Trotz Benko-Einstiegs

Einkaufszentrum an der Spitalerstraße droht 2026 das Ende

| Lesedauer: 6 Minuten
Peter Maßmann vor dem Eingang des von ihm gemanagten Einkaufszentrums Perle an der Spitalerstraße in Hamburg.

Peter Maßmann vor dem Eingang des von ihm gemanagten Einkaufszentrums Perle an der Spitalerstraße in Hamburg.

Foto: Thorsten Ahlf

Immobilie ist verkauft. Mietverträge für neue Läden laufen nur noch wenige Jahre. Gibt es Chancen für einen Neuanfang?

Hamburg. Beim Bistro Thai Gourmet duftet es nach Zitronengras und Ingwer. Die Winkekatze auf dem Tresen über den Currys soll Kunden und damit Wohlstand herbeilocken, so glauben es die asiatischen Geschäftsleute. Doch hier, in der Passage „Perle Hamburg“ in der Hamburger Innenstadt, winkt das Tier derzeit häufig vergeblich. Nur wenige Menschen verirren sich in die Gänge der Mall am Gerhart-Hauptmann-Platz.

Corona und die Regeln für die Gas­tronomie verleiden den Menschen den Einkaufsbummel, aber auch hausgemachte Probleme belasten die Perle: Der Leerstand ist nicht zu übersehen. Richtung Spitalerstraße klafft eine Lücke, hier bot Koton, ein Fashionanbieter aus der Türkei, stylische Hosen und Blusen für Frauen an. Die Firma hat sich aus dem deutschen Markt zurückgezogen.

Die gleiche Entscheidung hat Cubus getroffen, das Geschäft für Damenbekleidung ist daher ebenfalls aus der Perle verschwunden. Nebenan hatte das Dänische Bettenlager seine Matratzen und Kissen angeboten, auch dieser Laden hat sich aus der Passage neben dem Thalia-Theater verabschiedet.

Einkaufszentrum an der Spitalerstraße gehört René Benko

„Wir haben hier von Anfang an hauptsächlich auf Gastronomie gesetzt“, sagt Peter Maßmann über die Strategie der Perle. Der Inhaber der Firma Maßmann & Co., die Handelsflächen optimiert, revitalisiert und vermietet, ist verantwortlich für den Mietermix und das Management des Centers, das seit dem Jahr 2016 unterhalb der Büros der Hamburg Commercial Bank (HCOB) Kunden anlocken soll. Gesunde Mittagstische wie Straßenküche aus Vietnam, grünes Fast Food und Sushi bilden hier die Schwerpunkte.

„Und zum Glück haben wir nicht so viele Textiler“, ergänzt Maßmann, der ohnehin nicht glaubt, dass die guten Zeiten für die Bekleidungsbranche zurückkehren. So hat der Unternehmer gerade auch den Senat wegen seiner strengen Pandemie-Strategie verklagt und als Totengräber der City bezeichnet. Schließlich hätten in der Krise die dort sonst stark vertretenen Modegeschäfte am stärksten unter Umsatzrückgängen gelitten.

Nun hofft man auf volle Restaurants in der Hamburger Perle

Allmählich bieten die gelockerten Corona-Regeln wieder mehr Freiheiten beim Shoppen, doch nach wie vor fehlen den Betreibern der Bistros in der Perle die Touristen. Geschlossene Hotels und das weggebrochene Kreuzfahrtgeschäft lassen die City an manchen Tagen fast wie ausgestorben daliegen. Es fehlen aber auch die vielen Menschen im Homeoffice, die vielleicht gar nicht mehr zurückkehren in ihre Büros in der Innenstadt, weil sie das Arbeiten von daheim als praktisch empfinden.

„Hier ist zu wenig los, es lohnt sich kaum“, sagt die Mitarbeiterin der mexikanischen Bar Comida Taqueria in der Perle. Erst am Wochenende dürfen die Gäste wieder in den Restaurants Platz nehmen und die Gerichte wie gebratenes Hähnchen mit Reis und Chili con Carne genießen, die die dunkelhaarige Frau in großen, dampfenden Töpfen verrührt.

