Hamburg

Die neuen Herren der HSH Nordbank

Käufer weisen viele Parallelen auf. Aber was wollen sie mit dem Institut? Haspa-Chef Vogelsang sieht in jedem Fall eine Zäsur

Hamburg.  Es ist schon eine illustre Gruppe von Unternehmen, in die sich die HSH Nordbank jetzt einreiht: Der Kosmetikkonzern Avon, die Büroartikelkette Staples, aber auch der umstrittene Sicherheits- und Militärdienst DynCorp – sie alle gehören zu den Beteiligungen des amerikanischen Finanzinvestors Cerberus. Bis vor wenigen Tagen galt das auch für den inzwischen insolventen Gewehrbauer Remington.

Cerberus verwaltet ein Vermögen von umgerechnet rund 30 Milliarden Euro, die im Portfolio enthaltenen Firmen, darunter auch Autozulieferer, Klinikbetreiber und weitere Banken in Österreich und Frankreich, haben zusammengenommen mehr als 500.000 Beschäftigte. Tatsächlich war der US-Investor indirekt schon vor dem Kauf der HSH mit einer Beteiligung in Hamburg vertreten: Die Deutscher Ring Bausparkasse wurde im Dezember von der mehrheitlich zu Cerberus gehörenden Bank Bawag aus Wien übernommen.

Zwar hat der im Jahr 1992 in New York gegründete Finanzinvestor prominente Personen wie den früheren US-Vizepräsidenten Dan Quayle und den ehemaligen Finanzminister John W. Snow in seiner Führungsmannschaft. Doch vom Firmenchef Stephen A. Feinberg gibt es nur wenige Fotos; er gilt als äußerst medienscheu. Immerhin weiß man von ihm, dass er auch privat Waffen sowie die Großwildjagd schätzt und zu den Unterstützern des US-Präsidenten Donald Trump zählt.

Im Hinblick auf den Lebenslauf weisen die Chefs von Finanzinvestoren wie Cerberus meist viele Parallelen auf: Sie haben an einer US-Elitehochschule studiert, einige Jahre bei einer Wall-Street-Investmentbank gearbeitet und sich dann mit einer Firma selbstständig gemacht, die das Kapital von reichen Privatpersonen und großen Investoren wie etwa Pensionsfonds mehren will.

Das gilt für Steven Tananbaum, den Gründer der Beteiligungsgesellschaft Golden Tree, die jetzt an der Seite von Cerberus bei der HSH Nordbank eingestiegen ist. Und das gilt ebenso für J. Christopher Flowers. Dieser war über sein Unternehmen J.C. Flowers & Company schon im Jahr 2006, also noch vor der Finanzkrise, bei der HSH als Miteigner an Bord gekommen und hat mit diesem Engagement, wie er freimütig eingestand, „viel Geld verloren“. Dennoch stockt er seine Beteiligung von fünf Prozent nun auf rund 38 Prozent auf und wird damit zum zweitgrößten Anteilseigner nach Cerberus (gut 40 Prozent, siehe Grafik).

Im Unterschied zu Feinberg liegen die Privatinteressen von Flowers, der einst mit 31 der jüngste Partner bei Goldman Sachs in der Geschichte der Investmentbank war, auf eher humanitärem und schöngeistigem Gebiet: Er engagiert sich unter anderem für die Malaria-Bekämpfung in Afrika. Außerdem ist er als großzügiger Förderer des New York Philharmonic Orchestra bekannt. Dagegen weiß man über Centaurus Capital aus Texas, einem Verwalter von großen Privatvermögen und künftig immerhin mit sieben Prozent an der HSH beteiligt, kaum etwas.

