Brigitte Scholtes Frankfurt

14 Millionen Euro Jahresgehalt für deutschen Manager14 Millionen Euro Jahresgehalt14 Millionen Euro Jahresgehalt

Großverdiener-Bericht der BankenaufsichtGroßverdiener-Bericht der BankenaufsichtBericht der Bankenaufsicht listet Großverdiener auf

Brigitte Scholtes. Welcher Banker trägt in diesen Zeiten in Deutschland noch eine Vergütung von knapp 14 Millionen Euro nach Hause? Diese Frage war aufgekommen, als die Europäische Bankenaufsicht EBA vor wenigen Tagen ihren jährlichen Bericht zu Großverdienern veröffentlichte. Darin stehen die Gehälter der Banker für 2015 fein säuberlich aufgelistet, unterteilt nach Millionen und nach EU-Ländern. Und unter „Germany“ tauchte tatsächlich eine Vergütung von insgesamt 13.911.704 Euro auf, ausgezahlt an einen Bankmitarbeiter aus dem Management. Sind für Banker nicht magere Zeiten angebrochen? Zumindest hatte man diesen Rückschluss nach der Finanzkrise ziehen können.

Nun ist das Rätsel gelöst: Es ist kein Manager einer der großen Wall-Street-Banken mit Niederlassung in Frankfurt, wie eine große deutsche Tageszeitung gemutmaßt hatte. Die fürstliche Summe von fast 14 Millionen Euro ist auch nicht in die deutsche Hauptstadt des Geldes, nach Frankfurt also, geflossen, sondern in deren Nachbarstadt Wiesbaden.

Dort nämlich hat die Immobilienbank Aareal ihren Sitz, und deren früherer Vorstandschef ist der Glückliche: Wolf Schumacher nämlich, der im September 2015 den Vorstandsvorsitz dieser Bank abgegeben hatte. Er hatte die Aareal Bank durch die Finanzkrise gesteuert, sogar auf deren Höhepunkt Garantien und eine Stille Einlage aus dem Banken-Rettungsfonds SoFFin besorgt, die aber 2014 vollständig zurückgezahlt wurde.

Der 1958 geborene Manager hatte die Bank saniert und zu einem Vorzeigeunternehmen der Finanzbranche gemacht. Dafür erhielt er 2015 noch ein Fixgehalt von gut einer Million Euro, hinzu kam eine variable Vergütung, die abhängig vom Unternehmenserfolg gezahlt wird, von gut sieben Millionen Euro, rechnet man dann noch den Versorgungsaufwand hinzu, also die Pensionsansprüche von gut 4,6 Millionen Euro, sowie eine anteilig gewährte Langzeitvergütung von rund einer Million, summiert sich das auf stolze 13,9 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte er „nur“ 3,9 Millionen Euro an Gesamtvergütung erhalten.

Schumacher, ausgewiesener Fan der britischen Rockband Rolling Stones, hatte nach der Krise die Bank wieder auf Expansionskurs geführt und verschiedene Akquisitionen getätigt, so etwa die Coreal-Credit. Außerdem profitierte die Bank davon, dass sich große Immobilienfinanzierer wie Hypo Real Estate und EuroHypo ganz oder teilweise aus dem Markt zurückgezogen hatten.

Inzwischen haben die Regulierer die Vergütungsbestimmungen geändert. Die variablen Vergütungen sollen nicht mehr so hoch ausfallen. Die Banken reagieren darauf mit einer Erhöhung der fixen Vergütungen. Das hatte auch Deutsche-Bank-Chef John Cryan vor wenigen Tagen für sein Haus bestätigt. Im Vergleich zu Londoner Bankern sind die deutschen Bankmanager aber immer noch bescheiden: Den dicksten Batzen laut Großverdiener-Bericht der EBA hat ein Londoner Banker eingestrichen: Unglaubliche 33,8 Millionen Euro sind da für 2015 ausgewiesen. Dieser Banker ist in der Vermögensverwaltung tätig, vermutlich ein Hedge-Fonds-Manager. Das zweithöchste Gehalt unter Londoner Bankern liegt bei 28,4 Millionen Euro.

Dahinter folgt ein Manager einer britischen Bank, der gut 26 Millionen Euro einstreicht. Der Höchstverdiener in Spanien, ebenfalls ein Manager, erhielt 10,2 Millionen Euro, während in Italien die höchste Vergütung mit 6,2 Millionen Euro an einen Banker aus der Vermögensverwaltung gezahlt wurde. Die Nummer Zwei in Deutschland hat 7,6 Millionen Euro eingestrichen, davon 4,25 Millionen als Festgehalt.