Herbstferien im Norden

Ab ins Warme! Welche Urlaubs-Angebote es noch gibt

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Warum nicht dem norddeutschen Herbst entfliehen? Griechisches Fischerboot im Hafen auf Kos, Griechenland.

Warum nicht dem norddeutschen Herbst entfliehen? Griechisches Fischerboot im Hafen auf Kos, Griechenland.

Foto: picture alliance / imageBROKER / Moritz Wolf

Reiseveranstalter und Fluglinien melden teilweise mehr Buchungen als vor Corona : Was jetzt noch buchbare Last-Minute-Angebote kosten.

Hamburg. Die Tage werden immer kürzer; die Temperaturen sind deutlich kühler geworden; nach langer Trockenheit gibt es viel grauen Himmel mit Regen über dem Norden des Landes. Für viele Norddeutsche ist offenbar trotz Energiekrise, Ukra­ine-Krieges und Klimadebatte der richtige Zeitpunkt gekommen, um dem Schmuddelwetter zu entkommen. Freitag in einer Woche ist der letzte Schultag in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern – und die Reiselust ist ungebrochen hoch, wie unsere Umfrage ergab.

Herbstferien im Norden: Wie ist die Buchungslage ab Hamburg?

Am Helmut-Schmidt-Flughafen ist Eurowings die Fluggesellschaft, die am meisten Passagiere befördert. 50 Ziele hat allein die Lufthansa-Billigtochter ab Fuhlsbüttel im Programm. „Wir beobachten eine starke Nachfrage ab dem Hamburger Flughafen in den Herbstferien bei den Urlaubsdestinationen – auf ähnlichem Niveau wie zu den Sommerferien“, sagt Airline-Sprecher Florian Gränzdörffer. Im September stockte Eurowings das Angebot in Metropolen wie Wien und Mailand, die auch für Städtereisen interessant sind, noch auf. „Auf vielen Verbindungen sind wir teilweise schon ausgebucht“, sagt Gränzdörffer. Auf einigen Strecken sei das Vor-Corona-Niveau bereits überschritten. Insgesamt liege es aktuell im Vergleich zum September 2019 bei 80 Prozent.

Die Nachfrage nach Urlaubsreisen für die Hamburger Herbstferien sei unverändert hoch und liege sogar über dem Vergleichsjahr 2018/19, heißt es beim Reiseveranstalter Alltours. Man sehe „in Hamburg einen starken Endspurt des Reise-Sommers 2022“, sagt Aage Dünhaupt, Sprecher von Europas größtem Reisekonzern Tui. Die Herbstferien seien generell gut gebucht und eine beliebte Saison, gerade für Norddeutsche, die den Sommerurlaub noch an den Küsten vor der eigenen Haustür verbracht hätten.

Herbsferien im Norden: Was sind die beliebtesten Ziele ab Hamburg?

Am Hamburger Flughafen geht man davon aus, dass „die Nachfrage weiter hoch und damit auch die Passagierzahlen stabil auf hohem Niveau bleiben werden – wie schon in den vergangenen Wochen“, sagt Sprecherin Janet Niemeyer. Ein Absinken des Fluggastaufkommens sah man nach den Sommerferien nicht. Mit wie viel Passagieren man genau rechnet, will Hamburg Airport nächste Woche mitteilen.

Bei Eurowings sind vor allem Griechenland, Italien und Spanien mit den Kanarischen Inseln sowie Mallorca beliebt. Aber auch Ägypten werde gut nachgefragt. Alltours nennt neben Mallorca, Griechenland und den Kanaren noch die türkische Riviera als gern gebuchtes Urlaubsziel. Das Ranking der Topreiseziele bei Tui sieht wie folgt aus: 1. Griechenland, 2. Türkei, 3. Kanaren, 4. Balearen, 5. Ägypten. In Griechenland und der Türkei lägen die Buchungen insgesamt über dem Niveau von 2019. Kreta, Rhodos und Kos sowie die türkische Riviera seien sehr stark nachgefragt, so Dünhaupt. „Marsa Alam in Ägypten ist in den Herbstferien sogar schon nahezu ausgebucht.“

Herbstferien im Norden: Wie sieht es bei Urlaubsflügen aus?