Maßgeblich für die Strategie der bisherigen Landesbank in den kommenden Jahren dürften aber ohnehin die Vorstellungen von Flowers und Feinberg sein. Letzterer muss damit leben, dass der Name seines Unternehmens geeignet ist, Vorurteile zu wecken: In der griechischen Mythologie ist Kerberos – lateinisiert Cerberus – ein dreiköpfiger Hund, der darüber wacht, dass niemand aus der Hölle entkommt. Feinberg soll die Idee gemocht haben, dass ein Kopf des Tieres immer wach war – so wie sein Unternehmen stets die Investitionen der Kunden bewachen solle, heißt es.

Cerberus sieht sich nach eigenem Bekunden als „langfristig orientierter Anteilseigner“ der HSH, denn man halte Deutschland für einen „höchst attraktiven Investitionsstandort“ und sehe insbesondere gute Möglichkeiten im Firmenkundengeschäft. Nun sind Finanzinvestoren sonst eher auf schnelle Wertsteigerungen mit einem Zeithorizont von bis zu fünf Jahren aus. „Bei Banken ist das aber schwierig zu erzielen, schon weil es wegen der Vorschriften von Regulatoren nicht so leicht ist, Kapital aus dem Investitionsobjekt abzuziehen“, erklärt Martin Faust, Professor an der Frankfurt School of Finance & Management. Vielleicht auch aus diesem Grund gebe es nur relativ wenige Beispiele für Übernahmen von Banken durch Finanzinvestoren. Cerberus ist aber eines davon: Schon Ende 2006 kaufte das Unternehmen die damals nach Fehlspekulationen stark angeschlagene Bawag; sie war – ebenso wie kurz darauf die HSH Nordbank – nur durch eine milliardenschwere Auffangaktion mit öffentlichem Geld vor der Pleite gerettet worden. Im Jahr 2012 stieg auch Golden Tree bei dem österreichischen Institut ein.

Nach der Bawag-Übernahme strich Cerberus Hunderte Jobs

„Cerberus hat die Bawag stabilisiert und ihr wieder Wachstumsperspektiven gegeben“, sagt Faust, „aber man war dabei nicht zimperlich.“ Etliche Hundert Arbeitsplätze wurden abgebaut, das Filialnetz ausgedünnt. Zuletzt gewährte Cerberus dem Bawag-Chef Anas Abu­zaakouk – ein Amerikaner, der kein Deutsch spricht – sehr großzügige Bonusansprüche. Auch die Bawag hat sich jetzt mit einem kleinen Anteil von gut zwei Prozent an der HSH beteiligt. Bereits im Dezember hatten die Österreicher die in Baden-Württemberg tätige Südwestbank mit etwa 650 Mitarbeitern und rund 100.000 Kunden übernommen.

„Möglicherweise werden die neuen HSH-Eigentümer versuchen, auf dem deutschen Markt durch Kooperationen oder Zusammenschlüsse größere Einheiten zu bilden und dadurch Mehrwert zu schaffen“, sagt Faust. Auf dieses Motiv könnte auch die Tatsache hindeuten, dass Cerberus auch an der Deutschen Bank und der Commerzbank mit drei beziehungsweise fünf Prozent beteiligt ist. Das ändere aber nichts daran, dass Deutschland als Bankenmarkt „sehr wettbewerbsintensiv“ sei.

Das sieht auch ein Banker so, der sich gerade mit den Verhältnissen im Norden exzellent auskennt: Haspa-Chef Harald Vogelsang. „Der Vorstand der HSH Nordbank hat erklärt, man wolle sich auf das Geschäft konzentrieren, das für kleinere Sparkassen zu groß und für Großbanken zu klein ist“, so Vogelsang. „Aber genau dieses Kundensegment der klassischen Mittelständler haben auch schon viele andere Banken als attraktiv für sich entdeckt. Die HSH Nordbank wird es dort nicht leicht haben.“ Nach Einschätzung des Haspa-Chefs ist der Verkauf der HSH schon deshalb eine einschneidende Veränderung für Norddeutschland, „weil die neuen Eigentümer der Bank keinen Bezug zu dieser Region haben und es somit keinen Gleichklang der Interessen mehr gibt.“

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