter unverbindlich als Kapital gewürdigt, in schlechten Zeiten verbindlich als Kostenfaktor wegrationalisiert", formulierte es Dr. Christian Scholz, BWL-Professor und Personalmarketingexperte der Universität Saarbrücken, schon 2005 in der Computerwoche. Geändert hat sich das noch nicht.

Mit ein Grund dafür ist der schlechte Stand, den Personalmanager weiterhin in Unternehmen haben. "Mitarbeiter der Personalabteilung werden als gute Administratoren gesehen, aber nicht als Sparringspartner der Unternehmensstrategen", erklärt Andreas Schubert, Vorstand der psychonomics AG. Das belege eine aktuelle Untersuchung seines Instituts zum Image der Personaler.

Humankapital, das Wert fürs Unternehmen schafft, wächst, wenn drei Komponenten zusammenkommen: "Zum einen geht es um den Menschen und seine Einstellung", erklärt Friederichs. "Seinen Intellekt und seine Motivation, wie loyal er dem Unternehmen gegenüber ist oder wie gut er kommunizieren kann." Aber auch die Prozesse im Unternehmen seien relevant, stellt der Psychologe heraus: Gibt es eine gute Führung? Wird zusammengearbeitet? Ist die Unternehmenskultur förderlich?

Unternehmen müssen in weiche Faktoren investieren Drittens müssen die entsprechenden Strukturen vorhanden sein: Harmoniert die Personal- mit der Unternehmensstrategie? Verfolgen die Vorgesetzten ein abgestimmtes Führungskonzept? Wird in Weiterbildung investiert? "Auch diese Systemfaktoren müssen stimmen", betont Friederichs. Humankapital zu bilden, nütze übrigens auch dem Mitarbeiter. "Wird es nicht entwickelt, bleibt der Beschäftigte ja auf dem Stand seiner Ausbildung stehen. Wird dagegen in die Mitarbeiter investiert, steigert das auch ihr ganz persönliches Humankapital."

Dass es für ein Unternehmen sinnvoll ist, auch in weiche Faktoren zu investieren, konnte die Forschergruppe aus Mitarbeitern von psychonomics und dem HCC belegen, indem sie die Ergebnisse aller verfügbaren Firmenrankings heranzog. "Wir haben dabei festgestellt, dass humanorientierte Werttreiber mit dem Unternehmenserfolg korrelieren", erklärt Psychologe Friederichs. Konkret: Erfolgreiche Unternehmen sind stets auch stark in Personalbindung und -entwicklung, in der Mitarbeiterinformation, in Work-Life-Balance, Gesundheitsförderung und Chancengleichheit engagiert (siehe Kasten). Umgekehrt gilt dasselbe: "Das Interesse an den Mitarbeitern geht bei nicht erfolgreichen Unternehmen gegen Null", sagt Friederichs. Und Andreas Schubert vom Forschungsinstitut psychonomics meint: "Man muss ein bisschen missionieren. Es gibt so einige Firmen, zu denen die Erkenntnis, wie wichtig das Humankapital langfristig für sie ist, noch nicht vorgedrungen ist."

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