Klartext: Professor Wolfgang Jäger über Trends in der Personalwerbung

Der neue Job kommt per Handy

Firmen interessieren sich schon für die Möglichkeiten des "Mobile Recruiting".

Abendblatt:

An den Begriff E-Recruiting für Personalwerbung, die online passiert, haben wir uns inzwischen gewöhnt. Jetzt taucht auch noch "Mobile Recruiting" auf. Was ist das?

Wolfgang Jäger:

Mobile Recruiting erweitert die Möglichkeiten des E-Recruiting. Es geht dabei um den Einsatz mobiler Endgeräte wie etwa Handys, i-Phones, Blackberrys im Personalmarketing. Dabei empfängt der Nutzer Informationen, die mit der Suche nach einem Arbeitsplatz verbunden sind, auf seinem mobilen Endgerät: Das können Stellenanzeigen sein, Ankündigungen für Events oder andere Aktivitäten aus dem Umfeld des Personalmarketings. Manchmal wird auch nur der "Hinweis" verschickt, über das Handy die Rekrutierungs-Homepage einer Firma besuchen zu können.



Abendblatt:

Wen können Unternehmen damit ansprechen?

Jäger:

Vor allem für das Auszubildenden-Marketing kann es ein wichtiger Kanal werden. Schon 2007 besaßen 95 Prozent der 12- bis 19-Jährigen ein Handy. 61 Prozent der 14- bis 29-Jährigen sagen, sie finden neue technische Entwicklungen spannend. Dieses Interesse kann genutzt werden, um in dieser Zielgruppe eine erhöhte Aufmerksamkeit für Recruiting-Kampagnen zu schaffen. Aber auch in der Gruppe der Professionals gibt es viele, die mit mobilem Endgerät unterwegs sind und dieses vielfältig nutzen.



Abendblatt:

Wie kommt ein Unternehmen denn an die Handynummern?

Jäger:

Indem man auf der Karriere-Website, auf Messen und Veranstaltungen dafür wirbt, dass man Stellenangebote und andere Informationen auch per SMS zur Verfügung stellt. Dann könnten sich Interessierte für diesen Dienst "registrieren". Man muss natürlich aufpassen, dass man nicht in die Nähe von Spam und unerlaubter Werbung kommt und den Datenschutz nicht verletzt. Neben diesen "Push-Aktivitäten", dem Nutzer also - seine Einwilligung vorausgesetzt - Informationen zu liefern, gibt es die Möglichkeit, ihn sich diese selbst holen zu lassen. Wenn etwa ein Schüler an der Bushaltestelle ein Plakat sieht, auf dem auf eine interessante Ausbildung aufmerksam gemacht wird, könnte auf dem Plakat auch ein "Mobile Tag" abgebildet sein, also ein Barcode, den er mit seinem Fotohandy abfotografieren kann. Damit bekommt er Zugang zu einem speziellen Bereich des mobilen Firmenportals. Oder er kann sich so eine Stellenanzeige auf dem Handy anzeigen lassen.



Abendblatt:

Wird Mobile Recruiting schon eingesetzt?

Jäger:

Es gibt erste Pilotanwender. Die Firma Volvo-Trucks zum Beispiel hat auf der letzten Automobilausstellung in Frankfurt auf diesem Weg Ingenieure gesucht. Auch in unserem Forschungsprojekt an der FH Wiesbaden bereiten wir Pilotanwendungen vor.



Abendblatt:

Ist dieses Instrument für manche Branchen interessanter als für andere?

Jäger:

Nein, ich glaube, das ist branchenunabhängig. Auch das stationäre Internet hat ja alle Zielgruppen erreicht. Natürlich wird es jetzt erst mal Gruppen geben, die vorneweg sind, wie die Schüler. Aber wenn diese älter werden, nehmen sie ihre Mobile-Media-Aktivitäten mit in die Hochschulen hinein. Mehrfach-Medialität ist ein genereller Trend, von dem sich das Personalmarketing nicht abkoppeln darf.



Abendblatt:

Wie aufgeschlossen sind Unternehmen dem Thema gegenüber?

Jäger:

Die großen und attraktiven Arbeitgeber haben die Bedeutung des Personalmarketings für sich erkannt und eigene Funktionsbereiche eingerichtet. Auch die Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sind beim Thema E-Recruiting vorne dabei. Die Personaler solcher Unternehmen sind dann auch an Themen wie Mobile Recruiting sehr interessiert. Bei den meisten kleinen und mittelständischen Firmen wird es aber dauern. Die können oft noch nicht einmal mit den Begriffen etwas anfangen. Wenn ich etwa sage, nehmen Sie doch mal ein Mobile Tag in Ihre Anzeige auf, dann werden mich mehr als 80 Prozent angucken und fragen, wovon redet dieser Mensch?



Abendblatt:

Wo sind die Schwachstellen des Mobile Recruiting?

Jäger:

Im Moment ist das vor allem die Kostenfrage: Sobald der Nutzer Informationen auf das Handy bekommt, die ihn ins mobile Internet weiterleiten, löst das für ihn zusätzliche Kosten aus. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Arbeitgeber, der diesen Weg nutzt, um Auszubildende zu werben, sich hinterher mit den Eltern auseinandersetzen möchte, weil er gewissermaßen die Handykosten des Schülers in die Höhe getrieben hat. Voraussetzung wären also günstige Handy-Flatrates. Andererseits gibt es ja auch die Möglichkeit, Inhalte jeglicher Art via Bluetooth auf die Handys zu bringen, ohne dass dem Nutzer dadurch Kosten entstehen. Um rechtliche Konflikte zu vermeiden, sollte man aber auch hier aufpassen, dass dies nicht unaufgefordert geschieht.



Abendblatt:

Was ist Ihre Prognose für die nächsten fünf Jahre?

Jäger:

Die Mediennutzungsgewohnheiten verlagern sich in vielen Bereichen auf mobile Endgeräte. Ich glaube darum, dass das Thema Mobile Marketing und damit auch das mobile E-Recruiting deutlich als Trend sichtbar wird. Mobile Recruiting wird in fünf Jahren irgendwo zwischen Platz drei und fünf der erfolgreichsten Rekrutierungswege zu finden sein. Unternehmen tun deshalb gut daran, dort mitzuspielen.