Wirtschaft

Buchhandelskette Thalia steigt aus der Tarifbindung aus

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Hanna-Lotte Mikuteit
Eine Thalia-Filiale. (Symbolbild)

Eine Thalia-Filiale. (Symbolbild)

Foto: picture alliance

Bezahlung von Beschäftigten soll an den Erfolg der Firma gekoppelt werden. Der Plan stößt auf scharfe Kritik.

Hamburg. Keine guten Nachrichten für die Mitarbeiter von Deutschlands größtem Buchhändler Thalia Mayersche: Das 1919 in Hamburg gegründete Unternehmen steigt aus der Tarifbindung aus. Stattdessen soll künftig nach Firmenerfolg gezahlt werden.

Der Plan stößt bei Beschäftigten und Gewerkschaften auf scharfe Kritik. „Das heißt nichts anderes, als dass es weniger Gehalt gibt, wenn sich der Erfolg nicht einstellt“, sagt Heike Lattekamp, Ver.di-Fachbereichsleiterin Handel in Hamburg. Thalia war mit Wirkung zum 1.Januar überraschend von der regulären Mitgliedschaft im Handelsverband Deutschland auf eine sogenannte Ohne-Tarifvertrag-Mitgliedschaft umgestiegen.

Damit solle langfristig eine einheitliche Vergütung und in Zeiten von Digitalisierung und Corona-Pandemie mehr Flexibilität erreicht werden, hieß es aus der Firmenzentrale in Hagen. Zudem sollen alle Filialen in eine neue Vertriebsstruktur überführt werden. „Wir wissen nicht, was uns erwartet“, kritisiert die Hamburger Betriebsratsvorsitzende Daniela Großkop.

Thalia-Beschäftigte können in neues Vergütungssystem wechseln

Bislang werden die Thalia-Beschäftigten in den acht Hamburger Standorten nach dem sogenannten Buchhandelstarif bezahlt. Für die Gruppe B2, in der die meisten der Angestellten sind, sind das bei einer Vollzeitstelle ab dem fünften Berufsjahr monatlich knapp 2800 Euro brutto. „Wir befürchten, dass wir uns verschlechtern“, so Großkop.

Dabei gehe es neben Tariferhöhungen langfristig auch um den Urlaubsanspruch, Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie weitere Zuschläge auf das Gehalt. Beschäftigte können in neues Vergütungssystem wechseln. Thalia-Sprecherin Claudia Bachhausen-Dewart betonte: „Wo Tarif galt, bleibt das bisherige Gehalt unverändert.“ Ein Wechsel in das neue Leistungs- und Vergütungssystem sei möglich. Konkrete Angaben, wie das aussehen soll, wurden nicht gemacht. „Der Vorschlag soll Arbeitnehmerinteressen und unternehmerische Wirklichkeit zeitgemäß miteinander verbinden“, so die Sprecherin.

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Die Buchhandelskette, die in den vergangenen zwei Jahren mehrere große Wettbewerber übernommen hat und einen großen Online-Shop führt, beschäftigt bundesweit etwa 6000 Menschen. In den Hamburger Filialen sind es etwa 190 Mitarbeiter.

Im vergangenen Oktober hatte Thalia für das Geschäftsjahr 2019/20 einen Rekordumsatz von mehr als einer Milliarde Euro gemeldet. Das entspricht einem Plus gegenüber dem Vorjahr von etwa sechs Prozent. Über die Auswirkungen der Corona-Pandemie liegen keine Zahlen vor.

Allerdings hatte das Unternehmen den Mitarbeitern im vergangenen Jahr mitgeteilt, dass fünf Millionen Euro Personalkosten eingespart werden müssen, und sie aufgefordert, mit unentgeltlichen Überstunden dazu beizutragen.

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