Finanzmarkt

Hamburger Augenklinik-Kette geht in Hongkong an die Börse

Foto: Bertold Fabricius

EuroEyes expandiert in China und wagt als erstes deutsches Unternehmen in der Megacity den Sprung aufs Parkett.

Hamburg.  Ein Unternehmen von der Elbe sorgt in Hongkong für Furore: Die Hamburger Augenkliniken-Kette EuroEyes strebt an die dortige Börse. Ab kommenden Montag können Angebote für die rund 79,3 Millionen Aktien abgegeben werden, die das Unternehmen ausgeben will. Am 15. Oktober soll der Handel an der Hong Kong Stock Exchange (SEHK) beginnen. Das teilte der Klinikbetreiber am Freitag in Hongkong mit. Es ist das erste deutsche Unternehmen, das in Hongkong an die Börse geht.

EuroEyes gehört in Europa zu den führenden Anbietern operativer Sehkorrekturen für Privatpatienten und war in China das erste Unternehmen dieser Art. 1993 hatte der dänische Augenarzt Jørn S. Jørgensen mit einer Augen-Laser-Praxis in Hamburg den Grundstein seiner Klinik-Kette gelegt. Er gehörte zu den ersten Spezialisten, die Sehkorrekturen mittels der Lasik-Methode vornahmen. Dabei werden mit Laserstrahlen Änderungen an der Hornhaut im Auge vorgenommen, um Kurz- oder Weitsichtigkeit zu korrigieren.

Aktienverkauf soll umgerechnet mehr als 61 Millionen Euro erlösen

Im Jahr 2000 eröffnete Jørgensen eine weitere Laserklinik in Berlin, 2001 in Leipzig, dann expandierte er nach Dänemark und gründete 2013 seine erste Klinik in Schanghai. Vor Ort war sogar Hamburgs damaliger Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), der mit einer Delegationsreise China besuchte. Heute betreibt EuroEyes zehn Augenkliniken und fünf Beratungszentren in Deutschland, weitere drei Kliniken und zwei Beratungszentren in Dänemark und sechs Kliniken in China. In der Hauptstadt Peking gibt es bereits zwei Standorte.

Mit eine Angebotsspanne von 6,20 bis 8,80 Hongkong-Dollar (umgerechnet 0,7 bis ein Euro) erhofft sich EuroEyes durch den Aktienverkauf Einnahmen in Höhe von rund 526,7 Millionen Hongkong-Dollar (61,4 Millionen Euro). Das Geld will Jørgensen vor allem in der Volksrepublik investieren. Denn der chinesische Markt für modernen operativen Linsenaustausch und Laser-Korrekturen wächst jährlich um 29,5 Prozent. „Unser zukünftiges Wachstum liegt vor allem in China. Hier ist ein riesiger Bedarf an Sehkorrekturen.“ Einer Marktanalyse zufolge seien 90 Prozent der jungen Menschen bis 45 stark kurzsichtig. „Wir reden hier von 655 Millionen Menschen. Auch Alterssichtigkeit, die mit einer Trifokallinse korrigiert wird, spielt eine große Rolle“, sagte Jørgensen. Beim Linsenaustausch gehört EuroEyes zu den weltweit größten Anbietern.

Das meiste Geld wird in weitere Kliniken in China investiert

Dem Trend folgend sieht der Investitionsplan vor, 40 Prozent der Erlöse aus dem Börsengang in den Bau neuer Kliniken in chinesischen Großstädten wie Chengdu und Chongqing fließen zu lassen. 33 Prozent sollen für die mögliche Akquisition von Kliniken in Europa ausgegeben werden, 17 Prozent in eine Verstärkung des Marketings und zehn Prozent ins allgemeine Betriebskapital.

„Wir haben Hongkong als Börsenplatz gewählt, weil wir hoffen, hier viele Investoren von unserer Wachstumsperspektive überzeugen zu können“, sagte der Mediziner und Unternehmer, der auch Hauptsponsor der Hamburg Cyclassics 2019 war. Damit die Hamburger Firma EuroEyes überhaupt an der Börse von Hongkong gelistet werden kann, hat sie bereits im August eine Holding auf den Kaimaninseln gegründet. Künftig will EuroEyes jährlich ein bis zwei neue Kliniken in China eröffnen. Die Anleger können auf eine Dividende von bis zu 20 Prozent des jährlichen Nettogewinns hoffen. EuroEyes hat 2018 einen Umsatz von 43 Millionen Euro gemacht und dabei einen Nettogewinn von 5,5 Millionen Euro verbucht.