Luftfahrt

Airbus bekommt Konkurrenz aus China für A320-Familie

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Die Comac C919 im Landeanflug auf den Airport von Wuhan. Das chinesische Flugzeug hat nun die Musterzulassung erhalten und konkurriert mit Airbus’ A320-Familie.

Die Comac C919 im Landeanflug auf den Airport von Wuhan. Das chinesische Flugzeug hat nun die Musterzulassung erhalten und konkurriert mit Airbus’ A320-Familie.

Foto: via www.imago-images.de / imago images/VCG

Flugzeugbauer Comac bekommt Musterzulassung für Kurz- und Mittelstreckenjet C919. Erste Auslieferung noch für dieses Jahr geplant.

Hamburg. Der chinesische Flugzeughersteller Comac hat den nächsten Meilenstein bei der Entwicklung des ersten vollständig im Reich der Mitte entwickelten Jets erreicht. Die zivile Luftfahrtbehörde der Volksrepublik erteilte dem Kurz- und Mittelstreckenflugzeug vom Typ C919 die Musterzulassung, teilte die Commercial Aircraft Corporation of China (Comac) übers Wochenende auf der Webseite mit.

Das chinesische Flugzeugprogramm hinkt seinem Zeitplan allerdings weit hinterher. Im Jahr 2010 wurden die konkreten Pläne für den 158 bis 168 Passagiere fassenden Flieger vorgestellt. Der Erstflug sollte 2014 erfolgen, in den Liniendienst sollte die Maschine 2016 einscheren.

Airbus: Comac C919 konkurriert mit A320-Familie

Doch erst 2017 hob der Jet zum Jungfernflug ab. Nun dauerte es fünf weitere Jahre, bis es für die Maschine mit einer Reichweite von bis zu 5555 Kilometern grünes Licht der Zulassungsbehörde gab – allerdings kommen erhebliche Verzögerungen auch bei den beiden Weltmarktführern bei Neueinführungen immer wieder vor.

Die Comac C919 ist ein Wettbewerber der Verkaufsschlager von Airbus und Boeing. Sie konkurriert mit der 737-Reihe des US-Herstellers und der A320-Familie der Europäer, die zu mehr als der Hälfte im Hamburger Werk auf Finkenwerder endmontiert wird.

C919 gilt als technisch unterlegen

Allerdings haben die beiden etablierten Flugzeugbauer in den vergangenen Jahren ihre alten Modelle in den Versionen 737 Max und A320neo aufgepeppt, indem sie durch Modifikationen in der Kabine und dank neuer, spritsparender Triebwerke mehr Passagiere an Bord unterbrachten sowie Kerosinbedarf und Betriebskosten senkten – angesichts wohl weiter steigender Ölpreise ein wichtiges Verkaufsargument. Die C919 gilt im Vergleich mit den Fliegern aus dem Westen als technisch unterlegen.

Comac müsste internationale Airlines vermutlich mit „Kampfpreisen“ als Abnehmer locken. Kunden wird die C919 daher vor allem im staatlich gelenkten Heimatmarkt gewinnen – der über beträchtliches Potenzial verfügt.

Airbus erwartet für die nächsten 20 Jahre den Bedarf von global 39.490 neuen Passagier- und Frachtflugzeugen. In der Volksrepublik sollen es allein 8420 Flieger sein, 84 Prozent davon sollen auf Kurz- und Mittelstreckenflieger entfallen. Laut Comac gibt es bisher 815 Bestellungen für die C919. Doch die Produktion muss nun erst einmal hochgefahren werden – ein schwieriges Unterfangen. Und zum Vergleich: Airbus meldet für die A320-Familie mehr als 6000 Maschinen im Auftragsbuch.

Der China-Flieger hat viele Teile aus dem Westen

Auch wenn der Comac-Flieger in China vollständig entwickelt wurde, ohne Hilfe aus dem Westen kommt er nicht aus. So kommen die Fahrwerke beispielsweise vom deutschen Hersteller Liebherr, die Triebwerke von CFM (USA/Frankreich).

Comac teilte auf der Webseite mit, in diesem aufregenden Moment des Feierns allen globalen Partnern, Zulieferern und Kunden zu danken. Unter Berufung auf lokale Medien solle die C919 noch in diesem Jahr an den Erstkunden – China Eastern Airlines – ausgeliefert werden, so der Branchendienst Orient Aviation.

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