Abendblatt-Test

Mit Moia durch Hamburg: So fährt es sich im Sammeltaxi

Moia-Vorstand Robert Henrich beim Start des Mobilitätsdienstleisters mit seinen elektrisch angetriebenen Kleinbussen.

Moia-Vorstand Robert Henrich beim Start des Mobilitätsdienstleisters mit seinen elektrisch angetriebenen Kleinbussen.

Foto: HA/Roland Magunia

Firmen im Norden überraschen mit neuen Produkten. Wir prüfen, wie gut sie sind. Heute: der Sammeltaxi-Dienst Moia.

Hamburg. „Sorry, wir sind spät dran.“ Die erste Fahrt mit Hamburgs neuem Mobilitätsservice Moia beginnt mit einer Entschuldigung. Drei Minuten wird sich der Shuttle-Bus verspäten, meldet die App auf dem Smartphone. Wir stehen am Rödingsmarkt, einem von 10.000 virtuellen Haltepunkten in der Stadt. Kurz darauf biegt der goldschwarze Sechssitzer mit der Nummer 116 fast lautlos um die Ecke.

Fahrer Peter Lehmann öffnet die Tür, und unser Testtrip zum Flughafen beginnt. 40 Minuten Fahrtzeit sind für die Strecke in den äußeren Norden des Geschäftsgebiets berechnet. Eine feste Ankunftszeit gibt es, anders als bei einem Bus- oder Bahnfahrplan, nicht, aber ein Zeitfenster von 15 Minuten. Danach sollen wir frühestens um 12.06 Uhr und spätestens um 12.17 Uhr da sein. Mal sehen.

Zwei Jahre nach der Gründung hat die VW-Tochter Moia ihren regulären Betrieb in Hamburg aufgenommen. 100 elektrisch angetriebene umgebaute Crafter sind seit Montag auf den Straßen der Stadt unterwegs. Ridesharing heißt das neue Kapitel im öffentlichen Nahverkehr, bei dem sich bis zu sechs Kunden ein Fahrzeug teilen. Das Geschäftsgebiet liegt nördlich der Elbe und umfasst etwa 200 Quadratkilometer zwischen Blankenese im Westen, Marienthal im Osten und Airport im Norden. 400 Fahrer und Fahrerinnen wurden eingestellt, mit der Ausweitung des Angebots soll sich die Zahl bis Jahresende auf 1000 erhöhen.

Moia soll die die Effizienz des Straßenverkehrs erhöhen

„Wir bringen die Fahrgäste bequem und sicher zum Ziel und fahren dabei umweltfreundlich“, sagte der für das operative Geschäft zuständige Moia-Vorstand, Robert Henrich, und spricht vor dem Start der Flotte in der HafenCity von einem „Meilenstein“. „Dadurch erhöhen wir die Effizienz des Straßenverkehrs.“

Möglich sind die smarten Sammeltaxis, in die die Wolfsburger Autobauer einen dreistelligen Millionenbetrag investieren, durch eine Sondergenehmigung der Stadt Hamburg, die für vier Jahre gilt. „Wir sind stolz, dass VW das innovative Projekt, das weltweit ausgerollt werden soll, in Hamburg startet“, betonte Verkehrsstaatsrat Andreas Rieckhof (SPD). Ganz so ungetrübt, wie er glauben machen will, ist die Euphorie wegen der schwelenden Klage eines Hamburger Taxiunternehmers allerdings nicht.

Mehrere Tausend Hamburger registrieren sich täglich

Dagegen war das Interesse an der Mobilitätsalternative an Tag eins überraschend groß. Schon in den Wochen zu vor hatten sich nach Unternehmensangaben täglich mehrere Tausend Kunden für den neuen Service registriert. Für die Buchung einer Fahrt gibt man einfach Start und Ziel ein. Über einen Algorithmus werden die Fahrtanfragen verschiedener Personen, die in eine ähnliche Richtung unterwegs sind, miteinander kombiniert.

Innerhalb von Sekunden berechnet das System den nächstgelegenen Haltepunkt und die Fahrtkosten, die aus einem Grund- und einem Kilometerpreis bestehen und abhängig vom Wochentag und von der Uhrzeit sowie einigen anderen Kriterien variieren können. In unserem Fall waren es für zwei Personen sieben Euro. Das ist ein Aktionspreis, der nur im Einführungsmonat gilt (siehe unten). Im Schnitt rechnet Moia mit sechs bis sieben Euro pro Stadtfahrt.