„Nahezu ausgebucht“, meldet auch Eurowings für die in Hamburg startenden Flugzeuge am 8. Oktober. Der Sonnabend gehört als erster Ferientag traditionell zu den stärksten Reisetagen. Einzelne Plätze gebe es noch nach Korfu, Zadar oder Bari. Einen Tag später am Sonntag sehe es besser aus. Es seien noch wenige Plätze nach Mallorca, Thessaloniki, Split, Rijeka, Porto oder Heraklion frei, aber auch keine großen Kontingente mehr.

Günstig sind die Tickets nicht zu haben. So kostet der einfache Direktflug nach Palma auf der Eurowings-Homepage bei der Stichprobe unserer Redaktion mindestens 334,99 Euro. Im Tarif enthalten ist dabei nur ein kleines Handgepäckstück. Will man einen Koffer aufgeben, müssen 376,99 Euro bezahlt werden. Wer den Umweg über München wählt, kann für 209,99 Euro mit einem Handgepäckstück fliegen. Weil die Herbstferien in Bayern erst im November beginnen, will die Fluglinie so den Jet von München nach Mallorca vollbekommen. An den Folgetagen in der ersten Ferienwoche seien noch Restplätze für viele Destinationen erhältlich, vor allem wenn man beim Abreisetag flexibel sei, sagt Gränzdörffer. Der Platz in der Abendmaschine nach Palma ist zum Beispiel am 12. Oktober dann auch für 84,99 Euro erhältlich.

Herbstferien im Norden: Noch gibt es relativ günstige Angebote

„Günstige Optionen“ gebe es vor allem in der zweiten Ferienwoche, sogar auf die Lieblingsinsel der Deutschen. So sind Hinflüge gen Palma ab dem 19. Oktober ab 44,99 Euro buchbar. Aber Vorsicht: Die Preise ändern sich sehr kurzfristig. Klar ist, dass der Rückflug gegen Ende der Ferien immer teurer wird. Am 23. Oktober weist die Internetseite gar keine buchbaren Plätze mehr für Direktflüge nach Fuhlsbüttel aus. Mit Stopp in München müssen mindestens 274,99 Euro ausgegeben werden.

Konkurrent Ryanair wirbt stets mit seinen günstigen Preisen. Zum Ferienstart gibt es die aber auch bei der irischen Billigfluglinie nicht. Immerhin kann man am 8. Oktober noch ab Fuhlsbüttel direkt nach Palma fliegen, für 217,99 Euro. Allerdings landet man erst am Sonntag um 0.35 Uhr auf der Baleareninsel. Wer am 11. Oktober abheben will, kommt mit 80,39 Euro als Grundpreis wesentlich günstiger davon. Angesichts der Herbstferien und des späten Buchungszeitpunktes kann man den noch gültigen Tarif am Montag, 17. Oktober, schon fast als Schnäppchen verstehen: Ab 30,99 Euro geht es los. Und auch ein Rückflug am 23. Oktober ist für noch moderate 102,03 Euro durchaus erschwinglich. Urlauber müssen allerdings früh aufstehen, Start in Palma ist um 6.25 Uhr. Ein zweites Handgepäckstück (maximal zehn Kilogramm schwer) für die Kabine kostet in dieser Kombination je Flug 28 Euro zusätzlich, ein aufzugebendes Gepäckstück 38,99 Euro.

Wie sieht es bei Last-minute-Angeboten von Veranstaltern aus?

„In den bevorstehenden Herbstferien sind zurzeit für alle Destinationen noch ausreichend Hotel- und Flugkapazitäten verfügbar“, sagt Alltours-Sprecher Jens Völmicke. Ein besonders gutes Preis-Leistungs-Verhältnis böten Türkei und Ägypten. Ein Last-minute-Tipp von ihm sei zum Beispiel das Viersternehotel Menaville Resort nahe Safaga. Eine vierköpfige Familie mit einem sechs und acht Jahre alten Kind bezahlt für eine Woche mit Flug nach Hurghada und All-inclusive-Verpflegung 3947 Euro vom 11. Oktober an. Der Pirate’s Beach Club nahe Antalya schlage bei ähnlichen Leistungen mit 3122 Euro zu Buche. „Echte Last-minute-Schnäppchen“ gebe es auch für Spanien und Griechenland noch, wenn man flexibel sei, so Völmicke. „Man sollte sich jedoch schnell entscheiden, da das Buchungsaufkommen auch kurzfristig sehr hoch ist.“

