A321XLR

Airbus baut in Hamburg einen neuen Flugzeugtyp

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Volker Mester
Der Airbus A321LR startete 2018 in Hamburg zum Erstflug. Jetzt bringt der Konzern ein Modell mit noch größerer Reichweite auf den Markt: Den A321XLR, für den bereits die ersten Aufträge vorliegen.

Der Airbus A321LR startete 2018 in Hamburg zum Erstflug. Jetzt bringt der Konzern ein Modell mit noch größerer Reichweite auf den Markt: Den A321XLR, für den bereits die ersten Aufträge vorliegen.

Foto: Roland Magunia/Hamburger Abendblatt

Der A321XLR mit bis zu 8700 Kilometer Reichweite kommt im Jahr 2023 auf den Markt. Es gibt bereits erste Bestellungen.

Hamburg.  Die Luftfahrtmesse in Paris-Le Bourget ist für Airbus seit jeher so etwas wie ein Heimspiel. Im Jahr des Firmenjubiläums – der europäische Flugzeugbauer wurde vor 50 Jahren gegründet – führt der Konzern auf der Branchenschau zwar ein breites Spektrum von Ausstellungsstücken vor, vom einsitzigen, unbemannten Lufttaxi-Prototypen bis hin zum doppelstöckigen A380 für rund 500 Passagiere. Besonders viel Gesprächsstoff am ersten Messetag lieferte aber ein Flugzeug, das noch gar nicht existiert, unspektakulär aussehen wird und ungefähr in der Mitte der Fluggastzahl-Spanne rangiert: Airbus verkündete am Montag den Projektstart des Modells A321XLR.

Unter allen kleineren Schmalrumpf-Jets auf dem Markt wie der A320-Familie und der 737-Reihe von Boeing wird dieser neue Typ mit 8700 Kilometern die längste Reichweite haben. Das ermöglicht zum Beispiel Flüge von Hamburg nach Chicago, von New York nach Rom oder von Tokio nach Sydney. All das sind Strecken, für die bisher ein größeres und schwereres Flugzeug mit zwei Mittelgängen nötig wäre. „Es ist daher für die Airlines auf diesen Routen die Investition mit dem geringsten Risiko“, sagte Airbus-Verkaufschef Christian Scherer – ein wichtiges Argument gerade im Fall von neuen Verbindungen, auf denen eine Fluggesellschaft erst einmal den Markt testen will. Nach Angaben von Scherer soll der A321XLR im Jahr 2023 in den Liniendienst gehen.

Airbus will mit dem neuen Modell die Erfolgsgeschichte des A321LR fortsetzen

Mit dem Flieger will Airbus eine Erfolgsgeschichte fortsetzen: Im November lieferte das Unternehmen in Hamburg den ersten A321LR an die israelische Airline Arkia aus. Auch dieser Typ, für den schon mehr als 120 Bestellungen vorliegen, ist bereits eine Weiterentwicklung des Kurz- und Mittelstreckenjets A321neo für längere Routen und stieß in der Branche auf „sehr positive“ Resonanz, wie Airbus mitteilte. Doch während die LR-Variante mit 206 Passagieren gut 7400 Kilometer weit fliegen kann, steigert die jetzt angekündigte XLR-Ausführung die Reichweite noch einmal um mehr als 15 Prozent.

Am Montag präsentierte Airbus auch gleich Kaufabsichtserklärungen für das neueste Modell des Konzerns: Die US-amerikanische Leasinggesellschaft ALC will 27 Exemplare des A321XLR ordern, Middle East Airlines aus dem Libanon unterzeichnete eine Festbestellung für vier Jets.

Für das Airbus-Werk auf Finkenwerder sind das gute Nachrichten. „Hamburg ist das Zentrum für A320-Familie und insbesondere für die unterschiedlichen A321-Varianten“, sagte ein Firmensprecher. Schon der A321LR hat sich positiv auf die Beschäftigung am Standort Hamburg ausgewirkt: In den vergangenen Monaten verlagerte Airbus Personal aus Werken im Ausland nach Hamburg, um die Mehrarbeit durch das neue Modell bewältigen zu können. „Die Typen A321LR und A321XLR bieten in der Kabine Langstrecken-Komfort“, sagt der Firmensprecher dazu. „Deswegen ist die Ausstattung anspruchsvoller als bei einer Kurzstrecken-Variante. Entsprechend ist auch der Aufwand höher.“

Auch die weltgrößte Fluggesellschaft hat schon Interesse an dem Flieger bekundet

Mehrere Airlines hatten bereits seit Monaten Interesse an einer gegenüber dem A321LR nochmals verlängerten Reichweite bekundet. Darunter sind Berichten zufolge der indische Billigflieger Indigo, JetBlue aus den USA sowie American Airlines, die größte Fluggesellschaft der Welt. Bei dem texanischen Unternehmen geht es darum, die Flotte alternder Boeing 757 zu ersetzen. Deren Produktion endete bereits im Jahr 2004, einen Nachfolger brachte der US-Hersteller aber dennoch bis heute nicht auf den Markt.

„Verglichen mit bisherigen Flugzeugen wie der Boeing 757, die solche Strecken typischerweise fliegen, spart ein A321XLR rund 30 Prozent an Treibstoff und CO2-Ausstoß ein“, sagte Airbus-Verkaufschef Scherer. Die Produktionsentscheidung der Europäer bringt den Wettbewerber aus Seattle, der weiter unter den Nachwirkungen von zwei Abstürzen des neuen Typs 737 Max leidet, nun noch stärker in Bedrängnis. „In diesem speziellen Marktsegment ist Airbus jetzt für einige Jahre praktisch konkurrenzlos“, sagt der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt.

Boeing braucht für ein Konkurrenzmodell noch mindestens bis zum Jahr 2025

Boeing hat zwar nach eigenen Angaben schon seit längerem Pläne für ein Flugzeug unter dem Projektnamen NMA (New Middle of the Market Airplane), das inoffiziell auch bereits Boeing 797 genannt wird. Es wäre eine komplette Neuentwicklung mit zwei Mittelgängen und würde gemessen an Kapazität und Reichweite (bis zu 270 Passagiere, bis zu 9300 Kilometer) etwas oberhalb des A321XLR rangieren.

Doch einen verbindlichen Beschluss, dieses Flugzeug tatsächlich zu bauen, gibt es bisher nicht. Er wird seit längerem erwartet, angesichts des Problems mit der 737 Max dürfte die Entscheidung dem Boeing-Topmanagement nun aber nicht gerade leichter fallen.

Wie es vom US-Konzern heißt, könnte ein erstes Exemplar des NMA frühestens im Jahr 2025 an die Kunden übergeben ausgeliefert werden. Bis dahin werden in Hamburg voraussichtlich schon etliche der neuen A321XLR und viele weitere A321LR zum Auslieferungsflug gestartet sein.

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