Fiebermesskamera

Hamburger Unternehmen Dermalog soll weltweit Fieber messen

So funktioniert die biometrische Fiebererkennung von Dermalog. Die Körpertemperatur des Probanden wird genau angezeigt.

So funktioniert die biometrische Fiebererkennung von Dermalog. Die Körpertemperatur des Probanden wird genau angezeigt.

Foto: Dermalog Identification Systems / Dermalog

Firma hat innovative Geräte zur Messung der Körpertemperatur entwickelt, die in Flughäfen und Einkaufszentren eingesetzt werden können.

Hamburg.  Besucher und die Beschäftigten in der Berliner Zentrale der Bundesdruckerei (BDr), die derzeit nicht im Homeoffice arbeiten, können sich neuerdings einen kleinen Spaß machen und auf ungewöhnliche Weise ihre Körpertemperatur messen. Am Dienstag wurde im Besucherzentrum vor dem Haupteingang des staatlichen Unter­nehmens eine Kamera samt Bildschirm installiert. Die Vorrichtung misst auf 1,5 Meter Entfernung die Körpertemperatur – und gibt einen optischen Alarm, wenn das Ergebnis auf Fieber hindeutet.

Die Druckerei in Kreuzberg ist das erste staatliche Unternehmen, das solche­ Messungen ermöglicht. „Zu De- monstrationszwecken“, betont ein BDr-Sprecher. Auch für den Körpertemperatur-Scanner ist es einer der ersten Praxiseinsätze. Entwickelt und geliefert hat ihn das Hamburger Unternehmen Dermalog.

„Wir nennen es Fiebermesskamera und haben derzeit sehr viele Anfragen dafür“, sagt Dermalog-Chef Günther Mull. Er hat die Firma vor 25 Jahren in der Hansestadt gegründet. Die Bundesdruckerei hält seit 2012 knapp 22,5 Prozent der Anteile an der Dermalog Identification Systems GmbH, macht also Werbung für das System im eigenen Interesse.

Hauptgeschäft von Dermalog sind Fingerabdruck- und Reisepass-Scanner

Das Hauptgeschäft von Dermalog ist bisher die Entwicklung und Lieferung etwa von Fingerabdruck- und Reisepass-Scannern, die zumeist bei Grenzkontrollen eingesetzt werden. Zum Produkt-Portfolio gehören auch Systeme für Gesichts- und Augeniris-Erkennung. Als 2015 Hunderttausende Flüchtlinge nach Deutschland kamen, stattete Dermalog deutsche Ausländerbehörden mit Fingerabdruck-Scannern aus.

Dass nun inmitten der Coronavirus-Pandemie die Fieberkamera die Serienreife erreicht habe, sei purer Zufall, sagt Mull. „Wir haben die Entwicklung vor etwa vier Jahren gestartet. Asiatische Staaten, die damals noch unter dem Eindruck der Sars-Epidemie Jahre zuvor standen, hatten signalisiert, dass sie ihre Einreisekontrollen erweitern wollen.“ Dermalog erzielt große Teile seines 70 Millionen Euro Jahresumsatzes (2019) durch Aufträge ausländischer Staaten wie Brasilien, Nigeria oder Singapur.

Coronavirus: So können Sie sich vor Ansteckung schützen

  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch, das Sie danach wegwerfen. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Hände waschen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Ein bis zwei Meter Abstand zu Menschen halten
  • Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind überflüssig – sie können sogar umgekehrt zu Nachlässigkeit in wichtigeren Bereichen führen

Die erste Fiebermesskamera von Dermalog wurde Mitte Februar auf dem internationalen Flughafen Don Mueang nahe der thailändischen Hauptstadt Bangkok installiert. Zwei Wochen später war Deutschland-Premiere. Am letzten Februar-Wochenende und bei einer der letzten Messen hierzulande waren an den Eingängen zu den Messehallen in Hannover die Dermaloggeräte aufgebaut.

