Luftfahrt

Hamburger Airbus-Werk soll mehr Flugzeuge liefern

Guillaume Faury steht in der vierten Endmontagelinie für den A320 in Hamburg. Der Franzose ist seit April 2019 Vorstandschef von Airbus. Auf Finkenwerder sollen mehr A321 entstehen.

Guillaume Faury steht in der vierten Endmontagelinie für den A320 in Hamburg. Der Franzose ist seit April 2019 Vorstandschef von Airbus. Auf Finkenwerder sollen mehr A321 entstehen.

Foto: Michael Rauhe / HA

Milliardenstrafe wegen Korruptionsaffäre führt zu Verlust. Aktienkurs von Airbus sinkt. Aber ein Jet ist besonders gefragt.

Hamburg. Bei der Präsentation von Airbus-Zahlen zuvor war das Hamburger Werk nicht gut weggekommen. Ende Oktober hatte Vorstandschef Guillaume Faury in seinem Bericht für die ersten neun Monate das Auslieferungsziel senken müssen. Grund: In Finkenwerder stockte es bei der Endmontage des A321 im neuen Kabinenlayout All Cabin Flex (ACF). Am Donnerstag hatte Faury in Toulouse bei der Vorstellung der Bilanz für 2019 lobende Worte für das Werk an der Elbe übrig. „Da haben wir im letzten Quartal viele Fortschritte gemacht.“

Airbus: In Hamburg mehr als 1000 Stellen geschaffen

Fast 100 Maschinen mehr als im Vorjahr seien im ACF-Konzept ausgeliefert worden. Kabelstränge, Versorgungsleitungen und das Tanksystem müssen dabei verlagert werden, weil Türen neu angeordnet und der Rumpf angepasst wurde. Da die Airlines zudem aus vielen verschiedenen Optionen wählen können, kostet das viel Zeit beim Einbau.

Doch offenbar geht es voran. Man habe die Prozesse verbessert, neue Mitarbeiter eingestellt und zum Beispiel durch moderne Technologien in der Strukturmontage zusätzliche Effizienz geschaffen, sagte ein Airbus-Sprecher dem Abendblatt. Mehr als 1000 Stellen wurden auf Finkenwerder aufgebaut, mittlerweile werden dort 14.700 Mitarbeiter gezählt.

Für den A321 gibt es mehr als 3000 Bestellungen

Der A321 – mit 44,51 Meter die längste Version der A320-Familie – wird von Fluglinien immer häufiger nachgefragt. Mit mehr als 3000 Bestellungen im 7725 Flugzeuge dicken Auftragsbuch ist er das am meisten georderte Modell. In diesem Jahr soll die ACF-Produktion verdoppelt werden, ab Ende 2021 sollen alle A321 nach dem ACF-Layout gebaut werden.

Das zeigt die Bedeutung des Flugzeuges mit diesem Konzept für das Unternehmen. Hamburg als einziger relevanter Endmontageort des Jets – wenige Stücke werden in Mobile (USA) gefertigt – sei bisher der „Flaschenhals“ gewesen, sagte Faury. Daher wird das Flugzeug ab 2021 – nach dem Auslaufen der A380-Programms – auch in Toulouse gefertigt.

Monatliche Rate für A320-Familie soll steigen

Weniger Arbeit für Hamburg dürfte das nicht bedeuten – im Gegenteil. Airbus lotet mit den Zulieferern eine Erhöhung der A320-Fertigung aus. Derzeit sind es gut 60 Maschinen der Familie pro Monat, für 2021 gelten 63 als Ziel. 2022 und 2023 soll die monatliche Fertigungsrate um jeweils ein bis zwei Jets angehoben werden. „Ende 2023 werden wir bei der Rate 65 bis 67 sein“, so Faury.

Hamburg ist das wichtigste Werk für das Programm. Gut die Hälfte dieser Maschinen stammt aus Finkenwerder. Künftig dürften es dann ein bis zwei Jets im Monat mehr sein – auch wenn sich Airbus offiziell zurückhält. „Alle A320-Produktionsstandorte profitieren vom Hochlauf“, sagte ein Sprecher. Klar ist allerdings, dass es mehr Arbeit in Hamburg geben wird, da auch die Bausätze für Mobile (USA) und Tianjin (China) an der Elbe gepackt und nach Übersee verschifft werden.

Milliardenstrafe sorgt für ersten Konzernverlust seit 2009

Viel zu tun hatte auch das Management. „Wir haben eine Menge hinter uns gelassen“, sagte Faury. Und meinte damit vor allem die Korruptionsaffäre. Erst vor zwei Wochen hatte sich der Konzern mit den Behörden in Großbritannien, Frankreich und den USA auf eine Strafzahlung von 3,6 Milliarden Euro zuzüglich Zinsen und Verfahrensgebühren geeinigt. Viele Jahre lang wurde Schmiergeld an Mittelsmänner gezahlt, um Flugzeuge zu verkaufen. Verbucht wurde die Strafe in der Bilanz von 2019 – das führte den Konzern in die Verlustzone, erstmals seit 2009.

Wurden 2018 noch unterm Strich drei Milliarden Euro verdient, betrug der Konzernverlust im vergangenen Jahr 1,362 Milliarden Euro. Das war in etwa doppelt so viel wie beim Erzrivalen Boeing, obwohl der US-Flugzeugbauer massiv unter dem weltweiten Flugverbot für die 737 Max leidet. Airbus litt neben der Milliardenstrafe mal wieder unter seinen Sorgenkindern.

Operativ wurde der Gewinn gesteigert

Für den Militärtransporter A400M wurden unter anderem wegen schlechter Exportaussichten 1,2 Milliarden Euro abgeschrieben. Das Unternehmen nannte in diesem Zusammenhang explizit das von Deutschland verhängte Ausfuhrverbot für Rüstungsgüter nach Saudi-Arabien. Offenbar hatte man sich Hoffnungen auf einen A400M-Auftrag aus dem Staat gemacht. Das Embargo war nach der Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi verhängt worden. Für den Riesenjet A380 wurden 202 Millionen Euro abgeschrieben.

Die Aktie verlor bis zum Nachmittag 2,7 Prozent auf 133 Euro. Dabei läuft es vom operativen Ergebnis her rund. Das bereinigte Ebit stieg um 19 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro. Beim Umsatz gab es ein Plus von elf Prozent auf 70,5 Milliarden Euro.

Airbus zahlt halbe Milliarde für Bombardiers A220-Anteil

Eine Investition in die Zukunft ist die Erhöhung des Anteils am A220-Programm. An dem kleineren Mittelstreckenjet hielt Airbus bisher gut 50 Prozent. Dem Entwickler Bombardier werden nun 591 Millionen Dollar für seinen Ausstieg gezahlt. Airbus hält ab sofort 75 Prozent der Anteile, die Provinz Quebec den Rest.