Berlin

Bundesrepublik wird gerechter – zumindest ein bisschen

Dank Mindestlohn steigen die niedrigsten Einkommen am stärksten

Berlin. Putzfrauen, Verkäuferinnen, Fensterputzer und Millionen von Minijobbern – sie haben sich in den vergangenen Jahren über deutlich höhere Löhne freuen können. Weil die Verdienste der am schlechtesten bezahlten Beschäftigten relativ stark steigen, nehme die soziale Ungleichheit hierzulande neuerdings ab, erklärte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) gegenüber dieser Redaktion. Ein wesentlicher Grund sei der gesetzliche Mindestlohn.

Allerdings macht sich diese positive Tendenz vor allem bei den Stundenlöhnen bemerkbar, bei den Monatslöhnen ist sie weniger zu sehen, bei den Jahreslöhnen gar nicht. Die Studie im neuen Wochenbericht des DIW zeigt, wie bei den Bruttostundenlöhnen die Schere während der 1990er- und dann in den 2000er-Jahren immer weiter aufging: Bei Angestellten mit höheren Qualifikationen, etwa Anwälten, Ärzten, Ingenieuren, Gymnasiallehrern und Leuten im mittleren Management, stiegen die Einkommen, während Verkäuferinnen, Gebäudereiniger, Sicherheitsleute und andere in niedrig bezahlten Dienstleistungsjobs weniger Geld bekamen.

Nun aber tut sich auch in den unteren Einkommensgruppen etwas: „Zwischen 2013 und 2016 sind die Bruttostundenlöhne im untersten Dezil erstmals deutlich mit rund 13 Prozent gestiegen“, sagt Carsten Schröder, einer der Autoren der Studie. Das „unterste Dezil“ bezeichnet diejenigen zehn Prozent der Beschäftigten mit den niedrigsten Einkommen. „Gerade der flächendeckende Mindestlohn dürfte die Spreizung der Bruttostundenlöhne deutlich verringert haben.“ Ab 2009 führte die Bundesregierung Lohnuntergrenzen für einzelne Branchen ein, 2015 folgte der allgemeingültige gesetzliche Mindestlohn. Auch dadurch stieg der mittlere Bruttostundenlohn in der Gesamtwirtschaft von 15,75 Euro (2013) auf 16,60 Euro (2016). Von 1992 bis 2010 waren die Löhne des unteren Dezils noch abgerutscht, insgesamt um 15 Prozent.

Auch bei den Bruttomonatslöhnen nimmt die Ungleichheit neuerdings ab, wenn auch nicht so deutlich wie bei den Stundenlöhnen. Der Grund dürfte darin liegen, dass die Arbeitszeit der Beschäftigten teurer wird und deshalb manche Firmen Niedriglohnjobber weniger Stunden arbeiten lassen. Aber auch die Beschäftigten selbst reduzieren ihre Arbeitszeit, wenn sie unter der 450-Euro-Minijob-Grenze bleiben wollen.

Betrachtet man die Ungleichheit zwischen hohen und niedrigen Verdiensten auf das Jahr gerechnet, sieht man auch in jüngster Zeit eine leichte Zunahme. Die Erklärung ist, dass die Leute mit den höchsten Einkommen überproportional von Sonderzahlungen profitieren, die nur einmal jährlich überwiesen werden. Minijobber erhalten keine Boni.