Tui verweist zum Beispiel auf ein Vier-sternehaus an der türkischen Riviera. Eine Woche im Tui Blue Pascha Bay all inclusive sei für eine vierköpfige Familie ab 11. Oktober für 2822 Euro erhältlich. Das Tui Suneo Chrissi Amoudia auf Kreta koste bei ähnlichem Angebot ab 3449 Euro. Das Dreisternehotel Tui Kids Club Riu Oliva Beach auf Fuerteventura sei für eine Woche mit all inclusive ab 2938 Euro vom 10. Oktober an erhältlich.

Herbstferien im Norden: Sind Reisen teurer geworden?

Wer häufiger nach Reisen schaut, empfindet diese Preise nicht gerade als Schnäppchen, die früher bei Last-minute-Buchungen möglich waren. Trotz der allgemeinen Preiserhöhungen gebe es weiterhin attraktive Angebote, weil nie alle Destinationen zu allen Terminen komplett ausgebucht seien, sagt Dünhaupt: „Allerdings profitiert der Last-minute-Bucher nicht mehr gegenüber dem Frühbucher.“ Viele Hotel- und Flugkontingente für den Herbst seien bereits 2021 verhandelt worden, sodass sich steigende Preise zum Beispiel für Energie noch nicht vollumfänglich in den Pauschalreisen niederschlügen.

Dennoch ermittelte das Statistische Bundesamt für Pauschalreisen im August eine Verteuerung von 12,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Bei Individualreisen, reinen Flugticketverkäufen und einzelnen Hotelbuchungen sehe man größere Preissteigerungen, so Tui. Grundsätzlich würden Urlauber mehr für ihre Reise zahlen, weil diese länger und höherwertig sein solle, sagt Dünhaupt. „Suiten und Poolzimmer sind mittlerweile zuerst ausgebucht. Im Schnitt wird aktuell 20 Prozent mehr in den Urlaub investiert.“ Im Sommer war der durchschnittliche Reisepreis bei Tui um 18 Prozent gestiegen, im Winter soll er sogar um 26 Prozent klettern. Laut Konkurrent Alltours stiegen die Frühbucherpreise für den Winter im Schnitt um drei Prozent. Dünhaupts Tipp: Von anderen Flughäfen kann es deutlich günstiger sein. Der Trip ins Suneo Chrissi Amoudia kostet ab Hannover 2363 Euro, Zug zum Flug ist enthalten – 1086 Euro weniger als ab Hamburg.

Ist Hamburgs Flughafen auf die Reisewelle vorbereitet?

Wer im Sommer verreiste, musste teilweise lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Vor allem die Sicherheitskontrolle erwies sich häufig als Nadelöhr. Passagiere sollten daher 2,5 bis drei Stunden vor Abflug in den Terminals sein. Derzeit lägen die Wartezeiten an der Sicherheitskontrolle „überwiegend deutlich unter 30 Minuten“, sagt Marcus Henschel, Sprecher der Bundespolizei. Wenn in den Herbstferien sich viele Fluggäste zu den typischen Abflugzeiten ballen würden, seien „erhöhte Wartezeiten nicht auszuschließen“.

Dies sei jedoch nur zu absoluten Spitzenzeiten zu erwarten. Die Bundespolizei sei mit dem die Sicherheitskontrollen ausführenden Dienstleister FraSec und dem Flughafen im engen Austausch. In den Sommer­ferien griffen sowohl Bundespolizisten als auch Flughafenmitarbeiter in dem Bereich unterstützend ein. Die Frage, ob es erneut eine konzertierte Aktion gebe, lässt er unbeantwortet. Nächste Woche werde man sich äußern. Klar sei, dass man versuche, „die Wartezeiten für die Reisenden so gering wie möglich zu halten, ohne dabei Abstriche bei der Sicherheit zu machen“.

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