Naturkosmetik

Hamburger Ökoshop Werte Freunde plant Expansion

Janine Werth betreibt am Großen Burstah ihr Geschäft Werte Freunde und will auch in andere Städte.

Janine Werth betreibt am Großen Burstah ihr Geschäft Werte Freunde und will auch in andere Städte.

Foto: Andreas Laible

Junges Unternehmen schaut sich nun bundesweit nach Standorten um. Angebot reicht von festen Shampoos bis Jacken aus Eco-Daunen.

Hamburg. Eine Hardcore-Öko-Kämpferin will Janine Werth nicht sein. Menschen, die anderen Leuten vorschreiben, dass sie keinesfalls Fleisch essen dürfen oder den Kopf schütteln, wenn Familien noch in die Ferien fliegen, findet sie eher suspekt als sympathisch. „Es ist viel besser“, sagt die Frau mit dem frechen Kurzhaarschnitt, „Millionen von nicht perfekten Ökos zu haben als ein paar perfekte Ökos, die wahrscheinlich schon ganz verbittert sind“.

Janine Werth hat das Geschäft Werte Freunde gegründet, einen Konzeptstore, in dem sie Naturkosmetik und Eco-Fashion verkauft. Im Angebot sind also gleich mehrere Sortimente mit Öko-Bezug. Der Laden zwischen Rödingsmarkt und Rathaus läuft so gut, dass die Unternehmerin bereits die weitere Expansion in Angriff nimmt. Noch im laufenden Jahr geht Werte Freunde auf die Suche nach weiteren Standorten in deutschen Großstädten. 13 Monate nach der Gründung hat Janine Werth in ihrem hellen, mit viel Holz eingerichteten Laden die Umsatzmarke von einer Million Euro geknackt, 800 Geschenkgutscheine verkauft und sechs Mitarbeiter angestellt – diesen Erfolg möchte die Hamburgerin in Zukunft vervielfachen. „Wir haben das Konzept so angelegt, dass längerfristig eine Kette daraus werden soll, mit Shops in mehreren Städten“, sagt Janine Werth.

Laden duftet nach Ölen

Dem Besucher des Ladens am Großen Burstah weht schon an der Tür der Duft nach Lavendel, Zitrone oder Zirbelkiefer entgegen. Denn im Angebot sind auch ätherische Öle, die am Bett für guten Schlaf sorgen sollen oder in der selbst gemachten Creme angenehm duften. In den Holzregalen überraschen aber auch ein Bienenwachstuch, das die müllintensive Frischhaltefolie ersetzen kann oder Zahnbürsten aus schnell nachwachsendem Bambus.

Feste Shampoos für alle möglichen Haartypen gehören zu den Lieblingsprodukten vieler Kunden, die auch bei der Körperpflege auf möglichst verpackungsarme Marken setzen. „Die Schachtel für das feste Shampoo ist ein Pappkarton, der mit Farbe aus dem Gemüsebeet gefärbt ist“, schwärmt Janine Werth über den Einfallsreichtum ihrer Lieferanten. Marken wie Dr. Hauschka, Lamazuna, Dr. Bronners und Plaine bietet die 41-Jährige an, dazu gibt es Behandlungen im eigenen Pflegestudio und Events, etwa zur „Do-It-Yourself-Naturkosmetik“.

Janine Werth ließ sich am Anfang ihrer Karriere selber zur Kosmetikerin ausbilden, wechselte dann aber in die Wirtschaft und schlug hier einen eindrucksvollen Weg ein: Sie arbeitete für Amazon in Den Haag, organisierte den Vertrieb für die Kosmetikmarke Lavera und entwickelte bei der Drogeriemarktkette Müller die Naturshops. „Nach darauf folgenden Jahren in der Unternehmensberatung wurde mir immer klarer“, sagt die energiegeladene Gründerin, „dass ich etwas eigenes machen und endlich mein eigenes Konzept umsetzen wollte“.

