Auf Vorjahresniveau

Studie: Direktvertrieb schlägt sich wacker in Coronakrise

Eine Direktvertrieblerin demonstriert vor ihrem Smartphone für eine virtuelle Tupperparty.

Eine Direktvertrieblerin demonstriert vor ihrem Smartphone für eine virtuelle Tupperparty.

Foto: dpa

Jahrelang lagen "Verkaufspartys" im Trend - in der Wohnung eines Kunden führte ein Vertriebler sein Produkt vor und hoffte auf dicke Bestellungen. Doch die Pandemie würgte dieses Geschäftsmodell zunächst ab. Nun glätten sich Sorgenfalten.

Berlin. Ob Putzmittel, Hundefutter oder Plastikboxen: Firmen, die ihre Waren direkt an den Kunden verkaufen, haben ihre Geschäftserwartungen in Coronazeiten heruntergeschraubt.

Die Direktvertriebsbranche rechnet aber damit, 2020 den Vorjahresumsatz zumindest halten zu können, wie aus einer Studie der Universität Mannheim im Auftrag des Bundesverbandes Direktvertrieb Deutschland (BDD) hervorgeht. 2019 lag der Branchenumsatz bei 18,6 Milliarden Euro. Ursprünglich hatten die Firmen ein Plus von 7 Prozent erwartet. Für die Analyse hatte es zwei Befragungen gegeben - die erste kurz vor dem Corona-Pandemieausbruch und die zweite im Mai und Juni 2020.

Das Nullwachstum wäre ein "respektables Ergebnis", schreibt Studienautor Florian Kraus und verweist auf strenge Verkaufsbeschränkungen in Corona-Zeiten - die klassische Produktvorführung mit einem Verkäufer und Freunden daheim war von März bis Juni de facto nicht möglich. Seither kommen Verkäufer unter Einhaltung von Hygienevorschriften wieder zum Kunden.

Der Direktvertrieb widersetze sich dem starken Abwärtstrend anderer Wirtschaftszweige, heißt es in der Studie. Sollten sich die Prognosen der Unternehmen bestätigen, käme die seit Jahren auf Wachstumspfad befindliche Branche mit einem blauen Auge davon. Noch im Mai hatte der Verband mit Umsatzeinbußen im zweistelligen Prozentbereich für 2020 im Vergleich zu 2019 gerechnet. Inzwischen hat sich die Stimmung in der Branche verbessert. Ein Grund ist die höhere Nachfrage nach Produktpräsentationen im Internet, etwa auf Facebook, Twitter oder Instagram. Auch Videokonferenzen - "Online-Partys" - sind gefragt.

In der Branche arbeiteten 2019 hierzulande den Angaben zufolge 933.000 Menschen als Vertriebspartner, das waren 15.000 mehr als ein Jahr zuvor. Bis Ende 2020 könnte die Zahl auf 971.000 steigen. Zu den bekanntesten Direktvertriebsfirmen gehören der Haushaltsgerätehersteller Vorwerk und die Plastikboxen-Firma Tupperware. Weitere Beispiele sind der Schlankheitsprodukte-Anbieter Nahrin und die Kosmetikfirma Younique.

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