Hamburg

Hamburgs Hafen startet schwach ins Jahr 2018

Gesamtumschlag geht um 7,5 Prozent im ersten Quartal zurück. Antwerpen und Rotterdam schneiden deutlich besser ab

Hamburg.  Jetzt ist die Erosion nicht mehr zu übersehen: Der Seegüterumschlag im Hafen geht immer weiter zurück – und Hamburg droht zugleich den Anschluss an seine europäischen Konkurrenzhäfen zu verlieren. Das lässt sich aus den jüngsten Zahlen ablesen, die die Marketingorganisation des Hamburger Hafens am Freitag veröffentlicht hat. Früher gab es zu den Zahlen des ersten Quartals sogar noch extra eine Pressekonferenz, damit ist es vorbei.

So ist der Gesamtumschlag zwischen Januar und März um 7,5 Prozent auf 32,7 Millionen Tonnen gesunken. Der Massengutumschlag brach sogar mit einem Minus von 18,2 Prozent auf zehn Millionen Tonnen ein. Weniger stark war der Rückgang beim Containerumschlag: Dieser sank um 1,9 Prozent auf 2,2 Millionen Standardcontainer (TEU). In diesem Zusammenhang ist auch die Meldung wenig tröstlich, dass Hamburg seine führende Position als größter Eisenbahnhafen in Europa ausgebaut hat. Denn der Containertransport auf der Schiene wuchs um 4,1 Prozent. Auch der konventionelle Stück­gut­umschlag legte um 14,3 Prozent auf 370.000 Tonnen zu.

Der Wachstumstrend, den die ausländischen Konkurrenzhäfen seit Monaten spüren, ist in Hamburg somit nicht angekommen. Zwar hat Europas größter Hafen Rotterdam in den ersten drei Monaten dieses Jahres im Gesamtumschlag ein leichtes Minus von 1,2 Prozent verzeichnet. Im wichtigsten Segment des Containerumschlags legten die Niederländer aber um 6,1 Prozent zu. Noch deutlicher ist die Entwicklung im belgischen Antwerpen, dessen Hafen erst vor drei Jahren Hamburg beim Seegüterumschlag von Platz zwei in Europa verdrängen konnte. Hier wuchs der Gesamtumschlag um 7,1 Prozent, der Containerumschlag um stolze 10,7 Prozent. Insgesamt wurden dort von Januar bis März 2,9 Millionen Standardboxen über die Kaikante gehievt, 700.000 mehr als in Hamburg. Rückgänge verzeichnete die Hansestadt vor allem im Containerverkehr mit der Ostküste Nordamerikas, Osteuropa und Indien.

Ein Grund für die zunehmende Kluft zwischen Hamburg und den Konkurrenzhäfen ist die Verlagerung des sogenannten „Transshipment“-Geschäfts. So bezeichnet man die Umladung von Gütern von den Überseefrachtern auf kleine Verteilschiffe. Dabei werden die Container zweimal gezählt, beim Abladen vom großen Interkontinental-Schiff und beim Aufladen auf den kleineren Verteiler im Nahverkehr. Am Trans­shipment hatte Hamburg früher einen großen Anteil, dieses Geschäft ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich nach Antwerpen und Rotterdam abgewandert. Zwar verzeichnete die Marketingorganisation in den vergangenen Wochen einen leichten Transshipment-Anstieg. Mit minus 3,6 Prozent steht aber für das Quartal ein negativer Wert.

Ein anderer Grund für Hamburgs derzeitige Schwäche ist die fehlende Elbvertiefung. Dies führt dazu, dass Reeder den knappen, verfügbaren Tiefgang ihrer Schiffe dazu nutzen, ausschließlich beladene Container an Bord zu nehmen. Leercontainer bleiben stehen. So ist der Rückgang beim Containerumschlag fast ausschließlich auf das Minus bei den leeren Boxen (18 Prozent) zurückzuführen. „Leere Container sind im Gegensatz zu beladenen Boxen weniger hafengebunden und in der Routung volatiler“, so Axel Mattern, der Chef von Hafen Hamburg Marketing.

Der Fraktionsvorsitzende der FDP in der Hamburgischen Bürgerschaft, Michael Kruse, bezeichnete die Hafenzahlen als enttäuschend. „Immer deutlicher wird, dass Hamburg die Fahrrinnenanpassung braucht, um für den Hafen einen Wachstumsimpuls zu setzen“, sagte er. Wirtschaftssenator Frank Horch müsse nun zügig für die Fertigstellung der Planfeststellung sorgen.