Hamburg

Handelskammer: Misstrauensantrag gegen Geschäftsführerin

Christi Degen, Hauptgeschäftsführerin der Handelskammer Hamburg

Christi Degen, Hauptgeschäftsführerin der Handelskammer Hamburg

Foto: Klaus Bodig / Klaus Bodig / HA

Ein Plenarier will die Ablösung von Christi Degen erzwingen. Es gibt Kritik an ihr – doch nicht alle Skeptiker wollen sie entlassen.

Hamburg.  Nachdem die umstrittene Reorganisation der Handelskammer Hamburg geplatzt ist, gerät jetzt die Geschäftsführung der Wirtschaftsvertretung unter Druck: Wenn das Plenum der Handelskammer am Donnerstag kommender Woche zusammentritt, soll es darüber abstimmen, ob die Hauptgeschäftsführerin Christi Degen im Amt verbleiben darf. Das sieht ein Misstrauensantrag vor, den der Hamburger Unternehmer und Plenarier Stefan Duphorn auf die Tagesordnung setzen lässt.

Keine unmittelbaren Konsequenzen für das Anstellungsverhältnis

„Die Leistung der Hauptgeschäftsführerin ist nach Einschätzung vieler Mitarbeiter und Plenarier derzeit nicht zufriedenstellend. Der Reorga-Prozess ist gescheitert, die Mitarbeiter sind verunsichert. Von vielen Seiten hört man Kritik und Unzufriedenheit“, lautet die schriftliche Begründung mit der das Plenum aufgefordert wird, Christi Degen das Vertrauen zu entziehen.

Sollte der Antrag Erfolg haben, hätte das für Degens Anstellungsverhältnis keine unmittelbaren Konsequenzen. Allerdings wäre eine Vertragsfortführung nur schwer denkbar. Denn in dem Antrag von Duphorn heißt es weiter: „Sofern das Plenum der Hauptgeschäftsführerin nicht das Vertrauen ausspricht, sollten Präsidium und Hauptgeschäftsführerin über eine einvernehmliche Beendigung des Anstellungsvertrags verhandeln.“ Degens Vertrag läuft eigentlich bis Ende 2020.

Vizepräses: Entlassung grenze an Selbstmord

Die Erfolgsaussichten des Antrags sind offen. Tatsächlich ist die Mehrheit der Plenarier mit Degens Arbeit unzufrieden. Sie aber sofort abzulösen, halten nicht wenige für falsch. „Bei einer Entlassung der Hauptgeschäftsführerin wäre die Kammer mit einem Schlag handlungsunfähig. Das grenzt an Selbstmord“, sagte der Vizepräses der Handelskammer Kai Elmendorf. Es werde Anfang 2020 ein neues Plenum gewählt, das solle sich dann damit befassen.

Auch das Präsidium ist in der Frage gespalten. Drei Mitglieder unterstützen den Antrag, drei nicht. Und die von den Rebellen unabhängigen Plenumsmitglieder werden sich wohl enthalten: „Die Hauptverantwortung für die desaströse Lage der Handelskammer liegt bei den selbsternannten Kammerrebellen, nicht bei Frau Degen“, sagte der Haspa-Geschäftsführer Niels Pirck. „Aber leider hat Frau Degen in weiten Teilen von Haupt- und Ehrenamt das Vertrauen verloren, weil sie die konstruktive Kritik an ihren fehlerhaften Reorganisationsplänen so lange ignoriert hat.“

Degen steht seit längerer Zeit in der Kritik

Degen steht seit längerer Zeit in der Kritik. Ein Teil der ehemaligen Kammerrebellen wirft ihr wegen zahlreicher Mitarbeiterabgänge eine verfehlte Personalpolitik vor. Tatsache ist aber, dass die Zielvereinbarung, die das ehemalige Präsidium mit ihr schloss einen Stellenabbau vorsah. Auch aus dem Personalrat der Kammer hieß es, dass Degen bei vielen Mitarbeitern kein Vertrauen mehr genieße – eine Äußerung. für die sich der Personalrat später entschuldigte. Andere sagen, dass die Kammergeschäftsführerin in die Front zwischen den verfeindeten Lagern im Plenum geraten ist, und dort aufgerieben wurde. Die Geschäftsführung der Kammer wollte sich am Dienstag nicht äußern