Die Testfahrt mit dem Moia-Bus geht weiter

Auf unserem Testtrip sind wir inzwischen schon zu viert im Minibus. In der Nähe der Alster ist Daniel Nollert zugestiegen. Der Medienexperte will nach Barmbek. „Normalerweise hätte ich ein Carsharing-Auto genutzt“, sagt er und macht es sich in seinem Sitz bequem. „Aber das hier ist komfortabler.“ Kopfstützen sorgen für etwas Privatheit. Es gibt WLAN – das allerdings nicht immer funktioniert –, Handy-Lademöglichkeiten, Leselicht und Platz für Handgepäck. Auf einem Monitor werden die nächsten Stationen mit Fahrtzeit und, damit man weiß, wann man raus muss, Initialen der Passagiere angezeigt.

Nachdem es auf den ersten Kilometern eher zäh durch die Innenstadt ging, kann Fahrer Peter Lehmann, der neben zwei anderen Jobs auf Teilzeitbasis für Moia arbeitet, jetzt schneller fahren. Trotzdem ist es ruhig in dem E-Fahrzeug. Auf der Uhlenhorst steigt ein Passagier aus – zwölf Minuten später als die früheste Ankunftszeit berechnet worden war, aber noch im Zeitfenster. Auch für unser Fahrziel hat sich die Ankunftszeit nach hinten verschoben. Spätestens um 12.29 Uhr sollen wir jetzt am Flughafen sein.

Clevershuttle und Io machen Moia Konkurrenz

Moia ist nicht der einzige Anbieter, der in Hamburg geteilte Fahrten anbietet. Clevershuttle und Ioki sind bereits seit Längerem auf dem Markt. Auch Hansa-Taxi und Mytaxi bieten Ridesharing-Fahrten. Ob diese Dienste tatsächlich den Individualverkehr verringern und die Straßen entlasten, muss sich noch zeigen. Eine wissenschaftliche Studie soll in den nächsten zwei Jahren die Auswirkungen des Ridesharings auf die städtische Mobilität untersuchen.

Wir sind um 12.24 Uhr nach gut 50 Minuten an unserem Ziel – sieben Minuten nach dem ersten berechneten spätesten Ankunftstermin. Die schnelle Buchung der Rückfahrt scheitert allerdings zunächst. Alle Wagen in der Nähe sind ausgebucht. Erst nach mehreren Versuchen und knapp zehn Minuten klappt es. Der Moia kommt dann sehr zügig – und die Fahrt ist fast schon Routine.

Der Test

  • Registrierung/Buchung: Die Registrierung ist mit wenigen Klicks über die Moia-App auf dem Smartphone gemacht. Allerdings braucht man eine Kreditkarte, über die die Bezahlung der Fahrten abgerechnet wird. Buchungen erfolgen ausschließlich über die App. Nach der Angabe von Start und Ziel berechnet das System den nächsten Haltepunkt und einen Fixpreis. Das ist auch für mehrere Personen möglich.
  • Geschäftsgebiet/-zeiten: Das Geschäftsgebiet umfasst 200 Quadratkilometer. Allerdings ist der neue Fahrdienst nur nördlich der Elbe verfügbar. Das ist ein Minuspunkt. Von Montag bis Mittwoch sind die Wagen von fünf Uhr morgens bis ein Uhr nachts unterwegs, von Donnerstag bis Sonntag bis sechs Uhr durchgehend und dann wieder von zehn bis 24 Uhr.
  • Preis: Moia wirbt mit Kosten von im Schnitt einem Euro pro Kilometer. Der Preis ist nicht von der tatsächlichen Anzahl der Mitfahrer abhängig. Es fließen aber Komponenten wie Fahrtstrecke, Wochentag und Uhrzeit ein. Der Flughafenzuschlag beträgt 2,50 Euro. Unter dem Strich sind Fahrten günstiger als im Taxi (ca. 30 Euro City - Flughafen) und teurer als mit Bahn und Bus (3,30 Euro). Ein Kindersitz ist umsonst buchbar. Bis zum 12. Mai gilt ein Aktionspreis von fünf Euro pro Fahrt.
  • Fazit: Moia ist eine Alternative, wenn man bequemer und flexibler als in Bus und Bahn fahren will. Im Unterschied zum Taxi muss man kurze Fußwege und Umwege auf der Fahrtstrecke einkalkulieren. Urteil: vier von fünf Sternen.