Hamburg/Starnberg (dpa/tmn). In Europa soll weniger CO2 verbraucht werden. Dabei helfen sollen auch Verschmutzungsrechte, deren Preis mit der Zeit steigen soll. Das ruft Spekulanten auf den Plan, schreckt Anfänger aber besser ab.

Private Haushalte merken es an der Tankstelle und auf der Heizrechnung: Der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (CO2) wird immer teurer. Statt sich darüber zu ärgern, könnten sie auch daran verdienen. Findige Investmentgesellschaften bieten Wertpapiere an, mit denen sich auf die Entwicklung des CO2-Preises wetten lässt.

Grundlage ist der Europäische Emissionshandel EU-ETS, mit dem der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid gesenkt werden soll. „Es stellt sicher, dass die Klimaziele der Europäischen Union in den regulierten Sektoren eingehalten werden, indem es die insgesamt zulässigen Emissionen direkt begrenzt“, sagt Grischa Perino, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Hamburg und Experte für den Europäischen Emissionshandel.

Bläst ein Unternehmen bei der Herstellung seiner Produkte CO2 in die Luft, muss es je Tonne des ausgestoßenen Treibhausgases ein Emissionsrecht erwerben und abgeben. Die Emissionsrechte geben die Nationalstaaten heraus und sind frei handelbar. Etwa an der Energiebörse EEX in Leipzig, wo Angebot und Nachfrage den Preis bilden.

Und dieser ist in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen. Bis 2018 hat eine Tonne CO2 im europäischen Emissionshandel weniger als 20 Euro gekostet. Anfang des Jahres 2023 ist der Preis dann das erste Mal kurzzeitig über die Marke von 100 Euro gestiegen, im November pendelte er um die 80 Euro. Doch die EU-Kommission wird die Anzahl der Verschmutzungsrechte schrittweise runterschrauben und damit das Angebot verknappen.

Verknapptes Angebot treibt den Preis

In der Regel bedeutet das, dass Emissionen teurer werden. So sollen Unternehmen motiviert werden, ihre Produktion auf klimafreundlichere Alternativen umzustellen. Das Tempo der Reduktion wurde mit einer Reform erst kürzlich noch mal angezogen.

„Es ist davon auszugehen, dass der Preis für EU-ETS Zertifikate im Schnitt steigen wird“, sagt Perino. Und auch das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung prognostiziert, dass CO2-Zertifikate auf lange Sicht immer teurer werden. Bis 2050 könnten sie durch die Reform rund 400 Euro pro Tonne kosten.

Komplizierte Finanzprodukte

Keine schlechten Aussichten also für Anleger, die auf steigende Preise wetten wollen. Doch einfach selbst ein Verschmutzungsrecht an den Energiebörsen zu kaufen, ist für Privatanleger kaum möglich. Sie können stattdessen über einen Umweg in den CO2-Preis investieren. Indem sie Future-Zertifikate kaufen, die dessen Entwicklung nachzeichnen.

Zertifikate sind Termingeschäfte. Dabei verpflichtet sich ein Käufer, eine Ware zu einer bestimmten Zeit in der Zukunft zu einem bestimmten Preis zu erstehen. Steigt der Preis der Ware bis zum Kaufzeitpunkt, hat der Käufer mit seinem niedrigeren Einstandspreis einen guten Deal gemacht. Diese Futures werden an Börsen gehandelt, wo auch Anleger in sie investieren können. Bislang ist der Markt für CO2-Futures aber sehr klein.

Banken wie zum Beispiel die Société Générale oder die Commerzbank bieten entsprechende Investmentprodukte an. Daneben gibt es einzelne ETPs (Exchange Traded Products), das sind börsengehandelte Wertpapiere, welche die Entwicklung solcher CO2-Futures abbilden.

Risiken sind nicht unerheblich

Allerdings sind Future-Zertifikate eher komplizierte Finanzprodukte, die nichts für Anfänger sind, warnt Stephanie Schimmer, Portfoliomanagerin bei der Top Vermögen AG. „Man sollte sich mit der Funktionsweise und den Risiken von Zertifikaten auskennen, da sie keine direkten Emissionsrechte verbriefen, sondern strukturierte Produkte von Emittenten wie Banken oder Finanzdienstleistern sind.“

Eine Besonderheit ist zum Beispiel, dass bei den Zertifikaten sogenannte Rollverluste möglich sind. Die entstehen, weil Futures nur eine gewisse Laufzeit haben, bis das zugrundeliegende Geschäft fällig wird. Die Zertifikate sind in der Regel aber unbefristet. Also müssen die abgelaufenen Kontrakte durch neue ersetzt werden. Falls in der Zwischenzeit der Preis für neue Futures gestiegen ist, müssen Investoren diesen Unterschied ausgleichen.

Steigender CO2-Preis längst nicht ausgemacht

Zertifikate auf den CO2-Preis sind auch mit Risiken verbunden, wie zum Beispiel dem Emittentenrisiko, dem Währungsrisiko und dem regulatorischen Risiko, erklärt die Vermögensverwalterin. Das Emittentenrisiko steht für die Gefahr, dass der Herausgeber des Zertifikats pleitegeht. Anders als zum Beispiel Aktien sind Futures kein Sondervermögen - das Geld der Anleger wäre in so einem Fall daher weg.

Und dass Kohlenstoffdioxid immer teurer wird, ist keineswegs ausgemacht, auch wenn vieles darauf hindeutet. „Der Preis der Emissionsrechte hängt von vielen Faktoren ab, die schwer vorherzusagen sind“, sagt Schimmer. „Dazu gehören zum Beispiel die politischen Ziele und Maßnahmen der EU und der Mitgliedstaaten, die Nachfrage und das Angebot an Emissionsrechten, die Entwicklung der Energiepreise und der Konjunktur, sowie die Wettbewerbssituation mit anderen Emissionshandelssystemen global.“ Schwankungen seien hier vorprogrammiert.

Wenn zum Beispiel die Unternehmen schneller als gedacht ihre Produktion umstellen, brauchen sie weniger Verschmutzungsrechte als erwartet. Dann könnte der Preis für CO2 sogar fallen.