Positionspapier

Gaming-Branche: FDP will Förderung im Kanzleramt ansiedeln

Mit Serious Games will die FDP Bundestagsfraktion Kinder „für die Welt des Programmierens“ faszinieren.

Mit Serious Games will die FDP Bundestagsfraktion Kinder „für die Welt des Programmierens“ faszinieren.

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Die FDP-Fraktion will die Gaming-Branche stärker fördern als bisher. Eine Idee dabei: Das Kanzleramt soll sich um die Branche kümmern.

Berlin. Computer- und Videospiele sind längst Alltag in vielen Wohn- und Kinderzimmern geworden. Nach Angaben des Verbands der deutschen Games-Branche (Game) spielen rund 34 Millionen Menschen in Deutschland gelegentlich bis regelmäßig digitale Spiele.

Weltweit ist die Gaming-Branche ein Wachstumsmarkt. Die Corona-Pandemie wirkte dafür zusätzlich als Beschleuniger. Doch in Deutschland stockt die Entwicklung, der Marktanteil liegt lediglich bei 4,3 Prozent. Laut Game entwickeln und vertreiben in Deutschland 622 Unternehmen Games, die Anzahl der Beschäftigten in der Entwicklung und dem Vertrieb ist aber rückläufig. Rund 28.000 Menschen sind in der Branche beschäftigt, das Potential sieht der Game-Verband mehr als doppelt so hoch.

FDP will deutsche Gaming-Branche durch Kanzleramt fördern lassen

Die Bundestagsfraktion der FDP wittert in der Branche das große Geschäft für die deutsche Wirtschaft und will sie nun stärken. „International müssen wir unsere digitale Gameswirtschaft endlich vom passiven Zuschauer zum aktiven und wettbewerbsfähigen Player machen“, heißt es in einem Positionspapier der Fraktion, das unserer Redaktion vorliegt.

Um die Branche stärker als bisher zu fördern, will die FDP die Zuständigkeit innerhalb des Bundes in prominente Hände liegen: Die Förderung soll im Bundeskanzleramt zusammenlaufen, fordert die Partei. „Coding und Computerspiele sind längst eine Kulturtechnik des 21. Jahrhunderts. Damit jedes Kind daran teilhaben kann, müssen wir die Games-Branche endlich sichtbarer fördern. Kanzlerin Merkel sollte daher die Verantwortung für die Games-Förderung zu ihrer Kultur-Beauftragten ins Kanzleramt holen“, sagte die stellvertretende Partei- und Fraktionsvorsitzende Katja Suding unserer Redaktion.

FDP: E-Sport als Breitensport anerkennen

Außerdem fordert die FDP. dass der E-Sport als Breitensport anerkannt wird. Da E-Sport-Abteilungen bisher von den Finanzbehörden nicht als gemeinnützig anerkannt würden, würde es eine „massive Rechtsunsicherheit“ bei Vereinen geben, heißt es in dem Positionspapier.

Die FDP fordert außerdem, dass an deutschen Hochschulen stärker als bisher die Forschung und Entwicklung im Bereich Games gefördert wird und informierende Spiele, sogenannte Serious Games, stärker zur Vermittlung von Medienkompetenz eingesetzt werden. „Mit einer Stärkung von Serious Games wollen wir Kindern noch mehr Möglichkeiten geben, sich spielerisch auch neben dem Stundenplan von der Welt des Programmierens faszinieren zu lassen“, sagte Suding.

Kritik an Gewaltdebatte

Kritik übt die Partei an der Debatte über einen Zusammenhang von Gewalttaten und Videospielen, die gewalttätige Inhalte aufweisen. „Die reflexhaft nach Gewalttaten aufflammende Debatte um ‚Killerspiele‘ zeigt, mit welchem Misstrauen die Branche im Vergleich zu anderen etablierten Wirtschaftszweigen in unserem Land konfrontiert ist“, heißt es in dem Positionspapier. Zu einer solchen Debatte war es unter anderem nach dem Anschlag von Halle gekommen. Dabei stand die Frage im Raum, wie gefährlich „rechte Gamer“ sind. Deutschlands Gamer übten daraufhin massive Kritik an Innenminister Horst Seehofer (CSU): Sie forderten, dass radikale Foren und nicht die Gamer beobachtet werden sollten.

„Computer- und Videospiele sind schon lange mehr als das, worauf sie Kritiker gerne reduzieren wollen. Sie sind vielmehr ein innovatives Wirtschafts- und Kulturgut, mit dem sich unser Land schmücken kann“, sagte der medienpolitische Sprecher der FPD-Fraktion, Thomas Hacker, unserer Redaktion.

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