Berlin

In Deutschland fehlen 1,1 Millionen Wohnungen

Berlin. Der wachsende Bedarf an bezahlbarem Wohnraum ist nach Einschätzung des Branchenverbands GdW nur auf dem Land zu befriedigen. „Wir dürfen den Menschen nicht vorgaukeln, dass wir es schaffen, in absehbarer Zeit in den Städten den nötigen Wohnraum zu schaffen“, sagte GdW-Präsident Axel Gedaschko am Mittwoch. „Es gibt zu wenig Fläche, um all die Wünsche, die theoretisch da sind, zu befriedigen.“

Gefragt sei eine Anbindung des Umlands größerer Städte, sagte Gedaschko. Dazu müssten der öffentliche Nahverkehr gestärkt und Straßen gebaut werden. Auch schnelles Internet, elektronische Gesundheitsdienstleistungen und Behördenangebote müssten ausgebaut werden. Die meisten Menschen würden zudem sehr gerne auf dem Land leben, sagte Gedaschko, der auf eine Untersuchung der Bundesstiftung Baukultur aus dem Jahr 2015 verwies. Wenn Geld keine Rolle spielte, würden demnach 45 Prozent der Befragten am liebsten in einer Landgemeinde leben, gefolgt von 33 Prozent, die eine Mittel- oder Kleinstadt bevorzugten. Nur 21 Prozent zieht es demnach in die Großstadt – hier wollen vor allem die 18- bis 29-Jährigen leben.

In Deutschland fehlen laut GdW 1,1 Millionen Wohnungen, die zwischen 2009 bis 2017 zu wenig gebaut wurden. Das liege neben dem Drang in die Stadt auch an Zuwanderung und der wachsenden Bevölkerung. In größeren Städten entstünden nur zwei Drittel des nötigten Wohnungsneubaus.

Grund für die steigenden Baukosten für Wohnungen sei nicht etwa Spekulation. Die Bauindustrie ist laut GdW aktuell stärker ausgelastet als selbst in den Boomzeiten nach dem Zweiten Weltkrieg, das treibe die Preise in die Höhe. Während sich beim gehobenen Segment die Planungs- und Bauzeit eines Mehrfamilienhauses von 28 Monaten 2015 um vier Monate verlängerte, stieg sie beim bezahlbaren Wohnraum von 29 auf 48 Monate.