Hamburg

Neue Runde im Fluglärmstreit

Umweltschützer kritisieren viele Landungen in der Nacht. Airport widerspricht

Hamburg. Während sich der Hamburger Flughafen über Passagierrekorde und ein gutes Ergebnis 2016 freut, steigt für die Anwohner der Fluglärm. Das vergangene Jahr ist laut einer Studie der Umweltschutzorganisation BUND das lauteste seit der Jahrtausendwende gewesen. Der sogenannte Fluglärmteppich – also der lärmbetroffene Bereich im Umfeld des Airports – lag bei knapp 14 Quadratkilometern, teilte der BUND am Dienstag mit. Der Flughafen bestätigte die Zahl, verwies aber darauf, seit Jahren in diesem Bereich zu liegen. "Wir sind da sehr, sehr stabil", sagte Flughafenchef Michael Eggenschwiler auf der Bilanzpressekonferenz (siehe oben).

Seit Jahren streiten das Unternehmen und Anwohnerinitiativen vor allem über den Lärm in der Nacht. "Das ist keine Ausnahme, das ist der Regelfall, dass nach 23 Uhr in Fuhlsbüttel gestartet und gelandet wird", sagte BUND-Landesgeschäftsführer Manfred Braasch. In den sechs verkehrsreichsten Monaten habe es nur in zwölf von 184 Nächten keine Starts und Landungen gegeben. In Fuhlsbüttel herrscht eine Nachtflugbeschränkung. Der planmäßige Flugbetrieb findet von 6 bis 23 Uhr statt. Bis 24 Uhr dürfen verspätete Maschinen starten und landen. Zwischen Mitternacht und 6 Uhr sind Flüge nur mit vorheriger kostenpflichtiger Ausnahmegenehmigung der Umweltbehörde möglich – und bei der stoßen die vom BUND genannten Zahlen auf Unverständnis. "Die Angaben von nur zwölf Nächten ohne Fluglärm in den sechs verkehrsreichsten Monaten 2016 ist so nicht nachvollziehbar", sagte ein Sprecher. Die Fluglärmkritiker zählten offenbar Nächte mit Flügen des Polizeihubschraubers oder medizinischen Notfallflügen als Verstöße gegen die Nachtflugbeschränkungen mit – diese sind von der Regelung ausgenommen. "Nach unserer Kenntnis hat es 2016 an 90 Tagen keine Passagierflüge zwischen 23 und 6 Uhr gegeben", so der Sprecher. Der BUND spricht von 74.

Gestritten wird auch über die Zahl der Fluglärmbetroffenen. Laut BUND leiden in Hamburg und Umland 200.000 Menschen darunter. Der Flughafen verweist auf das Umweltbundesamt, das mit 54.200 Personen rechne.

Braasch erneuerte seine Forderung nach einem Verbot von Starts und Landungen zwischen 22 und 6 Uhr. Seit Anfang März sammelt der BUND dafür Unterschriften. Zur Begründung verwies Braasch auf die gestiegene Zahl an Flugbewegungen in den letzten beiden Stunden des Tages. Zwischen 22 und 23 Uhr seien es im vergangenen Jahr 19,8 statt 19,1 im Vorjahr gewesen, von 23 bis 24 Uhr kletterten sie von 2,3 auf 2,61.

"Die Pünktlichkeitsoffensive ist gescheitert", sagte BUND-Luftverkehrsexperte Martin Mosel. Im April 2016 hatte der Airport eine Initiative gestartet, um die Zahl der Verspätungen in der letzten Tagesstunde abzubauen. Vor allem in den Sommermonaten stieg die Zahl aber deutlich an. Der Flughafen verwies in erster Linie auf extreme Wetterlagen. Nach weiteren Umstellungen im Winterflugplan habe es nun aber Verbesserungen gegeben, sagte Eggenschwiler. Von November bis März habe es 20 Prozent weniger Flugbewegungen zwischen 23 und 0 Uhr gegeben. (dpa/hpvg/woh)

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