Corona

Fiebermess-Kamera aus Hamburg wird zum weltweiten Erfolg

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Heiner Schmidt
Dermalog-Chef Günther Mull freut sich über das Interesse an den Kameras.

Dermalog-Chef Günther Mull freut sich über das Interesse an den Kameras.

Foto: Dermalog

Auftragsboom beim Biometrie-Unternehmen Dermalog. Auch Einkaufszentren wollen Kunden künftig auf Corona-Symptome kontrollieren.

Hamburg.  Der Fußball-Bundesligist Bayer Leverkusen lässt Spieler, Trainerteam und Betreuer regelmäßig von den Geräten scannen, der Lübecker Medizintechnik-Hersteller Drägerwerk misst mit ihnen die Körpertemperatur jeder Person, bevor sie die Werkshallen betritt, und von der kommenden Woche an will das Einkaufszentrum Scandinavian Park in Handewitt nahe der dänischen Grenze kontrollieren, ob einer der Kunden Fieber hat. Dem Hamburger Biometrie-Unternehmen Dermalog beschert seine erst vor wenigen Wochen auf den Markt gebrachte Körpertemperatur-Kamera derzeit einen unverhofften wirtschaftlichen Erfolg.

„Allein über unsere Webseite gab es mehrere Hundert Anfragen, wir haben inzwischen Kunden aus fast 50 Ländern weltweit“, sagt Firmensprecher Sven Böck­ler. Konkrete Verkaufszahlen für die zwischen 2000 und 4000 Euro teuren Kameras nennt das Unternehmen nicht. Doch Dermalog-Gründer und -Chef Günther Mull spricht inzwischen von einem „interessanten neuen Geschäftsfeld“ mit einem „hohen Potenzial auch in einer Zeit nach Covid-19“.

Kameras messen auf eine Entfernung von bis zu zwei Metern die Körpertemperatur

Die Kameras messen auf eine Entfernung von bis zu zwei Metern und binnen Sekunden die Körpertemperatur von bis zu fünf Personen gleichzeitig. Liegt sie höher als üblich, schlägt das System Alarm. So lassen sich Menschen erkennen, die möglicherweise am Coronavirus erkrankt sind und bereits Symptome haben. Von Masken, die Mund und Nase bedecken, lasse die Kamera sich nicht irritieren, versichert Firmensprecher Böckler. „Gemessen wird im Stirnbereich.“

Ursprünglich war das System als Erweiterung für Dermalog-Anlagen zur Grenzkontrolle entwickelt worden. Erstmals installiert wurde es im Februar auf dem internationalen Flughafen von Bangkok. Doch im Zuge der weltweiten Ausbreitung des Virus entwickelte sich ein Nachfrageboom. Das Unternehmen, das bislang vornehmlich im staatlichen Auftrag und außerhalb Europas tätig ist, gewinnt durch die Viruskrise neue und andere Kunden. „Es gibt eine sehr hohe Nachfrage aus Deutschland sowie von Firmen und Institutionen aus den Bereichen Gesundheit, Industrie sowie aus der Freizeit- und Eventbranche. Sie integrieren die Kameras in ihre Corona-Sicherheitskonzepte“, so der Sprecher.

Einschränkungen im Kerngeschäft

Als Corona-Gewinner sieht Dermalog-Chef Mull das Unternehmen gleichwohl nicht. Die hohe Nachfrage nach den Kameras könne die von der Pandemie ausgelösten Einschränkungen im Kerngeschäft nicht voll kompensieren, sagt er. Dermalog-Mitarbeiter können derzeit nicht ins Ausland reisen, um dort Großaufträge abzuarbeiten.

Corona in Hamburg – die Bilanz des Bürgermeisters

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Zudem wächst die Konkurrenz rasant. Fast täglich verkündeten andere Firmen in den vergangenen Wochen den Marktstart vergleichbarer Körpertemperatur-Messsysteme. Zuletzt kam mit NEC (Japan) ein Schwergewicht der Elektronikbranche hinzu. Sind massenhafte Messungen überhaupt erlaubt? Die Klärung der rechtlichen Fragen überlässt Dermalog den Kunden. Bei manchen von ihnen ist die Kontrolle keine Pflicht. Dermalog selbst hat in der Zentrale am Mittelweg auch eine Kamera installiert. Mitarbeiter können die Temperatur messen – freiwillig.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum und halten Sie Abstand von mindestens 1,50 Metern zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

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