Zu einem geplanten Massentest kam es nicht mehr: „Bei der Bundesligapartie Union Berlin gegen den FC Bayern sollten etwa zehn Geräte an den Stadioneingängen aufgestellt werden“, sagt Mull. Doch das für Mitte März angesetzte Spiel vor 22.000 Zuschauern im Stadion An der Alten Försterei wurde zunächst zur Geisterpartie erklärt, dann ganz abgesagt.

Coronavirus: Fierbermesskameras kosten zwischen 2000 und 4000 Euro

Wie hilfreich solche Messungen bei der Bewältigung der Coronavirus-Pandemie sind, ist umstritten. Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) sagte vor wenigen Tagen im Abendblatt, die in asiatischen Staaten gebräuchlichen sogenannten Fiebermessbögen, die beim Durchschreiten die Körpertemperatur messen, seien fehleranfällig – und stellte Standardmessungen grundsätzlich infrage. Erkrankte könnten ihre Körpertemperatur durch Medikamente senken, so die Senatorin.

Dermalog-Chef Mull hält dagegen: Die Fiebermesskamera, die je nach Konfiguration zwischen 2000 und 4000 Euro kostet, sei sehr viel verlässlicher als die schon existierenden technischen Lösungen, sagt er. Und: „Das Gerät hilft, Menschen zu identifizieren, die bereits Symptome haben.

Es kann so einen Beitrag dazu leisten, die Verbreitung des Virus zu verlangsamen.“ Wichtig sei, dass die Teilnahme an der Messung nur mit Zustimmung der Betroffenen stattfinde und im Einklang mit der jeweiligen Gesetzeslage erfolge, betont ein Unternehmenssprecher. Ein Einsatz der Fiebermessung auf Distanz etwa in einem Einkaufszentrum sei wohl durch das Hausrecht abgedeckt.

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In anderen Ländern sind Fiebermessungen inzwischen gang und gäbe: In Singapur werde die Temperatur von Kunden vor dem Betreten eines Einkaufszentrums standardmäßig getestet, berichten Besucher des Landes. Die tschechische Grenzpolizei kontrollierte bereits vor zwei Wochen aus Deutschland kommende Busreisende auch mit dem Thermometer.

Das Interesse an dem Gerät aus Hamburg sei enorm, heißt es bei Dermalog. „Wir haben inzwischen etwa 20 Bestellungen aus der ganzen Welt“, sagt Mull. Täglich gingen Anfragen von Einkaufszentren, Unternehmenszentralen und auch Fußballclubs ein. Geordert würden zumeist vorerst ein oder zwei Geräte für Tests oder zu Demonstrationszwecken wie in der Bundesdruckerei. Nach Brunei aber sei nun eine Lieferung von 13 Kameras gegangen.

Großteil der Belegschaft aktuell im Homeoffice

Der Einstieg in die Fertigung in größerem Stil stehe bevor – sie soll im April und einstweilen am Firmensitz am Mittelweg in Rotherbaum anlaufen, sagt Mull. Platz für die Produktion ist vorhanden. Ein Großteil der im vergangenen Jahr um 40 auf 220 Köpfe gewachsenen Dermalog-Belegschaft arbeitet aktuell im Homeoffice.

„Wir werden uns umstellen müssen, so wie schon einmal nach dem Zustrom der Flüchtlinge 2015“, erwartet Mull. Gar nicht sicher ist er dagegen, dass der Dermalog-Umsatz wegen der Vielzahl der zu erwartenden Fieberkamera-Aufträge in diesem Jahr weiter steigen wird.

„Derzeit können Mitarbeiter ja nicht ins Ausland fliegen, um die bestehenden Aufträge abzuarbeiten.“ Ende Februar nach Hannover zur Reifen-Fachmesse Tire Technology Expo zu fahren, um dort die Fieberkamera aufzubauen, war allerdings noch möglich. Sie entdeckte letztlich bei keinem der gut 5000 Besucher eine verdächtig hohe Körpertemperatur.

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