Hamburger Kupferhütte

Aurubis will Elektroauto-Batterien in Hamburg recyceln

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Volker Mester
Aurubis-Vorstandschef Roland Harings hat bei einer Bilanzpressekonferenz das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte verkündet (Archivbild).

Aurubis-Vorstandschef Roland Harings hat bei einer Bilanzpressekonferenz das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte verkündet (Archivbild).

Foto: Marcus Brandt/dpa

Zudem kündigt die Kupferhütte an, die Dividende deutlich zu erhöhen, nachdem sie das beste Ergebnis der Firmengeschichte erzielt hat.

Hamburg.  Bei der Hamburger Kupferhütte Aurubis rückt der Einstieg in ein Zukunftsgeschäft deutlich näher: Anfang kommenden Jahres wird in Hamburg ein Pilotwerk für das Recycling von Elektroauto-Batterien in Betrieb gehen. „Es geht dabei nicht nur um die komplette Verwertung der Batterien aus Autos am Ende ihrer Lebensdauer“, sagte der Aurubis-Vorstandschef Roland Harings am Rande der Bilanzpressekonferenz dem Abendblatt. „Schon bei der Batterieproduktion, die derzeit stark hochgefahren wird, fallen erhebliche Mengen recyclingfähigen Materials an.“

Aurubis werde im Batterierecycling „eine führende Rolle spielen“, so Harings. Dieses Geschäft passe perfekt zu dem Unternehmen. 200 Millionen Euro will man in diesem Bereich investieren. „Es ist unser Ziel, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre eine Anlage im industriellen Maßstab in Betrieb geht“, sagte Harings. Bisher sei noch nicht entschieden, an welchem Standort im Aurubis-Konzern die Anlage angesiedelt werden soll. „Hamburg ist aber ein sehr starker Standort und liegt gut im Rennen“, merkte Harings dazu an.

Aurubis startet Batterierecycling in Hamburg

Sein lockerer, selbstbewusster Auftritt in der virtuellen Bilanzpressekonferenz – offenes Hemd, kein Sakko – passt zu der Entwicklung des Unternehmens seit seinem Amtsantritt Mitte 2019: In beiden Geschäftsjahren hat Aurubis den Gewinn deutlich gesteigert. Im gerade abgelaufenen Berichtszeitraum 2020/2021 (30.9.) erzielten die Hamburger sogar das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte: Der Nettogewinn kletterte um 130 Prozent auf 613 Millionen Euro, der für die Konzernsteuerung relevante operative Gewinn stieg um 60 Prozent auf 353 Millionen Euro.

„Ohne die Knappheit mancher Materialien und Vorprodukte in der Industrie wäre für uns noch etwas mehr Geschäft möglich gewesen“, sagte Harings: „Wir spüren zwar einen leichten Nachfragerückgang aus dem Automobilsektor. Aber der wird zum Teil dadurch ausgeglichen, dass Elektroautos deutlich mehr Kupfer enthalten als herkömmliche Fahrzeuge.“

Auf der Kostenseite gibt es ebenfalls Gegenwind

Auf der Kostenseite gibt es ebenfalls Gegenwind: Die Rechnung für Strom und Erdgas hat sich um zehn Prozent erhöht – und Aurubis ist neben dem Stahlwerk einer der beiden größten Stromverbraucher Hamburgs. Allerdings habe man die Preise für zwei Drittel des Energiebedarfs 2021/2022 abgesichert. Damit sieht sich der Vorstand durch die zuletzt kräftig gestiegenen Strom- und Gaspreise „nur einem Teilrisiko ausgesetzt“. Insgesamt ist Harings für das aktuelle Geschäftsjahr zuversichtlich. Er erwartet ein operatives Ergebnis im Bereich von 320 Millionen bis 380 Millionen Euro.

Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der Hauptversammlung vor diesem Hintergrund eine Anhebung der Dividende von 1,30 Euro auf 1,60 Euro je Aktie vor Bei Anlegern kamen diese Nachrichten sehr gut an. Die Aurubis-Aktie legte am Freitag zeitweise um rund neun Prozent zu. Auch mit der längerfristigen Wertentwicklung kann Harings mehr als zufrieden sein. Denn seit seinem Amtsantritt kletterte der Aktienkurs um fast 90 Prozent, während der Deutsche Aktienindex (DAX) im gleichen Zeitraum nur um knapp 22 Prozent vorankam.

Zur der Gewinnsteigerung im abgelaufenen Geschäftsjahr hat auch eine Personalkostenreduktion beigetragen. Allein in Hamburg wurden rund 200 Stellen abgebaut – ohne betriebsbedingte Kündigungen, wie Harings sagte: „Gleichzeitig haben wir in anderen Bereichen neue Arbeitsplätze geschaffen, und im aktuellen Geschäftsjahr dürfte die Mitarbeiterzahl in Hamburg eher wieder leicht steigen.“

Klimaauswirkungen der Kupferhütte sollen stark sinken

Nicht steigen, sondern stark sinken sollen die Klimaauswirkungen der Kupferhütte. Nachdem bisher das Ziel lautete, spätestens 2050 klimaneutral zu produzieren, will man dies nun schon „deutlich vor 2050“ erreichen, bis 2030 sollen die CO2-Emissionen gegenüber dem Basisjahr 2018 halbiert werden. Wasserstoff könnte dabei eine wichtige Rolle spielen. „Wir testen als weltweit erste Kupferhütte schon seit Mai 2020, Wasserstoff anstelle von Erdgas in der Kupferproduktion einzusetzen“, so Harings: „Die bisherigen Erfahrungen bestätigen unsere Erwartungen, und Mitte 2022 könnte eine Entscheidung fallen, das Verfahren künftig regulär zu nutzen.“ Voraussetzung dafür sei, dass genügend „grüner“ Wasserstoff zur Verfügung steht. Das könnte 2025, wenn die Wasserstofferzeugung mittels Windstrom in Moorburg starten soll, der Fall sein.

Vor wenigen Tagen hat Aurubis vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) ein Urteil erstritten, das viel Geld wert sein dürfte: Weil der Konzern durch Innovationen beim Schmelzen von Kupfererz nun weitgehend auf fossile Brennstoffe wie Schweröl verzichten kann, ist der CO2-Ausstoß bereits gesunken – doch das Umweltbundesamt lehnte es bisher ab, dies im Europäischen Emissionshandelssystem anzuerkennen. „Wir haben es als große Ungerechtigkeit empfunden, dass man uns die CO2-Zertifikate, die uns aufgrund der Emissionssenkungen zugestanden hätten, nicht zugeteilt hat“, so Harings. Nach dem EuGH-Urteil muss das nun erfolgen. Es kann um Zertifikate für bis zu eine Million Tonnen CO2 gehen – und ein Papier für eine Tonne kostet derzeit 80 Euro

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