Kassenzettel müssen nicht gedruckt werden

Die Umweltverbundenheit und Achtsamkeit bei Werte Freunde endet nicht bei den Produkten. Sie umfasst auch die Führung, die auf familienfreundliche Arbeitszeiten achtet sowie die Abläufe. So müssen die Kassenzettel trotz der seit Beginn des Jahres geltenden Bonpflicht in dem Shop nicht ausgedruckt werden. „Wir schicken sie den Kunden digital zu, es reicht dann, bei einem Umtausch nur das Smartphone vorzuzeigen“, sagt Janine Werth.

Auch bei der Mode setzt die in Bremen aufgewachsene Geschäftsinhaberin auf für Mensch, Tier und Umwelt sinnvolle Produkte. Eco-Fashion bietet heute immer mehr Alternativen für bewussten Modekonsum: Bei veganen Daunen muss der Käufer nicht mit schlechtem Gewissen an gerupfte Gänse denken, denn diese wärmen mit einem Material aus recycelten PET-Flaschen. Bio-Baumwolle schont die Umwelt und die Haut, die Janine Werth als Leit-Thema ihres Konzeptstores sieht, in der Naturkosmetik und auch bei der Mode, die den Träger mit möglichst wenig schädlichen Stoffen belasten soll.

Detox-Jeans bei Werte Freunde im Angebot

So setzen Ökomode-Fans heute auf Detox-Jeans ohne Giftstoffe. Also Denimhosen ohne Gentechnik, Pestizide und Schwermetalle, die etwa von der Marke Armedangels angeboten werden. Bei dem Schmuck von Fremdformat, der in kleinen Präsentierboxen an der Kasse liegt, handelt es sich ebenfalls um nachhaltige Produkte: Die Armbänder fertigt der Hersteller aus Resten der metallverarbeitenden Industrie, so gelangen die Materialien wie Kupfer oder Messing in einen nachhaltigen Kreislauf.

Naturkosmetik

  • Der Umsatz mit Naturkosmetik in Deutschland hat sich im vergangenen Jahrzehnt mehr als verdoppelt – auf ein Niveau von 1,26 Milli­arden Euro. Damit setzt sich der Trend zu nachhaltigem Konsum ­ im Handel mit Kosmetika fort.
  • Als Naturkosmetik werden dabei Produkte bezeichnet, die aus „natürlicheren“ Rohstoffen hergestellt sind und ihrem Anspruch nach dadurch schonender für Mensch und Umwelt sind als herkömmliche Kosmetika. Nicht verarbeitet werden dabei Inhaltsstoffe wie Polyethylenglykol (PEG), Silikone, Parabene, synthetische Duftstoffe, Paraffine und andere Erdölprodukte.
  • Naturkosmetik ist übrigens nicht immer vegan. Sie kann Rohstoffe von lebenden Tieren enthalten. Wer Wert auf vegane Naturkosmetik legt, kann sich auf Produkte mit dem Europäischen V-Label und dem Zusatz „vegan“ verlassen. Auch das Label Veganblume oder das Zeichen „Vegan Neuform Qualität“ zeichnet entsprechende Kosmetikprodukte aus. Veganer verzichten nicht nur auf Fleisch und Milch, sondern auch sonst auf alle tierischen Stoffe im Alltag. Das bedeutet: keine Zahnpasta mit Gelatine und kein Leder an Schuhen.

Übrigens gleicht auch die Vita von Janine Werth, die mit ihrem Mann, dem Controller ihrer Firma, in Winterhude lebt, einem Kreislauf: Schon ihre Mutter betrieb in Bremen einen Laden für Naturkosmetik – mit ihrer Begeisterung für natürliche Rezepturen steckte sie ihre Tochter an. Diese lebt allerdings, getreu ihrem Motto, niemanden missionieren zu wollen, selber nicht ausschließlich auf dem Ökotrip. „Ich bin erst seit einigen Monaten Vegetarierin“, sagt sie lachend, „vorher gab es auch schon mal eine Wurst an der Mönckebergstraße, – wer kann schon an dem Stand vorbei gehen, wenn es dort so herrlich duftet?“