Corona-Krise

Haspa-Chef über Ferienwohnungen: Preise kennen keine Grenzen

Haspa-Chef Harald Vogelsang.

Haspa-Chef Harald Vogelsang.

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Harald Vogelsang rechnet wegen Corona mit zwei „Nullerjahren“. Negativzinsen will er „so lange es geht“ vermeiden.

Hamburg. Die Hamburger Sparkasse rechnet durch die Corona-Krise mit sehr hohen Kreditausfällen und erwartet deshalb weder in diesem noch im nächsten Jahr einen Gewinn. „2020 und 2021 werden für uns Nullerjahre werden, und das wäre schon ein gutes Ergebnis“, sagt Vorstandssprecher Harald Vogelsang im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt.

Trotzdem wolle die Haspa versuchen, „Negativzinsen für unsere Kunden so lange es geht zu vermeiden“. Einfach wird das nicht: „Wenn unsere Wettbewerber beginnen, Negativzinsen zu nehmen, dann wandert das Geld zu uns. Wir haben in diesem Jahr bisher zwei Milliarden Euro Kundeneinlagen mehr erhalten, als wir geplant haben“, so Vogelsang.

Derzeit habe die Haspa zwischen drei und fünf Milliarden Euro Kundeneinlagen, auf die sie bei der Europä­ischen Zentralbank selbst Negativzinsen zahlen muss. „Das federn wir noch ab. Wenn man sich wegen Corona an der Nulllinie des Ertrags bewegt, ist es mit dem Abfedern aber auch irgendwann mal zu Ende.“

Schwierigkeiten für die Haspa-Kunden

Zu Prognosen, dass auf alle deutsche Banken – und damit auch auf die größte Sparkasse des Landes – wegen der Folgen der Corona-Krise schwierige Zeiten zukommen, sagt der Haspa-Sprecher: „Wir werden im nächsten Jahr sehr knifflige Situationen erleben. Die Corona-Hilfsmaßnahmen laufen am Ende des ersten Quartals 2021 ziemlich gleichzeitig aus.

Das kann schon zu größeren Schwierigkeiten bei unseren Kunden führen.“ Ein Vorteil sei, dass man das jetzt schon wisse und dass für viele Hamburger Unternehmer 2019 ein herausragend gutes Jahr gewesen sei, es also oft entsprechende Rücklagen gebe.

Harald Vogelsang im Podcast „Entscheider treffen Haider“:

Rund ein halbes Jahr nach dem Beginn der Pandemie zieht Harald Vogelsang auch eine erste Corona-Bilanz für die Haspa: Für den Schutz der Mitarbeiter, zum Beispiel für Masken, Desinfektionsmittel und Spuckschutzwände, habe das Unternehmen inzwischen mehr als eine Million Euro ausgegeben.

Er sei sehr stolz, dass es der Haspa auch während des Lockdowns im Frühjahr als einziger Bank gelungen sei, alle Filialen geöffnet zu halten: „Die 2000 Kollegen, die in den Filialen arbeiten, haben einen großartigen Job gemacht, für den ich sie sehr bewundert habe.“ Für die 100 Filialen, die die Haspa derzeit modernisiert, gibt Vogelsang eine Bestandsgarantie: „Sie werden auf jeden Fall die nächsten zehn Jahre bestehen“, sagt er. Und: „Grundsätzlich kann ich mir eine Haspa ohne Filialen nicht vorstellen, dafür ist uns die Verankerung in der Nachbarschaft zu wichtig.“

Kulturwandel bei der Sparkasse soll weiter vorangetrieben werden

Wichtig ist dem Vorstandssprecher und seinen Kollegen auch, den Kulturwandel bei der 1827 gegründeten Sparkasse weiter voranzutreiben. Der Verzicht auf die strenge Kleiderordnung sei dabei nur der Anfang gewesen: „Wir sind dabei, das ganze hierarchische Gedöns abzuschaffen“, so Vogelsang. Jeder der rund 5000 Mitarbeiter kann den Chef duzen, der inzwischen nicht mehr mit Dienstwagen, sondern mit dem Fahrrad zur Arbeit kommt.

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In einem der wichtigsten Geschäftsbereiche, bei den Wohnimmobilien, spürt die Haspa die Krise übrigens nicht: „Da gehen die Preise eher noch mal nach oben“, sagt Vogelsang. „Und bei Ferienimmobilien gilt: The sky is the limit.“ Das Interesse an Häusern und Wohnungen an Nord- und Ostsee sei zurzeit so groß wie wahrscheinlich noch nie.