René Benko hat die Passage in der Hamburger City gekauft

Die Restaurants leiden, denn auch die verklebten Flächen in den Gängen machen das Bummeln hier nicht gerade attraktiv. Als ein weiteres Problem könnte sich für die Perle entpuppen, dass sich der Einzug für neue Mieter kompliziert gestaltet. Denn die Tage der Passage in ihrer jetzigen Gestalt könnten womöglich gezählt sein.

Denn erst vor Kurzem hat die Signa Gruppe die Immobilie als neuer Eigentümer übernommen: Im Dezember des vergangenen Jahres hat die HCOB ihr Hauptsitz-Gebäude in der Hamburger Innenstadt an die Gruppe des Investors René Benko verkauft, einschließlich der Perle Shopping-Passage.

Der Hintergrund: Die 1972 im Auftrag des Vorgängerinstituts Hamburgische Landesbank errichtete Immobilie wurde seinerzeit für deutlich mehr Mitarbeiter gestaltet. Für die heute privatisierte und verkleinerte Hamburg Commercial Bank ist sie nicht mehr passend, auch weil das 30.000 Quadratmeter große Gebäude technisch und beim Energiebedarf nicht zeitgemäß ist. Zwar nutzt die HCOB das achtgeschossige Haus nach dem Verkauf im Rahmen einer Sale-and-Lease-back-Vereinbarung weiter. Doch bald soll sie in den Elbtower im Osten der HafenCity ziehen, das höchste Gebäude der Stadt, das ebenfalls von Benko errichtet wird.

Neue Mieter für das Einkaufszentrum gesucht

Für die zurzeit leer stehenden Flächen sucht Maßmann nun neue Mieter, besonders Konzepte aus den Bereichen Geschenke, Accessoires, Möbel oder auch Entertainment. „Ein Erlebnis für die ganze Familie – so etwas wie das Miniaturwunderland – wäre eine gute Ergänzung für unseren Branchenmix“, sagt er.

Erschwerend kommt für ihn allerdings die Tatsache hinzu, dass der neue Eigentümer keine Mietverträge mit einer Laufzeit über 2026 hinaus abschließt, dann laufen auch die Zehn-Jahres-Mietverträge der anderen Mieter aus. Möglich, dass es dann eine neue Revitalisierung gibt, so der Handelsexperte. Die bestehenden Geschäfte wie das Reformhaus Engelhardt oder Rossmann genießen bis dahin Bestandsschutz. Doch was danach mit der Perle passiert, ist unklar.

Branchenexperte fordert klare Positionierung

Ob die Immobilie in naher Zukunft wieder Kunden begeistern kann, wird von Branchenbeobachtern bezweifelt. Schließlich zeigen eine ganze Reihe von Beispielen in der Hamburger City, dass Passagen auch am Ende ihres Lebenszyklus ankommen können. So wie das Levantehaus oder das Hanseviertel, die wesentlich weniger frequentiert werden als etwa die Europa Passage und unter leeren Flächen leiden.

Lesen Sie auch:

Karsten Torner von der Handelsberatung BBE ist überzeugt: „Für einen begrenzten Zeitraum von fünf Jahren wird es schwer sein, Mieter zu finden.“ Für diese kurze Zeit lohne sich der Einzug oftmals nicht. „Eine Investition in die Inneneinrichtung und den Ladenbau ist kostenintensiv und innerhalb von fünf Jahren steuerrechtlich nicht einmal abgeschrieben.

Darüber hinaus gilt in der Regel in den Mietverträgen eine Rückbauverpflichtung, sodass der Mieter den Rückbau und die Entsorgung der Ladeneinrichtung einzukalkulieren hat“, sagt der Branchenkenner. Auch Pop-up-Stores seien bestenfalls spannende Ergänzungen und trügen nicht zur Gesamtlösung bei. „Eine klare Positionierung der Einkaufspassage „Perle“ ist nötig“, betont Torner. „Denn eine Passage sollte für den Kunden berechenbar sein. Er soll verlässlich die Geschäfte vorfinden, die er sucht.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Wirtschaft